Er prägte die Zeitschrift bis zuletzt entscheidend mit. Mit Hans Maier ist der letzte Gründungsherausgeber der COMMUNIO verstorben.

Hans Maier, der letzte Gründungsherausgeber der Internationalen Katholischen Zeitschrift COMMUNIO, ist am vergangenen Montag nach kurzer Krankheit im Alter von 94 Jahren verstorben. Maier hat als homme de lettres den Austausch bei den COMMUNIO-Herausgebersitzungen bis ins vergangene Jahr entscheidend mitgeprägt. Er war ein guter und geduldiger Zuhörer, der bis zuletzt neugierig war, was die Jüngeren zu bestimmten Themen zu sagen hatten. Zugleich konnte er durch seine fächerübergreifende und enorme Belesenheit manchem Gespräch eine überraschende Wendung geben. In historischen, kulturellen, politologischen, aber auch theologischen Fragen war er hochgebildet, ohne diese Bildung jemals ostentativ zur Schau zu tragen.

Der Initiator der COMMUNIO, der Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar (1905-1988), war auf den Münchner Politologen Maier durch dessen Beiträge zur Kritik an der politischen Theologie aufmerksam geworden. Maier erinnerte Johann Baptist Metz und seine Mitstreiter daran, dass der Begriff der politischen Theologie durch Carl Schmitt bereits besetzt und auch historisch belastet sei. Eine Neuauflage des autoritären Denkens in Freund-Feind-Unterscheidungen könne doch kaum im Interesse von Metz sein, der die gesellschaftskritische und weltverändernde Dimension von Theologie gestärkt sehen wollte. Der Münsteraner Theologe reagierte, indem er sein Projekt fortan "Neue politische Theologie" nannte.

Hans Maier wurde als Kind am 27. November 1944 durch einen Bombenangriff verschüttet und dann von Nachbarn gerettet. Das traumatische Erlebnis nahm er später zum Anlass, sich mit dem Totalitarismus zu beschäftigen. Unter dem Titel "Reich Gottes ohne Gott" analysierte er den Nationalsozialismus, den Kommunismus und den Faschismus. Er setzte sich früh für die Anerkennung der liberalen Demokratie durch die katholische Kirche ein. Von 1970 bis 1986 ließ er sich als Kultusminister des Freistaats Bayern auch aktiv für die Politik gewinnen. Im Jahr 1978 verhinderte er – gemeinsam mit dem damaligen Erzbischof von München und Freising, Joseph Ratzinger – die Berufung von Johann Baptist Metz auf den Münchner Lehrstuhl für Fundamentaltheologie, was ihm einen geharnischten Protestbrief von Karl Rahner einbrachte.

Vorher schon hatte Maier gemeinsam mit Ratzinger ein Buch über "Demokratie in der Kirche" geschrieben. Die Kirche müsse sich in demokratischen Kontexten wandeln, ohne wegen ihrer sakramentalen Verfassung demokratische Prozeduren eins zu eins übernehmen zu können. Manchen Befürwortern einer Demokratisierung der Kirche täte die Erinnerung gut, dass die Fundamente der Kirche nicht auf dem Prinzip der Volkssouveränität aufruhen.

Hans Maier war ein feinsinniger Gelehrter, der ein Denken in klar abgezirkelten Disziplingrenzen auf einen größeren Horizont hin öffnete.

Hans Maier war von 1976 bis 1988 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. In der Frage der Schwangerschaftskonfliktberatung überwarf er sich mit Kardinal Ratzinger und setzte sich für Donum vitae ein – ein Streit, der zu einer anhaltenden Eintrübung des Verhältnisses, nicht aber zum Kommunikationsabbruch zwischen den beiden COMMUNIO-Herausgebern führte.

Hans Maier war ein feinsinniger Gelehrter, der ein Denken in klar abgezirkelten Disziplingrenzen auf einen größeren Horizont hin öffnete. Seine stets in ansprechender Diktion verfassten Essays wurden auch in den großen Zeitungen gerne gedruckt, er war – wie Balthasar – hochmusikalisch, hatte eine selten kunstvolle Handschrift und spielte selbst anspruchsvollste Orgelkompositionen mit virtuoser Perfektion. In jedem Jahrgang der Communio war Hans Maier mit lesenswerten Beiträgen vertreten.

Gastfreundlich organisierte er die Herausgeber-Sitzungen im Orff-Zentrum in der Münchner Kaulbachstraße. Abends führte er die COMMUNIO-Gruppe gerne in die Pizzeria Mario, wo er bereits in den 1970er Jahren manche Diskussion mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß durchgefochten hatte. Neben der umfangreichen Privatbibliothek von Hans Maier, die im Schloss Suresnes in der Katholischen Akademie in Bayern ihren Platz gefunden hat, wird für mich die quirlige Pizzeria Mario ein Erinnerungsort an den Gelehrten, Politiker, Musiker und Familienmenschen Hans Maier bleiben. Die Zeitschrift COMMUNIO wird ihrem Gründungsmitherausgeber und Freund ein dankbares Andenken bewahren. R.i.P.

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