VermögensverteilungReich, reicher

Im Studium hatte ich ein Seminar zum Thema „Ethik und Ökonomie“ besucht, in dem an einer Modellrechnung durchgespielt wurde, wie schnell sich Vermögen bei den oberen paar Prozent ansammeln kann, wenn man die Mächte des Marktes frei walten lässt. An dieses Seminar musste ich denken, als die Entwicklungsorganisation Oxfam in dieser Woche bekannt gegeben hat, dass die Milliardäre der Welt in den letzten fünf Jahren inflationsbereinigt um 80 Prozent reicher geworden sind. In einer Zeit, in der so viele unter den Folgen der Pandemie und steigenden Lebenskosten leiden, konnten die Superreichen ihr Vermögen also nahezu verdoppeln.

Neben der Gerechtigkeitsfrage kann diese Vermögensverschiebung auch politisch einiges ins Ungleichgewicht bringen. „Superreiche stützen ihre politische Macht durch finanzielle Einflussnahme“, warnte Oxfam. „Das gefährdet die Demokratie.“ Am Beispiel der USA zeige sich, was passiert, wenn Politik ganz offen mehr am Profit einer kleinen Gruppe als am Allgemeinwohl orientiert ist. „Diese Wirtschaft tötet“, sagte Papst Franziskus einst düster, und auch Leo XIV. hat diese Formulierung übernommen. Bleibt zu hoffen, dass ihm zugehört wird. Nicht nur in seinem Heimatland USA.

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