#47 ChurchbikeWenn "Tools" Präsenz simulieren

Kirchliche Innovationsrhetorik liebt mobile Symbole und hohle Versprechen.

Fahrrad
© Unsplash

Einmal beteiligte ich mich am Entwicklungsprozess in einer deutschen Diözese. In vielen Bistümern gibt es eine eigene Abteilung für "Kirchenentwicklung". Sie lieben Wortschöpfungen, sie setzen falsche oder bemühte Anglizismen ein und stellen ihre Arbeit gerne in Spiegelstrichen dar.

Selten war ich mit einer Sprache konfrontiert, die so unfreiwillig komisch, ja uneigentlich war: eine fröhliche Melange aus Euphemismen und ausgehöhlten Abstraktionen.

"Die Straße ist Deine Kirche"

Eine solche in "Innolabs" und Zukunftswerkstätten gemeinsam mit Werbeagenturen entwickelte Bild-Wort-Schere auf Rädern ist das "Churchbike": ein Lastenrad, das als fahrendes Buffet für Espresso, Snacks oder Eiskrem, aber auch als mobiler Altar eingesetzt werden kann.

Das umweltfreundliche Fahrzeug soll den geistlosen kapitalistischen Konsum an öffentlichen Orten untergraben. Was als pastorale Innovation daherkommt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als institutionell organisierter Narzissmus kirchlicher Mitarbeitender.

Es geht hier vornehmlich darum, den hilflosen Wunsch von Kirchenmitarbeitern zu erfüllen, besser dazustehen.

Werbetexte und Einsatzberichte zeigen: Es geht hier vornehmlich darum, den hilflosen Wunsch von Kirchenmitarbeitern zu erfüllen, besser dazustehen. "Egal ob in der City, auf dem Campus (…): Mit diesem Rad machen Sie immer eine gute Figur." Wer ist hier das Subjekt? Und wer der Adressat?

Papst Leo XIV. dachte sicherlich nicht an das Churchbike, als er vom Umsichgreifen orwellscher Sprache sprach. Doch man höre, wie das Churchbike angepriesen wird: "Sie zeigen, dass Ihnen Klimaschutz und Mobilität wichtig sind, und präsentieren sich als Kirche im öffentlichen Raum in einer professionellen und ansprechenden Art und Weise." Wer zeigt hier wem was? Kirchenakteure bekommen das gute Gefühl vermittelt, mit dem Gastro-Bike in die Zukunft ihrer Pfarren zu investieren: "Seien Sie Teil von einem wachsenden Netzwerk von Christ:innen aller Konfessionen und Denominationen, die auf diese Art Kirche neu werden lassen und den Menschen dienen wollen." Die Macher des Churchbike sparen auch nicht an Verheißungen: "Es soll durch sein Äußeres das Bild von Kirche in der Öffentlichkeit verändern und Menschen die Möglichkeit bieten, mit Kirche auf unkonventionelle Weise in Kontakt zu kommen."

Welche Gedanken?

So bauen eigens geschulte Akteure der Pfarren nun am Rand eines Spielplatzes, am Skatepark, in der Fußgängerzone, beim Festival oder der Kirchweih ihre Beach Flag und Sonnenschirme auf. Sie stellen die Klappsessel hin. Sie sind jetzt mittendrin, ihnen "gehört" die Straße: Dies entspreche "auch dem Lebensgefühl und den Überzeugungen der jungen Generation", ist aus Österreich zu hören. Echt, das Churchbike?

Hier trifft man die Menschen, die "bei einem Becher Kaffee auf andere Gedanken kommen wollen". Welche Gedanken das sein könnten, darauf geht kein einziger Nutzungsbericht ein. Die Reflexionen bleiben häufig seltsam unbestimmt, drücken sich in Floskeln und Abstraktionen aus. Ein Würzburger Verantwortlicher meint: "Es ist Kirche, und darum muss es da hin. Hin zu den Menschen." Man sei viel "ins Gespräch gekommen;" man sei "als Kirche unterwegs, wo Menschen sind."

Betrachtet man die Rhetoriken der kirchlichen Innovation näher, zeigt sich schnell ein Zirkel. Die Käufer von Innovation verwenden die Sprache der Verkäufer. Dieser Feedback-Loop überdeckt ein tieferes Nachdenken über Wandel im religiösen Temperament. Während solche "Tools" kirchliche Präsenz simulieren, höhlen sie die spirituelle Substanz kirchlichen Tuns aus.

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