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Titelseite einfach leben 6/2026

Nr. 6 – 2026Juni

Inhalt

Am 24. Juni ist der Tag der Sonnenwende: der längste Tag im Jahr, der Tag, an dem die Sonne den höchsten Stand hat. Ab da wird sie wieder abnehmen, bis sie dann an Weihnachten wieder zunimmt. Die Kirche hat diesen Tag der Sonnwende dem Gedächtnis Johannes des Täufers geweiht wegen seines Wortes, mit dem er auf Christus hinweist: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Joh 3,30) Es ist ein Motto, das für jede Wende in unserem Leben gilt: Das Ego muss abnehmen, damit das wahre Selbst in uns wachsen kann. Das Ego, das sich im Äußeren beweisen muss, wird in jeder Wendezeit schwächer, damit wir mehr in Berührung kommen mit unserem wahren Wesen. Die äußere Sonne, die uns im Sommer so ausgiebig scheint und uns wärmt, nimmt ab dem 24. Juni ab. Doch die innere Sonne, die jeder in seinem Herzen trägt – für die Christen der Frühzeit war die Sonne ein Bild für Christus, den Auferstandenen – soll ab dem Sommer zunehmen.
Die Sonnenwende wurde in vielen Religionen gefeiert, oft mit religiösen Ritualhandlungen. In vielen Gegenden zündet man an diesem Tag ein großes Feuer an. Unsere Vorfahren wollten mit diesen Sonnwendfeuern der Sonne neue Kraft zuführen, weil man glaubte, in der Sonnenwende würde sie schwächer werden. Damit diese Schwäche nicht zur Krise für die ganze Welt würde, zündete man also die Feuer an. Das, was die Menschen in diesen religiösen Kulten gefeiert haben, hat die Kirche aufgegriffen, aber zugleich von den magischen Elementen befreit. Sie hat die Sonnenwende als Bild dafür gesehen, dass dann, wenn die äußere Sonne abnimmt, Christus, die innere Sonne, in uns zunehmen soll.
Die Wendezeit ist immer auch eine Zeit der Wandlung. „Wenden“ hat ja mit „Wandlung“ zu tun. In jedem Leben gibt es Zeiten, in denen wir nicht einfach fortsetzen können, was wir bisher gelebt haben. So wünsche ich Ihnen in diesem Monat Juni ein gutes Gespür für das, was sich in Ihrem Leben wandeln möchte. Das Ziel der Verwandlung ist: immer mehr der oder die zu werden, die ich von Gott her bin. Nehmen Sie also den Weg der Sonne als inneren Weg, als Zeichen dafür, dass Christus, die Sonne in Ihrem Herzen, nicht abnimmt, sondern zunimmt, dass alles in Ihnen von Christus, der wahren Sonne, erhellt und verwandelt wird.

Über diese Ausgabe

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