Titelseite Gottesdienst 10/2026

10 / 20264. Mai 2026

Inhalt

Liebe Leserinnen und Leser,

als Papst Franziskus am Gründonnerstag Gefangenen, Migranten, Frauen die Füße wusch, wurde unmittelbar deutlich: Kirche hat ihren Ort bei den Verwundbaren und Ausgegrenzten. Entsprechend groß war nun die Enttäuschung mancher, als Papst Leo XIV. in diesem Jahr zur traditionellen Praxis zurückkehrte und zwölf Priestern die Füße wusch. Schnell fiel das Wort Klerikalismus.

Doch so einfach ist es nicht. Denn dieser Ritus ist seinem Wesen nach gerade keine Ehrung. Er kehrt Rangordnungen um. Wer anderen die Füße wäscht, zeigt, dass Größe in der Kirche nur als Dienst denkbar ist: Das geistliche Amt bedeutet nicht Statuserhöhung, sondern Hingabe.

Die Antiphonen zur Fußwaschung machen das deutlich: „Ein neues Gebot gebe ich euch: ‚Liebt einander!‘“ Und: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe habt zueinander.“ Entscheidend ist also weniger, wer für die Fußwaschung ausgewählt wurde, sondern dass die Haltung Christi sichtbar wird: Demut, Nähe, Dienst.

Freilich senden Zeichen Botschaften. Franziskus hat zu Recht die soziale Seite dieses Ritus stark betont. Eine Kirche, die nur ihre Amtsträger im Blick hat, verliert Glaubwürdigkeit. Eine Kirche aber, die gerade ihre Amtsträger unter das Zeichen des Dienens stellt, kann gewinnen. Nicht jede Fußwaschung an Priestern ist Klerikalismus. Klerikalismus beginnt dort, wo das Amt sich rücksichtslos selbst bedient, statt zu dienen.

Ihr Manuel Uder

Über diese Ausgabe

Leitartikel

  • Plus S. 105-107

    Brautleute glauben anders. Gut so!

    Brautleute glauben anders. Gut so!

    Brautpaare haben oftmals ihre eigene Theologie der Hochzeit. Wissenschaft, Kirche und Liturgie sollten sie ernst nehmen und sich aufgeschlossen darauf einlassen.

Artikel

  • Plus S. 108

    Dienst am Wort

    Die deutschen Bischöfe möchten geeigneten Laien ermöglichen, in der Eucharistiefeier zu predigen, und haben eine entsprechende Bitte an die römische Kurie gerichtet. – Worum geht es bei diesem Anliegen?

  • Plus S. 114-115

    „Selig alle, die bei ihm sich bergen!“

    Bei der Revision der Einheitsübersetzung, die vor 10 Jahren erschien, wurde auch das Buch der Psalmen tief-greifend überarbeitet. – Einige Hintergründe.

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