Zwei Wochen nach dem Angriff auf IranDer unbeliebte Krieg

Im Krieg rückt das Land zusammen, so war das meistens in der Geschichte der USA. Diesmal ist es anders. Dabei gibt es eine Gruppe, die besonders auf Eskalation in der Region drängt – aus religiösen Gründen.

In den USA berichten Fernseh- und Radiosender, Zeitungen sowie Podcasts eingehend über den Krieg gegen Iran. Mit im Blick sind dabei stets die wirtschaftlichen Folgen, denn der Konflikt wirkt sich insbesondere auf die Ölpreise aus. Die Angriffe der Vereinigten Staaten auf das Land im Mittleren Osten sind aktuell also ein großes Thema – und eines, das sehr kritisch diskutiert wird, nicht nur in den Medien. Ich habe in Boston mit Menschen gesprochen, die bezweifeln, dass der Angriff völkerrechtlich gedeckt ist. Stark präsent ist auch noch die Erinnerung an den Irakkrieg im Jahr 2003. Dieser endete offiziell zwar schnell, führte aber zu einer ebenso langwierigen wie kostspieligen Präsenz von Bodentruppen. Im Laufe der Zeit starben tausende Soldatinnen und Soldaten, und es gab nochmals mehr Verletzte.

Umfragen zufolge lehnt weit mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung den Iran-krieg ab. Das ist umso erstaunlicher, als es im Kriegsfall normalerweise zu einer Solidarisierung mit der Regierung kommt. Politische Differenzen treten zurück. Das ist diesmal anders. Schließlich hat die Trump-Administration keine eindeutigen Gründe für den Waffengang geliefert. Dass eine unmittelbare Bedrohung für die USA bestand, glaubt niemand, mit dem ich gesprochen habe. Ein Mann, bisher überzeugter Republikaner und Trump-Wähler, hofft sogar, dass seine Partei bei den im November anstehenden Zwischenwahlen auf ganzer Linie verliert. Trump tue nämlich genau das, wofür er nicht gewählt worden sei. Anstatt sich um die Sorgen seiner Landsleute zu kümmern, kämpfe er: in der Ukraine, in Venezuela oder nun im Mittleren Osten.

In Bezug auf die Außenpolitik sind sowohl die Republikanische Partei als auch die MAGA-Bewegung tief gespalten. Vizepräsident J.D. Vance, der im Jahr 2005 selbst sechs Monate lang im Irak diente, möchte das Land eher aus Konflikten heraushalten. Dagegen steht Außenminister Marco Rubio für einen interventionistischen Kurs. Diesen befürworten insbesondere evangelikale Christen, die fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachen. Dabei spielen religiöse Überzeugungen eine wichtige Rolle. Viele Evangelikale glauben, dass der von ihnen ersehnten Wiederkunft Jesu Christi eine Phase der Gewalt vorausgeht. Im Unterschied zu dieser geschichtstheologischen Deutung äußern Anhänger der Demokratischen Partei den Eindruck, Trump führe den Krieg nur, um von seiner schlechten Leistungsbilanz abzulenken. Schließlich hatte er im Wahlkampf 2024 damit geworben, zügig die hohen Lebenshaltungskosten zu senken und sichere Arbeitsplätze zu schaffen.

Make America great again („Macht Amerika wieder groß“) hieß anfangs vor allem, die US-Wirtschaft zu stärken. Das ist bislang ausgeblieben. Nach wie vor geben die Menschen einen erheblichen Teil ihres Einkommens für Lebensmittel und Mieten aus. Und während sich die Arbeitswelt durch Künstliche Intelligenz zu verändern beginnt, stiftet Trump durch seine chaotische Zollpolitik Verunsicherung an den Aktienmärkten. All das führt dazu, dass seine Zustimmungswerte stetig sinken. Welche politischen Folgen das hat, werden die Zwischenwahlen im November zeigen.

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