Anzeige: Was einfach Freude macht. Ein kleines Alphabet des Glücks. Von Anselm Grün
einfach leben 10/2026 Titelseite

Nr. 10 – 2026: Oktober

Inhalt
1. Auflage 2026
Bestellnummer: Z330119

Wir sprechen gerne von einem „goldenen Oktober“. Bevor die Bäume ganz kahl werden verbreiten die noch hängenden Blätter, wenn sie von der Sonne bestrahlt werden, einen goldenen Glanz. Der Herbst ist ja für uns Menschen auch ein Bild für unser eigenes Älterwerden und Altsein. Wenn wir bereit sind, uns, unsere Rolle, unser Gebrauchtwerden, unsere Wichtigkeit loszulassen, kann auch von uns ein goldener Glanz ausgehen. Das Loslassen verweist uns einmal auf das, was in unserem Leben gewachsen ist. Wir dürfen voll Dankbarkeit auf das zurückschauen, was wir im Leben geschafft haben, wo wir andere aufgerichtet und getröstet, wo wir Menschen miteinander verbunden haben. Wir spüren, dass unser Leben wertvoll ist. Wenn wir uns darauf nichts einbilden, sondern es dankbar annehmen, dann geht von uns ein Glanz aus. Der goldene Glanz ist immer ein milder Glanz. Von uns geht dann ein milder Blick auf uns selbst aus, aber wir schauen auch mit milden Augen auf die Menschen. Wir bewerten sie nicht, sondern versuchen, sie zu verstehen. Und wir bewerten auch unser Leben nicht, sondern wollen es verstehen. Aus einer solchen Haltung heraus können auch wir das Lied singen, das der Evangelist dem greisen Simeon in den Mund gelegt hat: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ (Lk 2,29–32) Dieses Lied dürfen wir am Abend unseres Lebens singen. Wie Simeon können wir in Frieden gehen. Denn wir haben Heil gesehen, wir haben gesehen, wie Zerbrochenes wieder geheilt und die Bruchstücke unseres Lebens wieder zusammengefügt werden. Und wir haben das Licht geschaut: das Licht, das in der Stille im eigenen Herzen aufleuchtet, und das Licht, das uns in Jesus Christus begegnet und das nun alles in uns durchdringt und unser ganzes Leben in einem anderen Licht erstrahlen lässt.
So wünsche ich Ihnen einen gesegneten Oktober, in dem Sie den kostbaren Wert Ihres Alters neu würdigen und in dem sie fasziniert sind von dem Blick auf die leuchtenden Blätter der Bäume und darin ein Bild sehen für das Gold auf dem Grund Ihrer eigenen Seele. Und ich wünsche Ihnen einen goldenen Oktober, in dem Sie mit einem milden Blick auf sich und die Menschen schauen und so das Gold erkennen, das in jedem von uns aufstrahlen möchte.

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