Hühner auf Zeit in der KitaGackernde Mieterinnen

Können Hühner beißen und woher kommt eigentlich ein Ei? Das und mehr finden Kinder mit einem mobilen Hühnerstall heraus. Gleichzeitig probieren sie sich in Hühnerhaltung.

Eine Frau und ein Junge im Garten mit Hühnern.
© Sabrina-Diekfelder_Unna

Im Garten der Kita „Dürerstraße“ gibt es seit Neustem Hühner. Vier Legehennen sind für zwei Wochen eingezogen. Im Gepäck haben sie alles, was man als Huhn braucht: einen mobilen Hühnerstall, einen Einsteckzaun, einen Futterautomaten und Streu. „Huhn on Tour“ heißt eine Initiative, bei der man Hühner mieten und ein bisschen das Landleben kennenlernen kann. Auf sie ist das Kita-Team durch einen Fernsehbericht aufmerksam geworden. Von der Idee begeistert haben die pädagogischen Fachkräfte gleich mal recherchiert, wo eine Ausleihe in der Nähe möglich ist. Bei Gabriela Broer in Lünen sind sie fündig geworden. Die Eigentümerin von „Huhn on Tour“ gibt zum Start eine Einführung und baut den mobilen Stall in der Kita auf.

Täglich füttern, pflegen und den Stall sauber halten

Gleich morgens machen sich die Kinder auf und werden im Stall von den gackernden, flatternden Hühnern begrüßt. Ob sie schon Eier gelegt haben? Den Kindern wird klar: Bis ein Karton voll ist, kann es dauern. An manchen Tagen schauen sie sogar mehrmals nach, bis endlich ein Ei im Stroh liegt. Nach dem Öffnen der Stalltür stellen die Kinder draußen Futter auf und füllen frisches Wasser nach. Im Laufe des Tages schauen sie immer wieder, ob es den Tieren gut geht, und versorgen sie mit Rohkost oder Quark. Einige legen etwas von ihrem Mittagessen zur Seite, um es den Hühnern zu geben. Die Kinder kümmern sich täglich um die Tiere und dazu gehört auch, das Hühnermobil mit Bürste und Wasserschlauch sauber zu halten und regelmäßig neue Zeitungen auszulegen.
Die Kinder sind überrascht, welche Arbeit hinter der Hühnerhaltung steckt, und beeindruckt mitzuerleben, woher das Frühstücksei kommt. Da die Hühner handzahm sind, brauchen sie auch täglich ihre Streicheleinheiten. Einige Kinder haben am Anfang große Berührungsängste: „Wie kann ich ein Huhn hochnehmen?“, „Beißen die Hühner?“
Sie gestalten ein Plakat, auf dem sie Wissenswertes über Hühner abbilden: was Hühner fressen, was sie brauchen, um sich wohlzufühlen, wie ein Küken aus dem Ei schlüpft. Das Beobachten der Tiere entwickelt sich zur Lieblingsbeschäftigung der Kinder. Dabei erleben sie, welche Besonderheiten Hühner haben, und sammeln Erfahrungen im Umgang mit ihnen. Da die Kinder den ganzen Tag mit den Tieren zusammen sind, beantworten sich manche ihrer Fragen oft von allein.
Das Interesse an den Tieren zeigt sich auch im freien Spiel. Die Kinder holen sich z. B. eine Feder aus dem Stall und gestalten ein Huhn aus Papier. Im Rollenspiel ahmen sie Tiere nach und spielen Bauernhof. Das Thema begeistert die Kinder unter anderem deshalb, weil es ganzheitlich erfasst werden kann. Sie wirken mit und sammeln Erfahrungen durch eigenes Tun. Das macht das Hühnerprojekt zu etwas ganz Besonderem für Groß und Klein. Die Eltern unterstützen „Huhn on Tour“ in der Kita gerne. Zwei Familien wechseln sich damit ab, die Hühner abends in den Stall zu bringen und abzuschließen. Das ist wichtig, damit die Tiere z. B. vor Mardern geschützt sind. Weil das Interesse der Familien an den Hühnern groß ist, wird sogar eine Stellwand mit allen wichtigen Informationen im Flur platziert. Inzwischen ist das Projekt vorbei. Da es aber allen viel Freude bereitet hat, werden im Herbst wieder gackernde Mieterinnen einziehen.

Wissenswertes zu Hühnern

Hühner sind Allesfresser. Sie leben in kleinen Gruppen (ca. 4–6 Tiere inkl. Hahn) mit einer klaren Rangordnung. Eine Haltung ist auch ohne Hahn möglich. Seit dem Mittelalter werden Hühner bei uns als Nutztiere (Federn, Eier, Fleisch …) gehalten. Sie brauchen einen Auslauf mit Büschen/Sträuchern als Schutz vor Feinden, Möglichkeiten zum Scharren, Picken und Sandbaden. Bei ihnen lässt sich gut ein Tagesrhythmus beobachten: Zur Nachtruhe sitzen sie erhöht im Stall, vormittags steht putzen, Futtersuche und Eiablage auf dem Programm, mittags Sand- und Sonnenbaden, nachmittags wieder verstärkt Futtersuche und Paarung. Besonderheiten: Hühner haben durch ihre seitlichen Augen einen guten Überblick, allerdings nur ein sehr eingeschränktes räumliches Sehvermögen. Das gleichen sie zum Teil durch häufiges Kopfwenden aus. Trotzdem können sie nur 30 bis 50 Meter weit sehen. Ihr Schnabel ist besonders wichtig, da dieser das Haupttastorgan ist. Über den Schnabel werden Informationen über die Nahrung gesammelt.
Entnommen aus: Susanne Schubert (2016): Bildungsarbeit mit Tieren gestalten. Hühner als Mitbewohner. In: kindergarten heute. praxis kompakt. Kita-Kinder begegnen Tieren, S. 49.

Hühner ausleihen

Das Projekt „Rent a Huhn“ oder „Miete dir ein Huhn“ ist eine Idee des Hühnerhofbesitzers Michael Lüft. Kinder erfahren auf diese Weise, wo die Eier herkommen. Informationen über das Projekt „Miethühner“ gibt es unter www. hühnerhof-lüft.de. Ein bundesweites Verzeichnis von Hühnervermietern, Pflegehinweise und andere nützliche Informationen stehen auf www.mieteeinhuhn. de.

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