Ein hochrangiger Mitarbeiter eines südkoreanischen Großunternehmens, der seinen buddhistischen Glauben engagiert praktiziert, nimmt für einige Wochen an einer Studienreise nach Barcelona teil, beschäftigt sich dabei besonders intensiv mit den Bauwerken von Antoni Gaudí, und als er nach Südkorea zurückkehrt, ist es sein sehnlichster Wunsch, sich taufen zu lassen. Zahlreiche solcher Bekehrungsgeschichten veranlassten im Jahr 1992 den Architekten José Manuel Almuzara dazu, einen Verein zu gründen, um die Seligsprechung Gaudís zu erreichen. Wie es oft der Fall ist, stieß dieses Vorhaben zunächst auf große Skepsis, doch seit 2025 darf der katalanische Architekt offiziell als "Diener Gottes" bezeichnet werden, und seine Seligsprechung kann jederzeit erfolgen.
Im Rahmen seiner Spanien-Reise kommt Leo XIV. auch nach Barcelona. Am Mittwoch wird die Sagrada Família besuchen und den Christusturm der Basilika einweihen –100 Jahre nach dem Tod des Architekten.
Gaudí hat seine besondere Berufung mit außergewöhnlichem Glauben gelebt. Seine Berufung bezog sich nicht bloß auf die Kunst, sondern zielte darauf ab, die Herrlichkeit Gottes zu vermitteln.
Picasso spottete über ihn
Es trägt zwar nichts zu Gaudís Größe bei, ist aber eine aufschlussreiche Tatsache, dass er von seinen Zeitgenossen nicht immer auf Verständnis zählen konnte. Es ist leicht nachvollziehbar, dass Picasso sich meist über ihn lustig machte, da die geistige Veranlagung der beiden Künstler kaum unterschiedlicher hätte sein können. Einmal hatten ein paar Mäuse einen Panettone, der auf Picassos Tisch stand, übel zerfressen: "Das ist Gaudís Modell", lautete der Kommentar des Malers. Evelyn Waugh weigerte sich sogar, aus dem Taxi auszusteigen, um sich eines von Gaudís Werken anzusehen. Salvador Dalí war bekanntlich ein Bewunderer des anderen modernen Giganten der katalanischen Kunst, allerdings vor allem wegen dessen "kreativem schlechten Geschmack".
Natürlich gab es auch aufrichtige Bewunderer, wie zum Beispiel Le Corbusier, den Gaudí jedoch nicht ausstehen konnte: "Das Modell, das ich von diesem Architekten gesehen habe, ist eine Anordnung von Quaderformen; es sieht aus wie ein Bahnsteig, auf dem Verpackungskisten abgeladen werden, wobei einige davon an Regale erinnern. Dieser Mann hat die Mentalität eines Tischlers."
Isidre Puig i Boada, Schüler und Nachfolger Gaudís, berichtet von der folgenden Äußerung des Architekten:
"Das Sehen ist nicht der wichtigste der Sinne, es ist der Sinn der Herrlichkeit: Der heilige Paulus sagt, dass Herrlichkeit die Anschauung Gottes ist; es ist der Sinn für Raum, für Form und für Licht. Das Gehör ist nicht so vollkommen, denn es benötigt Zeit, während das Sehen die Unendlichkeit ist; es nimmt wahr, was ist, ebenso wie das, was nicht ist."
Gaudí wollte tatsächlich die Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes sichtbar machen, und in diesem Bestreben beschränkte er sich keineswegs auf das, was man üblicherweise als sakrale Kunst bezeichnet. Wie alle großen Künstler machte er keinen strikten Unterschied zwischen seinen sakralen und profanen Werken. Die Ornamentik der von ihm entworfenen Wohnhäuser dient ebenso der Vermittlung der Großartigkeit des alltäglichen Lebens wie die ungewöhnlichen Formen seiner Kirchen. Für die Verzierung der Gebäude verwendete er nicht selten "Abfall", zerbrochene Materialreste, und wollte mit dieser Vielfalt an Farben und Materialien die "bunte Schönheit" (Hopkins) der geschaffenen Realität zeigen.
Zu Beginn seiner Karriere erhielt er im Zuge des bewussten Aufbaus von Barcelona ebenso viele Aufträge von Vertretern der Großbourgeoisie und der Politik wie andere namhafte moderne Architekten, darunter Lluis Domènech i Montaner oder Josep Puig i Cadafalch, die gerne an der katalonischen Renaixença teilgenommen haben. Mit der Zeit wandte er sich jedoch vom künstlerischen Modernismus ab und gab nach 1914 alle seine Arbeiten auf, sogar die Renovierung der Kathedrale von Mallorca, und widmete seine ganze Kraft der Sagrada Família, deren Grundstein 1882 gelegt worden war und für deren Bau Gaudí ab 1883 verantwortlich war.
Heiliger Narr
Auch sein christlicher Glaube wandelte sich allmählich. Es ist wahrscheinlich nur eine Legende, dass er in seiner Jugend von leidenschaftlichem Antiklerikalismus getrieben war; wahrscheinlicher ist, dass er dem Christentum eher gleichgültig gegenüberstand. Der Dichter und Priester Jacint Verdaguer i Santaló, einer der Gründerväter der modernen katalanischen Literatur, hatte einen so großen Einfluss auf ihn, dass er 1894 die Fastenzeit ganz radikal ernst nahm und nur das Eingreifen von Josep Torras i Bages, dem späteren Bischof von Vic, ihn vor dem Tod bewahrte. Von da an wurde sein Glaube reifer und gelassener. Gleichzeitig blieb in Gaudí immer etwas vom heiligen Narren erhalten: Er vernachlässigte sein Äußeres, trug selbst entworfene Schuhe, und als er vor fast genau hundert Jahren, am 7. Juni 1926, von der Straßenbahn überfahren wurde, wollte man ihm zunächst nicht helfen, weil man ihn für einen elenden Landstreicher hielt.
"Mein Auftraggeber hat es nicht eilig", pflegte er zu sagen.
Ende Juli 1909 setzten die Tage der "tragischen Woche" (setmana tragica), die Zusammenstöße zwischen Armee und Aufständischen und vor allem die Manifestationen antiklerikaler Stimmung Gaudí schwer zu. Die Ereignisse der Woche verfolgten Gaudí noch viele Jahre lang. Alles, was er danach schuf, entstand im katholischen Geist, irgendwie Wiedergutmachung zu leisten. Mit diesem Anspruch steht auch der Bau der Sagrada Familia in Verbindung. Gaudí kannte die Geschichte der mittelalterlichen Kathedralen sehr gut, und es hätte ihn keineswegs gestört, dass das Bauwerk nach fast anderthalb Jahrhunderten immer noch nicht vollständig fertiggestellt ist. "Mein Auftraggeber hat es nicht eilig", pflegte er zu sagen.
Streben nach göttlicher Herrlichkeit
Die vertikale Ausdehnung der Kathedrale ist ein einziges Streben nach göttlicher Herrlichkeit, und zwar ausdrücklich nach der Herrlichkeit der Dreifaltigkeit, die Gaudí auch durch architektonisch-geometrische Lösungen (zum Beispiel durch die Verwendung hyperbolischer Paraboloide) darstellen wollte. Die Türme verweisen auf das Absolute des Lichts und auf den, der das Licht, die Erhabenheit und die Schönheit selbst ist, sagte Benedikt XVI. bei seinem Barcelona-Besuch im November 2010. Und er fuhr fort:
"Er wirkte auf geniale Weise am Aufbau eines menschlichen Bewusstseins mit, das in der Welt verankert, offen für Gott und von Christus erleuchtet und geheiligt ist. Und er verwirklichte das, was heute zu den wichtigsten Aufgaben gehört: die Überwindung der Spaltung zwischen menschlichem und christlichem Bewusstsein, zwischen der Existenz in dieser zeitlichen Welt und der Öffnung zum ewigen Leben, zwischen der Schönheit der Dinge und Gott als der Schönheit selbst."
Es ist kein Zufall, dass Gaudí die Schriften von Ramon Llull gerne las. Der außergewöhnliche katalanische Gelehrte des 13. Jahrhunderts war nur ein wenig extravaganter als der spätere Architekt. Und so wie die Schriften des Märtyrers Llull zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Lichtstrahlen des katalanischen Selbstbewusstseins erschienen, wurde auch die Sagrada Família bald zu einem regelrechten Wallfahrtsort. Sogar der spanische König pilgerte zur Kathedrale und traf sich mit Gaudí, obwohl der Architekt nur auf Katalanisch sprechen wollte. Doch selbst so redete er nicht allzu viel. Noch 1913 erklärte er gegenüber einer Zeitung aus Montevideo:
"Man kann Menschen in zwei Typen einteilen: Menschen der Worte und Menschen der Tat. Die ersten sprechen; die zweiten handeln. Ich gehöre zur zweiten Gruppe. Mir fehlen die Mittel, mich angemessen auszudrücken. Ich wäre nicht in der Lage, jemandem meine künstlerischen Konzepte zu erklären. Ich habe sie noch nicht konkretisiert. Ich hatte nie Zeit, darüber nachzudenken. Meine Zeit habe ich mit meiner Arbeit verbracht."
Als José Manuel Almuzara gefragt wurde, was ihn im Zusammenhang mit dem Besuch von Papst Leo XIV. in Barcelona am meisten beschäftige, antwortete er, er sei gespannt, ob dieser in der Krypta am Grab Gaudís beten werde – Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hätten dies nämlich unterlassen. Sollte dies geschehen, wäre das vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass er bald zu seinem geliebten Llull in die Reihe der Seligen aufgenommen wird.