Gebannt verfolgt die Welt einen amerikanischen Präsidenten, der unberechenbar geworden ist. Dass Donald Trump den Präsidenten Venezuelas in einer Nacht-und Nebelaktion kidnappen lassen würde, wer hätte das wirklich gedacht? Das hat Folgen. Da seine Drohungen augenscheinlich nicht leer bleiben, zittert die Welt jetzt mit Blick auf Grönland. Trump möchte die Insel für die USA haben (durch Kauf oder "auf die harte Tour") und behauptet, er könne nur so die Sicherheit der westlichen Welt gegenüber Russland und China garantieren.
Bischöfe erheben Einspruch
Grönländer wie Paneeraq Siegstad Munk protestieren. Sie ist lutherische Bischöfin vor Ort. "Wir sind Menschen, kein Eigentum", sagte sie in einer Erklärung, die vom ökumenischen Weltkirchenrat verbreitet wurde. Sie bete jeden Tag "für das Königreich Dänemark und die autonome Regierung Grönlands". 95 Prozent der Einwohner gehören der dortigen evangelisch-lutherischen Kirche an, die ein Teil der Dänischen Volkskirche ist.
Doch es steht natürlich viel mehr als nur das Selbstbestimmungsrecht der 57 000 Einwohner auf dem Spiel. Eine Invasion wäre der Angriff auf ein NATO-Land. Mit Trump ist ein skrupelloser Geschäftsmann Präsident geworden, der sich nimmt, was er will, wenn ihn die anderen nicht daran hindern.
In einer gemeinsamen Erklärung vom 19. Januar warnten drei US-Kardinäle – nämlich Blase Cupich aus Chicago, Robert McElroy aus Washington und Joseph Tobin aus Newark –, dass sich die Vereinigten Staaten "in der tiefgreifendsten und erschütterndsten Debatte über die moralische Grundlage ihres Handelns in der Welt seit dem Ende des Kalten Krieges" befänden. Sie berufen sich auch auf die Ansprache von Papst Leo, die er am 9. Januar 2026 vor Diplomaten hielt. Darin attestierte er, dass Krieg wieder in Mode gekommen sei. Militärischen Einsatz sehen die US-Kardinäle nur "als letztes Mittel in extremen Situationen", nicht als "reguläres Instrument" der Politik eines Landes. Ziel sollte ein Frieden sein, wie er von Jesus im Evangelium beschrieben wird. Ein weiterer Appell ans Gewissen der Nation. Wenn immerhin 54 Prozent der Katholiken Trump gewählt haben, sollte das zu denken geben.
Erinnert man sich daran, dass es in den USA eigentlich etwas über 400 Bischöfe gibt, klingt das Statement der drei Kardinäle, die als Vertreter des liberalen Kirchenflügels gelten, schon etwas leiser. Allerdings regt sich auch unter konservativen Katholiken Widerstand.
Erstaunlich deutlich äußerte sich etwa Timothy Broglio, der amerikanische Militärbischof, der zum konservativen Lager gezählt wird. Broglio meint: US-amerikanische Soldaten könnten sich einem Militäreinsatz gegen Grönland aus Gewissensgründen verweigern. Auch wenn Broglio nicht daran glaubt, dass die Trump-Regierung wirkliches Interesse an katholischen Ratschlägen hat, sieht er es als seine Pflicht, sich zu äußern und sagt: "Der Zweck heiligt niemals die Mittel."
In der Zeitschrift "First Things" schreibt Edwar Feser, Trumps Drohung, Grönland mit Gewalt zu annektieren, sei nicht mit der traditionellen katholischen Lehre vom gerechten Krieg zu vereinbaren.
Alte Fragen tauchen auf: Was ist er, der "gerechte Krieg"? Ein Raubüberfall auf ein friedliches Land kann er nicht sein.
Der katholische Philosoph Edward Feser gehört zu den postliberalen Denkern in den USA, denen immer wieder eine Nähe und ein gewisser Einfluss auf US-Vizepräsident JD Vance nachgesagt werden. In der Zeitschrift "First Things" schreibt Feser, Trumps Drohung, Grönland mit Gewalt zu annektieren, sei nicht mit der traditionellen katholischen Lehre vom gerechten Krieg zu vereinbaren. Feser zitiert Francisco de Vitoria, einen Theologen des 15. und 16. Jahrhunderts, der als Vater des modernen Völkerrechts gilt: "Die Erweiterung eines Imperiums kann kein Grund für einen gerechten Krieg sein. Diese These ist so bekannt, dass sie keiner weiteren Beweisführung bedarf."
Entfremdung
Die amerikanische Bischofskonferenz (USCCB) als Ganze verhält sich zur Grönland-Frage bisher noch ruhig. Doch ist über die Kirchenflügel hinweg eine Entfremdung von der Trump-Regierung zu beobachten. 2025 hatten die Bischöfe gemeinsam ein Statement der Solidarität mit Migranten veröffentlicht, dass sich kritisch mit der aktuellen Migrationspolitik auseinandersetzt. Die "Special pastoral message on immigration" war das erste gemeinsame Schreiben dieser Dringlichkeit seit 12 Jahren.
Papst Leo hatte zuvor in einem Brief vom Februar kritische Worte an die Bischöfe gerichtet. Im April 2025 hatte die US-Bischofskonferenz dann außerdem erklärt, dass sie Kooperationsvereinbarungen mit der US-Regierung im Bereich Kinder- und Flüchtlingshilfe nicht verlängern werde. Die langjährigen Partnerschaften in diesen Bereichen seien "nicht mehr tragbar" geworden.