Damals im Mittelalter sind die Pilger von ihrer Haustür aus losgelaufen. Sie mussten, wenn sie endlich das lang ersehnte Ziel erreicht hatten, auch wieder zu Fuß heimwärts gehen. Ich stelle mir vor, dass dieser Rückweg auf bekanntem Pfad sehr mühselig und langweilig gewesen sein muss. Mir fällt das Weggehen leicht, es ist mit Freude und Erwartungen verbunden. Immer ist es ein Aufbruch in eine ungewisse und deswegen aufregende Zukunft. Die Rückkehr dagegen erscheint mir jedes Mal so grau und unerquicklich, dass ich mich jedes Mal fragen muss, warum ich überhaupt heimfahre. Und ich habe keine andere Antwort parat als diese: Damit ich wieder losgehen kann.
Carmen Rohrbach, in: „Jakobsweg. Wandern auf dem Himmelspfad“ (Herder, Freiburg 2026)