Nicht nur profitabel sollen sie sein, sondern auch „vollumfänglich mit dem christlichen Menschenbild und ethischen Werten vereinbar“: Hohe Ansprüche an die beiden neuen Aktien-Indizes, die die Vatikanbank jüngst vorgestellt hat – als Richtschnur für die eigene Anlagepolitik, aber auch als „Referenzpunkte für katholische Investoren weltweit“, wie das päpstliche Geldinstitut den Medien mitteilt. Mit den neuen Indizes biete man nun „ein Werkzeug an, das auch anderen katholischen Institutionen dabei helfen kann, ihre Portfolios ohne schlechtes Gewissen zu managen“.
Entstanden sind die beiden neuen Indizes – eines mit europäischen, das andere mit US-Unternehmen – in Zusammenarbeit mit dem globalen Indexanbieter Morningstar. Die Vatikanbank bezeichnet dies als „einen bedeutenden Schritt in Richtung einer konsequent ethischen Finanzstrategie“. Mehr noch: Die Initiative sei „Teil einer umfassenden Reform der vatikanischen Anlagepolitik. Investitionen sollen künftig nicht mehr nur das Risiko-Rendite-Profil optimieren, sondern aktiv zur Förderung einer gerechteren Welt beitragen“, und dies „in voller Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Soziallehre der Kirche.“
Die neuen Indizes konzentrieren sich auf jeweils 50 Emittenten aus der Eurozone und den USA, wobei der Fokus auf Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung liegt. Die Auswahl der Unternehmen erfolge nach einem regelbasierten Verfahren, das Ausschlusskriterien der Kirche berücksichtige. Unter diese Ausschlusskriterien fallen Aktiengesellschaften mit umweltschädlichen Praktiken oder Aktivitäten im Bereich von Abtreibung/Verhütungsmitteln, Pornografie, Waffen/Rüstung, Glücksspiel, Tabak/Cannabis, Ausbeutung/Kinderarbeit sowie offensiven Cyber-Waffen.
Aber welche Emittenten sind es denn nun eigentlich, die nach Überzeugung der Vatikanbank alle ethischen Kriterien einhalten? Die zehn größten Vertreter des päpstlichen US-Index zählen allesamt zu den bekanntesten Global Playern – es sind Meta, Amazon, Nvidia, Tesla, Apple, JP Morgan, Broadcom, Visa, Micron und Alphabet. An der Spitze des Eurozonen-Index stehen ASML Holding, Deutsche Telekom, SPA, Banco Santander, Hermès International, Banco Bilbao, Prosus, Vonci, UniCredit und Allianz.
Man mag gern glauben, dass alle ausgewählten Unternehmen nicht durch das Raster der genannten Ausschlusskriterien fallen. Aber entsprechen sie auch wirklich den Erwartungen, die man an ethisch korrekte, kirchliche Investments stellt? Oder lassen sie den einen oder anderen katholischen Kleinanleger eher etwas verwirrt zurück? Wer seine Ersparnisse vorrangig in Aktien aus den Branchen Erneuerbare Energien und Recycling investiert und dabei glaubt, verantwortlich und nachhaltig zu handeln, dürfte sich hier nur sehr bedingt bestätigt sehen.
Wie dem auch sei, weitreichend ist dieser Schritt durchaus: Die Vatikanbank verwaltet Vermögenswerte für über 12000 Kunden, darunter religiöse Orden, vatikanische Einrichtungen und katholische Hilfswerke in mehr als 110 Ländern. Als einzige autorisierte Bank im Staate der Vatikanstadt sieht sie sich „in der Verantwortung, eine Vorreiterrolle für eine verantwortungsbewusste Finanzwelt einzunehmen.“ Wie verantwortungsvoll die Auswahl tatsächlich ist, bleibt Ansichtssache.