Anzeige: Was einfach Freude macht. Ein kleines Alphabet des Glücks. Von Anselm Grün
Titelseite einfach leben 8/2026

Nr. 8 – 2026August

Inhalt
1. Auflage 2026
Bestellnummer: Z330118

Der 15. August war bei den Römern das Fest „Ferragosto“ (Feiertage des Augustus). Da feierte man den Sieg des Kaisers Augustus über seinen Rivalen Marcus Antonius und seine Frau Kleopatra. Kaiser Augustus hatte diesen Festtag bewusst auf ein traditionelles Erntefest gelegt. Dass Bischof Kyrill von Alexandrien im 5. Jahrhundert dann auch das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel auf dieses Datum gelegt hat, ist ein bewusstes Gegenprogramm: Gegenüber dem martialisch-militärischen Denken der männlich dominierten römischen Gesellschaft wird nun eine Frau in den Mittelpunkt gestellt, die Hoffnung für uns alle ist. Sie verherrlicht nicht die Mächtigen. Vielmehr singt sie im „Magnifikat“ davon, dass Gott die Mächtigen vom Thron stürzt. Eine Frau, die bereit ist, sich auf Gott einzulassen, sich und ihr Leben ihm zur Verfügung zu stellen, überstrahlt mit ihrer Haltung den scheinbar so mächtigen Augustus. Die weltgeschichtliche Macht des Kaisers ist vergangen, Maria aber ist und bleibt für alle Zeit für Christen ein Vorbild der Hoffnung.
Dieses Hoffnungsbild tut auch uns heute gut, weil es zeigt: Die Welt ist nicht in den Händen der Mächtigen, auch wenn es momentan so aussieht. Der Glaube einer einfachen Frau, wie Maria eine war, hat auf Dauer größeres Gewicht – auch heute in dieser unserer Welt. Das Lied, das Maria gegen die Mächtigen der Erde gesungen hat, erklingt daher heute noch an jedem Abend in der Abendhore der Mönche. Auch die Befreiungstheologie in Südamerika hat das Magnifikat bewusst als Lied verstanden, das den Armen Hoffnung schenkt: Gott wird alle Mächtigen der Erde vom Throne stürzen, die Niedrigen aber wird er erhöhen. Eine Utopie? Der Philosoph Ernst Bloch schreibt der Utopie eine verwandelnde Kraft für die Gesellschaft zu. Indem wir heute diese Worte Marias singen, fühlen wir uns nicht mehr ohnmächtig, auch nicht mehr in der Opferrolle. Das gemeinsame Singen des Magnifikat verwandelt uns, macht uns zu hoffenden Menschen. Und dann haben wir eine verwandelnde Kraft auch für die Gesellschaft. So wünsche ich Ihnen einen gesegneten August. Meditieren Sie die Worte des Magnifikat und stellen Sie sich vor: Wenn diese Worte stimmen, wie fühle ich mich dann, wie sehe ich dann die Wirklichkeit um mich herum? Und gönnen Sie sich, eine der vielen Vertonungen des Magnifikat zu hören, etwa die von Johann Sebastian Bach oder Mozart, Schubert, Monteverdi, Vivaldi und vieler anderer. Diese großartigen Komponisten haben etwas von der Kraft gespürt, die Marias Worte versprühen. So wünsche ich Ihnen, dass sie mit der Hoffnung in Berührung kommen, die in diesen Vertonungen hörbar wird – für uns alle.

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