Ich bin in der falschen Zeit geboren!“, hört man junge Menschen manchmal seufzen. Zum Beispiel, wenn sie durchrechnen, wie (verhältnismäßig!) erschwinglich ein eigenes Haus vor ein paar Jahrzehnten war, oder dass man von einem Einkommen problemlos eine Familie ernähren konnte. Meistens fällt der Spruch halb im Spaß. Auf die technischen Errungenschaften der heutigen Zeit will kaum jemand verzichten – ganz abgesehen davon, dass die Welt in vielen Belangen auch deutlich besser geworden ist, als sie einmal war.
In dieser Ausgabe begegnen wir immer wieder Menschen, denen man tatsächlich gewünscht hätte, in eine andere, friedlichere Zeit hineingeboren zu werden. Thomas Brose denkt zurück an seine Kindheit als junger Christ in einem auf Militarismus gepolten System (vgl. Leitartikel). Heinrike Paulus erinnert an die erste ordinierte Rabbinerin, deren Leben, Wirken und Lieben jäh vom Mordkommando des NS-Regimes durchkreuzt wurde (vgl. S. 6). Marco Benini untersucht schließlich einen Trend unter heutigen Jugendlichen, die moderne Medien nutzen, um sich über ganz traditionelle kirchliche Bräuche zu informieren (vgl. S. 5). Für manches kann es keine falsche Zeit geben!