Titelseite Ideenwerkstatt Gottesdienste 3/2026

Nr. 3/2026Palmsonntag bis 6. Sonntag der Osterzeit

Inhalt

Mit dem Palmsonntag beginnt für uns Christinnen und Christen eine der intensivsten Zeiten im Kirchenjahr. Die Liturgie ist voller Symbolkraft und die Botschaft dieser Tage ist voller Herausforderungen. Doch da ist noch etwas, das diese Tage prägt wie keine andere Zeit: die Verbindung zu unseren jüdischen Wurzeln. Das letzte Abendmahl am Gründonnerstag war wohl ein Seder-Mahl, jenes rituelle Mal in der Familie, welches das Pessachfest einleitet. Unsere Liturgie ist in diesen Tagen voller Anklänge an dieses wichtigste jüdische Fest. Die Lesungen in der Osternacht erinnern an das Frage-Antwort-Spiel beim Seder-Mahl, das die Erinnerung an die Geschichte Gottes mit seinem Volk wachhalten soll.
Und vielleicht sollten wir uns gerade jetzt, wo Antisemitismus wieder um sich greift in unserem Land, daran erinnern, dass Jesus, der Sohn Gottes, als Jude zu Gottes auserwähltem Volk, dem jüdischen Volk, gesandt wurde. Nicht alle haben seine Lehre aufgenommen und die Idee Jesu, dass von diesem auserwählten Volk Frieden für die ganze Welt ausgehe, ist bis heute noch nicht an ihr Ende gekommen. Doch ändert das nichts an der Tatsache, dass wir immer die »kleinen Schwestern und Brüder« des Judentums bleiben. Die Nachfolger Jesu haben sich den Menschen außerhalb ihres Volkes geöffnet – vorangetrieben vor allem durch die befreiende Erfahrung, die der Jude Paulus mit dem Auferstandenen und seiner Botschaft machen durfte. Diese Öffnung ins Römische Reich hinein war irgendwann so erfolgreich, dass das Christentum von einer jüdischen Bewegung zu einer eigenständigen Religion wurde. Doch dort liegen unsere Wurzeln und ohne diese Wurzeln sind wir nichts. Das dürfen wir uns in dieser heiligen Zeit auch immer wieder demutsvoll in Erinnerung rufen.

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