Alles halb so wild? Papst Leo XIV. hat sich kürzlich über die viel diskutierten Segensfeiern in der katholischen Kirche in Deutschland geäußert. Schaut man sich mit ein paar Tagen Abstand an, wie deutsche Verantwortliche darauf reagieren, dann zeigt sich ein vertrautes Muster: Der Konflikt wird kleingeredet.
Worum geht es?
Während seiner Afrikareise hatte der Papst gegenüber Journalisten gesagt, der Heilige Stuhl habe den deutschen Bischöfen mitgeteilt, dass man mit der "formellen Segnung" von Paaren – gemeint sind homosexuelle Paare oder auch sogenannte wiederverheiratete Geschiedene – nicht einverstanden sei. Der Anlass: Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hatte eine entsprechende Handreichung "Segen gibt der Liebe Kraft" in seinem Erzbistum den Seelsorgern zur Anwendung empfohlen. Allerding nur in einem internen Schreiben, nicht in Form einer offiziellen "Dienstanweisung", wie COMMUNIO berichtet hatte.
Für die fragliche Handreichung hatten sich die deutschen Bischöfe im vergangenen auf eine Abstimmung mit Rom berufen, der zuständige Kardinal Fernandez hatte dem jedoch nach einer COMMUNIO-Recherche öffentlich widersprochen.
Tatsächlich erlaubt Rom seit Ende 2023 "spontane Segnungen" von Paaren. Das Dokument "Fiducia supplicans" des Dikasteriums für die Glaubenslehre schließt jedoch liturgische Segensfeiern aus: Es darf keine eigenen Gottesdienste geben, die unweigerlich an eine Trauung erinnern würden. Die deutsche Handreichung geht über diese Vorgabe erkennbar hinaus.
In der Reaktion auf die päpstlichen Äußerungen wurde vielfach darauf verwiesen, dass der Papst das Thema selbst als nicht vordringlich bezeichnet habe.
Tatsächlich sagte Leo zweierlei: Fragen der Sexualität sollten nicht ausschlaggebend für die kirchliche Einheit sein. Und: Sexualität ist nicht das einzige Thema katholischer Moral.
Das ist richtig – und es ist vor allem die Antwort auf das, was ihn eine deutsche Journalistin gefragt hatte: Nämlich, wie er die Entscheidung von Kardinal Marx bewerte und wie er angesichts "unterschiedlicher kultureller und theologischer Perspektiven, insbesondere in Afrika die Einheit der weltweiten Kirche in dieser speziellen Frage wahren" wolle.
Der Papst will die Kirche zusammenhalten
Dass der Papst darauf antwortet, die Einheit der Kirche sollte nicht an sexualmoralischen Fragen festgemacht werden, dürfte zumindest auch in Richtung afrikanischer Kirchenvertreter gesprochen sein, die schon die Regelung in "Fiducia supplicans" heftig kritisiert hatten. Den Deutschen wiederum geht die "Öffnung" von "Fiducia supplicans" längst nicht weit genug.
Der Papst will seine Kirche zusammenhalten. Das ist kein einfaches Unterfangen in einer globalen Glaubensgemeinschaft, in der es gerade in Fragen der Sexualität sehr unterschiedliche Vorstellungen gibt.
Bedeutet das, dass die Deutschen machen können, was sie wollen? Auf katholisch.de, dem "Nachrichten- und Erklärportal der katholischen Kirche in Deutschland", hieß es: "Der Papst sanktioniert die Bischöfe nicht und lässt sie gewähren – trotz des 'Neins' zu förmlichen Segensfeiern." Der ehemalige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing aus Limburg, teilte mit:
"Auch wenn es hierzu unterschiedliche Einschätzungen innerhalb der Weltkirche gibt, sehe ich diese Praxis im Bistum Limburg in einem verantwortbaren Rahmen. Sie dient den Menschen und gefährdet aus meiner Sicht nicht die Einheit der Kirche."
Auch der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer meinte, es gehe nun darum, "unterschiedliche Auffassungen auszuhalten".
Papst Leo hat wörtlich gesagt: "Der Heilige Stuhl hat bereits mit den deutschen Bischöfen gesprochen. Der Heilige Stuhl hat deutlich gemacht, dass wir mit der formellen Segnung von Paaren nicht einverstanden sind." Die deutschen Kirchenvertreter antworten: Da haben wir wohl eine Meinungsverschiedenheit. Ob das letzte Wort in der Angelegenheit schon gesprochen ist?