Wochensprüche Februar

Letzter Sonntag nach Epiphanias (1.2.2026)

Jesaja 60,2b: Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Es ist ein faszinierendes Bild, das der Prophet Jesaja in den letzten Kapiteln seines Buches von Jerusalem zeichnet. Obwohl oder gerade weil die Menschen nach ihrer Rückkehr aus dem babylonischen Exil in Bedrängnis und Armut leben, kündigt Jesaja Gottes Eingreifen an. Gottes Herrlichkeit wird über Jerusalem und seinem Volk erscheinen, und ein neuer Himmel und eine neue Erde sollen entstehen. Diese Prophezeiung erinnert an das neue, das himmlische Jerusalem, von dem gegen Ende der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament die Rede ist.
Steht dieses schöne und auch tröstliche Bild einer neuen Erde im Glanz Gottes nicht in einem krassen Gegensatz zu der Welt, die wir heute täglich in den Bildern der Nachrichten zu sehen bekommen? Was wir sehen, ist eine Welt, die in weiten Teilen durch Krieg und Hunger geprägt ist. In den von Menschen verursachten Katastrophen erkennen wir mit Schrecken, welch unsägliches Leid Menschen über Menschen bringen können. Und doch ist es die Welt, in der wir leben.
Wo sehen wir Gottes Glanz, seine Ehre, seine Gewichtigkeit? Das sind mögliche Bedeutungen des hebräischen Wortes kavod, das meistens mit Herrlichkeit übersetzt wird. Wann erscheint Gottes Herrlichkeit in der Welt? Die Antwort auf diese Frage steht unmittelbar vor dem Wochenspruch. „Mache dich auf, werde licht.“ (Jesaja 60,1) Wir werden licht, wenn wir Frieden schaffen, wenn wir Schwerter zu Pflugscharen machen und nicht mehr das Kriegshandwerk erlernen. (Jesaja 2,4) Wir werden licht, wenn wir mit Hungrigen unser Brot teilen, Arme in unser Haus einladen und Nackte bekleiden. (Jesaja 58,7) Und dann, und nur dann wird Gott auf unser Rufen und unser Flehen nach seinem Beistand antworten und sagen „Hier bin ich.“ (Jesaja 58,9)
Mache dich auf und werde Licht. Mit diesen poetischen Worten macht uns der Prophet Jesaja deutlich, dass es um mehr geht als um die Beziehungen zwischen Menschen. Es geht auch um die Beziehung zwischen den Menschen und Gott und zwischen Gott und den Menschen.

Sexagesimä (8.2.2026)

Hebräer 3,15: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.

Der Wochenspruch aus dem Hebräerbrief zitiert eine Stelle aus Psalm 95. „Würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören.“ Die so Angesprochenen sollen ihre Herzen nicht verhärten. Denn wer nicht nur seine Ohren, sondern auch sein Herz für Gottes Wort öffnet, wird selig sein. So sagt es auch der Evangelist Lukas, denn selig sind die, die das Wort Gottes hören und bewahren. (Lukas 11,28)
Gottes Wort hören? Doch wann und wo und wie können wir Gottes Wort hören? Antworten auf diese Frage geraten leicht zu unverbindlichen theologischen Redewendungen. Ein Ort, an dem sich die Möglichkeit zum Hören eröffnen kann, sind für mich die ökumenischen Bibelgesprächskreise. Diese Erzählgemeinschaften bewahren Gottes Wort, und daraus entsteht durch die vielfältigen Verstehensweisen innerhalb der Gemeinschaft etwas Neues. Das Wort wird bewahrt, Neues entsteht, und Tradition wird lebendig. In den Erzählgemeinschaften wird das Wirken der göttlichen Geistkraft erfahrbar, Gottes Wort wird in einer eigenen Weise hörbar.
Im erzählenden Erinnern an vergangene Verheißungen, aber auch im Erinnern an die Leidensgeschichten im Alten und Neuen Testament können wir Orientierung für unser Leben finden. Dabei geht es nicht um ein sentimentales Erinnern mit verklärendem Blick auf vergangene Zeiten. Ein solches Erinnern wäre für unsere Gegenwart und auch für unsere Zukunft bedeutungslos. Der christliche Glaube erschöpft sich auch nicht in der Zustimmung zu Glaubenssätzen, die im Laufe der Kirchengeschichte definiert wurden. Der Glaube lebt vielmehr von der Erinnerung an die Verheißungsgeschichten und, das darf nicht unterschlagen werden, an die Leidensgeschichten.
Das Judentum und das Christentum sind seit Beginn Erzählgemeinschaften. Das gemeinsame Erinnern kann zu einer lebendigen Hoffnung werden und dadurch lebensbestimmend in die Zukunft weisen. Im gemeinsamen Erinnern hören wir Gottes Wort, und Gottes Wort wird bewahrt, wenn wir uns an das Wort halten, an die uns überlieferten Weisungen.

Estomihi (15.02.2026)

Lukas 18,31: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

Jesus ist mit seiner Schülergruppe auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem. Sie befinden sich in der Nähe von Jericho, als Jesus die Zwölf zu sich nimmt und ihnen seinen Entschluss mitteilt, nach Jerusalem hinaufzugehen. So beginnt die dritte Leidensankündigung Jesu im Lukasevangelium, an deren Ende Tod und Auferstehung stehen. (Lukas 18,32 f.)
Vielleicht bezieht sich der Evangelist mit dem Hinweis auf die Propheten auf das Lied vom Gottesknecht im Buch Jesaja. (Jesaja 52 und 53) Dabei ist es gleichgültig, ob sich Jesus selbst als leidenden Gottesknecht verstanden hat. Das ist eher fraglich. Auf jeden Fall wird deutlich, wie stark Jesus im Judentum seiner Zeit verwurzelt war. Er war Jude, er lebte im Einklang mit der kulturellen und religiösen Ordnung seines Volkes. Wenn wir Jesus anhand der uns überlieferten Evangelien auf seinen Wanderungen durch Galiläa und von dort auf dem Weg nach Jerusalem begleiten, dann sehen wir wohl, dass er diese Ordnung seines Volkes durch eigene Auslegung der Tora bereichert hat. Den Raum der Tora, den Boden des Judentums, hat er aber nicht verlassen. Der jüdische Theologe und Rabbiner Abraham Geiger hat in seiner Geschichte zum Judentum Jesu Position treffend beschrieben:. „Er war ein Jude, ein pharisäischer Jude mit galiläischer Färbung, ein Mann, der die Hoffnungen in sich erfüllt glaubte. Einen neuen Gedanken sprach er keineswegs aus, auch brach er nicht etwa die Schranken der Nationalität.“
Durch die Erzählungen in den Evangelien ist uns die Lebenswelt Jesu nicht fremd. Wenn wir in den Schriften des Alten und Neuen Testaments lesend in diese Welt eintauchen, dann erscheint uns diese Welt manchmal sogar vertraut, und wir verstehen, dass Jesus die Hoffnungen seines Volkes in sich erfüllt sah. Und daraus erklärt sich auch die Notwendigkeit des Leidensweges und die Freiwilligkeit, mit der Jesus diesen Weg gegangen ist. Die jüdische Lebenswelt Jesu und sein Weg hinauf nach Jerusalem ist Teil unseres christlichen Selbstverständnisses geworden.

Invokavit (22.02.2026)

1.Johannes 3,8b: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Es geht um Liebe, um Gerechtigkeit und Sünde. Es sind die zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte aktuellen Themen, die der 1. Johannesbrief aufgreift. Und es geht um das Bekenntnis zu Jesus, den Christus, den Gesalbten Gottes. Das zentrale Anliegen des Verfassers ist die Herstellung einer gemeinsamen Glaubensbasis, in der die Glieder der Gemeinschaft in Liebe zueinander verbunden sind.
Im Bekenntnis zu Jesus Christus bekennen sich Menschen zum Liebesgebot, wie es schon im Alten Testament formuliert ist und wie es auch von Jesus eingefordert wurde. „Du sollst deinen Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen“ und „du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Dieses Gebot ist dem Johannesbrief eine Selbstverständlichkeit, und daraus folgt die Notwendigkeit der Pflicht zum gerechten Handeln. Diese Pflicht gilt nicht nur innerhalb der Gemeinschaft, sie gilt dem Leben insgesamt, sie gilt gegenüber Gottes Schöpfung.
Gerade wegen unseres Bekenntnisses zu Jesus Christus wissen wir aber auch, dass wir dem hohen Anspruch des Doppelgebotes der Liebe nicht gerecht werden können. Wir kennen selbst unsere Fehler und unser Versagen, biblisch gesprochen unsere Sünden. Und es stellt sich die Frage, wie wir damit umgehen. Im Johannesbrief sind alle, die sich für sündlos halten, Lügner vor sich selbst und vor Gott. Die Existenz der Sünde in der Welt kann nicht geleugnet werden, und dennoch muss gelten, dass Gottes Schöpfung von Grund auf gut ist.
Das Bekenntnis zu Gott und zu Jesus Christus führt zu einem gerechten Handeln in Achtung vor Gott und den Geschwistern. In dieser Haltung und in dem Glauben an den bereits erschienenen Christus können wir versuchen, das Böse zu überwinden. Damit stellen wir uns in die Nachfolge Jesu, denn dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. Die Möglichkeit zur Überwindung des Bösen haben wir jetzt schon, wir müssen nichts in die Zukunft vertagen. Denn wir wissen, dass wir von Gott sind. (1 Johannes 5,19)

Anzeige: Die Entdeckung der Ewigkeit von Peter Seewald
Pastoralblätter-Hefte

Die Pastoralblätter im Abo

Gottesdienste komplett und fundiert vorbereiten.

Zum Kennenlernen: 2 Ausgaben gratis

Jetzt gratis testen