I.
Im vergangenen Jahr sorgte der 24-jährige Schauspieler und Sänger Michael Iskander für Schlagzeilen, als er auf Instagram bekanntgab, in die katholische Kirche eingetreten zu sein. Als Kopte in Ägypten geboren, zog Iskander im Alter von neun Jahren mit seiner Familie in die USA. Nach einem Engagement am Broadway folgte sein TV-Debüt in Das Haus David, einer Serie, die die Geschichte des Königs von Israel erzählt, wie sie im 1. und 2. Buch Samuel überliefert ist. Die zweite Staffel startet weltweit am 27. März 2026.
Nach den Dreharbeiten konvertierte Iskander, der die Hauptrolle spielt, zum Katholizismus. "Die Beschäftigung mit David, das Studium des Alten Testaments, die Taten Davids und der historische Aspekt der Kirche", erläutert Iskander im Interview, "all das brachte mich zum katholischen Glauben." Und so wurde er in einer für ihn gefeierten Messe am 21. August 2025 in die katholische Kirche aufgenommen.
Von der Bühne zur Kirche – in Iskanders Fall schien dieser Weg einer inneren Konsequenz zu folgen. Die Darstellung Davids wurde für den jungen Schauspieler zum Ausgangspunkt einer persönlichen Glaubenserfahrung. Kunst und Glauben berühren sich hier auf unerwartete Weise: Die Schauspielrolle wird gleichsam zur Schule des Glaubens, das Drehbuch zur geistlichen Lektüre. Das Method Acting mündet in ein Glaubensbekenntnis.
II.
In einem Fragment seiner Pensées geht Blaise Pascal (1623–1662) der Frage nach, was sich gegen die Unfähigkeit zu glauben ausrichten lasse. Seine Antwort ist ebenso einfach wie kühn: Man solle sich an jenen orientieren, die den Weg zum Glauben bereits beschritten haben – und ihre Handlungen nachahmen: "c’est en faisant tout comme s’ils croyaient, en prenant de l’eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire".
Daraus lässt sich ableiten: Wo der Glaube keiner inneren Gewissheit entspringt, kann er aus dem Als-ob folgen, somit auch aus dem Spiel und der Schauspielerei.
III.
Dass Schauspieler im Rahmen von Filmprojekten zum katholischen Glauben finden, kommt immer wieder vor. Geradezu wundersame Ereignisse begleiteten etwa die Produktion von Mel Gibsons erfolgreichem Spielfilm Die Passion Christi, der 2004 in die Kinos kam. Während der Dreharbeiten im süditalienischen Matera schlug gleich zweimal der Blitz ein – einer traf, als gerade die Bergpredigt gefilmt wurde, den Jesus-Darsteller James Caviezel.
Mehrere Beteiligte berichteten später, durch die Arbeit an Gibsons Film bekehrt worden zu sein. So der zuvor atheistische Schauspieler Luca Lionello, der Judas verkörperte und in einem Gespräch im Jahr 2021 beteuerte, dass ihn die damals gemachten Erfahrungen noch immer erschüttern.
Über seine Bekehrung am Set spricht offenherzig auch der Theater- und Filmschauspieler Pietro Sarubbi, der in der Passion Christi den Barabbas spielt. "Man neigt zu glauben, dass Schauspieler und Künstler immer glücklich und voller Freude, dass sie zufrieden, heiter und ungemein gesellig seien", sagt der heute 64-Jährige. "In Wirklichkeit sind sie oft einsam und traurig. Ich habe das selbst erlebt. Doch in einem entscheidenden Moment meines Lebens bin ich der wahren Freude begegnet." Das Gefühl, unglücklich und der Welt fremd zu sein, begleitete Sarubbi bereits jahrelang, es ließ sich allein auf der Theaterbühne betäuben: "Auf der Bühne war ich ruhig und gelassen, sobald ich sie aber verließ, kehrte dieses Gefühl, dieser Schmerz, wieder zurück."
Pietro Sarubbis Entscheidung für den katholischen Glauben blieb nicht ohne Folgen. Nachdem er sich öffentlich zu seiner Konversion bekannt hatte, fand er zwei Jahre lang keine Anstellung mehr, weder im Theater noch beim Film. Schließlich traf er den Entschluss, seine Bekehrung selbst zum Gegenstand künstlerischer Arbeit zu machen
Dann der Anruf von Mel Gibson – und die Ernüchterung darüber, nicht für einen der zwölf Apostel gecastet worden zu sein: "Das hätte mehr Geld eingebracht." Stattdessen sollte er als Barabbas auftreten, in einer kurzen Szene, nicht einmal eine Sprechrolle! Obschon enttäuscht, sagte Sarubbi zu. Am Filmset beeindruckte ihn besonders, mit welcher Hingabe sich der der US-amerikanische Caviezel in die Rolle Jesu Christi hineinversetzte. Ein durchdringender Blick des Schauspielers traf Sarubbi bis ins Mark und in jenem Augenblick, davon ist er überzeugt, begegnete ihm der Heilige Geist.
Was ihm widerfahren war, begriff der Italiener erst einige Zeit später, als er in der von Benedikt XVI. verfassten Enzyklika Deus caritas est auf den folgenden Satz stieß: "usque denuo nobis occurrit [Dominus] – per homines in quibus ipse conspicitur" (dt. "Immer wieder begegnet uns der Herr – durch Menschen, in denen er sichtbar wird").
Pietro Sarubbis Entscheidung für den katholischen Glauben blieb nicht ohne Folgen. Nachdem er sich öffentlich zu seiner Konversion bekannt hatte, fand er zwei Jahre lang keine Anstellung mehr, weder im Theater noch beim Film. Schließlich traf er den Entschluss, seine Bekehrung selbst zum Gegenstand künstlerischer Arbeit zu machen: Er entwickelte ein dem heiligen Petrus gewidmetes Theaterstück, weitere Stückentwicklungen folgten. Bis heute tritt Sarubbi – auf und fern der Bühne – mit seinem persönlichen Glaubenszeugnis auf.
IV.
"God is the bigger Elvis", sagt Mutter Dolores Hart in dem gleichnamigen Dokumentarfilm, der 2012 für einen Oscar nominiert wurde. Der Kurzfilm erzählt die Lebensgeschichte der ehemaligen Hollywood-Schauspielerin, die im Alter von 25 Jahren ihre Karriere beendete, um in das Kloster Regina Laudis in Bethlehem, Connecticut, einzutreten. Bei der heutigen Abtei handelt sich um den ältesten Benediktinerinnenkonvent der Vereinigten Staaten.
"Erst als wir auf dem Gelände der Abtei ein Theater gründeten, wurde mir wirklich bewusst, wie ich durch das Medium der Bühne jungen Menschen helfen kann, ihre Berufung in Christus zu finden."
Ihr Filmdebüt feierte Dolores Hart einst an der Seite von Elvis Presley in Loving You (1957). In den folgenden Jahren spielte sie mit Filmgrößen wie Anna Magnani, Anthony Quinn und Tony Curtis. 1961 übernahm sie in Francis of Assisi die Rolle der Klara, jener jungen Frau, die – von den Predigten des heiligen Franziskus ergriffen – ihr Gelübde ablegte und später den Klarissenorden gründete. Während der Dreharbeiten in Italien gewährte Papst Johannes XXIII. der Schauspielerin eine kurze Audienz, begrüßte sie als "Chiara" und sah sie zu einem geistlichen Leben berufen. Zwei Jahre später entschied sich Hart, die eine katholische Schule besucht und als junges Mädchen zum Glauben gefunden hatte, für den Eintritt in den Konvent.
Viele Jahre stand sie der Gemeinschaft als Priorin vor, am 17. September 2016 wurde ihr 50-jähriges Professjubiläum gefeiert. "Ich hatte nie das Gefühl, Hollywood den Rücken zu kehren", so Mutter Dolores Hart. "Ich hatte vielmehr das Gefühl, in etwas Bedeutenderes einzutreten – und auf diese Weise nahm ich Hollywood mit mir." Im Jahr 1986 eröffnete sie ein Freilichttheater: "Erst als wir auf dem Gelände der Abtei ein Theater gründeten, wurde mir wirklich bewusst, wie ich durch das Medium der Bühne jungen Menschen helfen kann, ihre Berufung in Christus zu finden."
V.
Im Oktober 2025 haben die Dreharbeiten zur zweiteiligen Fortsetzung der Passion Christi in den Cinecittà-Studios in Rom begonnen. Der erste Teil der Auferstehung Christi, wiederum unter der Regie von Mel Gibson, soll 2027 an Karfreitag, der zweite Teil an Christi Himmelfahrt in den Kinos anlaufen. Bleibt abzuwarten, wie viele Konversionen diesmal mit der Produktion einhergehen werden.