GenerationengerechtigkeitKlein gegen groß

Welche Welt hinterlassen wir den Kindern? Ist die Last zwischen den Generationen gerecht verteilt – und wie könnte es anders gehen? Ein Blick in die Weltpolitik, ins Fernsehen und in die Bibel.

Welche Welt hinterlassen wir den Kindern? Ist die Last zwischen den Generationen gerecht verteilt – und wie könnte es anders gehen? Ein Blick in die Weltpolitik, ins Fernsehen und in die Bibel.

Zwei aktuelle Nachrichten lassen mir den Atem stocken: Das neue Wehrdienstgesetz ist am 1. Januar in Kraft getreten. Die Bundeswehr hat bereits die ersten Briefe verschickt – darin enthalten ist ein QR-Code, der zu einem Online-Fragebogen führt. Die Bundeswehr will auf diese Weise „Motivation und Eignung der Angeschriebenen für den Dienst in den Streitkräften“ ermitteln. Wehrpflicht in Deutschland im Jahr des Herrn 2026 – was für eine Schlagzeile! Zeitgleich ist die Zahl derer, die einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen, deutlich gestiegen. Welche Aufgaben wird die Bundeswehr in absehbarer Zukunft haben? Vor kurzem sind 15 deutsche Soldaten für ein Wochenende nach Grönland entsendet worden. Auf der Arktisinsel sollten sie „Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region erkunden“, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Berlin. Umgehend kündigte Donald Trump Strafzölle an und behauptete erneut, er hätte Anspruch auf Grönland.

Erwachsene hinterlassen den Kindern ihre gemeinsame Welt: Große tragen die Verantwortung dafür, was die Kleinen eines Tages erben werden. Die neue deutsche Wehrpflicht ist das Ergebnis der Kriege, die Erwachsene seit Jahren führen – die Zahl der gefallenen jungen Soldaten und Kinder schreit zum Himmel. Der Klimawandel, die Schuldenberge und der gewaltige Müllberg gehören auch zu den Lasten, die erwachsene Menschen heute gewissenlos in die Rucksäcke derer packen, die in Zukunft Verantwortung tragen müssen. Große zeigen den Kleinen in unserer Gegenwart hemmungslos, dass nur noch ein einziges Prinzip über Wohl und Wehe, über Krieg und Frieden entscheidet: Make deals, become rich („Mach Deals, werde reich“).

Im Fernsehen sehe ich die erfolgreiche Samstagabendshow „Klein gegen groß“, in der junge Menschen mit speziellen Talenten spielerisch gegen Prominente antreten. Es gehört zur größten Kunst eines Showmasters, adäquat mit Kindern umzugehen; vorbildlich liefert Kai Pflaume dem Publikum den Beweis, wie dies auf Augen- und Herzenshöhe gelingen kann. Kleine werden in dieser Sendung groß, und Große machen sich ehrlichen Herzens klein.

Auch das Alte Testament kündet in jeder Buchrolle davon, wie der Schöpfer und Befreier JHWH den Kleinen beisteht und diese „groß macht“. David besteht gegen Goliath; die Gnade des Herrn verhilft der kleinen Schar Israels zur Großmacht. Die zu Ende gegangene Weihnachtszeit offenbarte jedem, der an einer Krippe kniete, dass Gottes Erlösungsprinzip auch im Neuen Testament „Klein gegen groß“ lautet: Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein; es liegt dort elend, nackt und bloß. Auch am Kreuz wird ein Gott hängen, der sich aller Gewalt entäußert und entledigt. Und wider das elende Vorbild eines „Dealmakers“ setzt der biblische Gott auf die Tempelreinigung: Mit Geld und dem Leistungsprinzip hat die christliche Heilsbotschaft nichts zu tun. Vielmehr kehrt Jesus die Machtverhältnisse um – indem der große Gott sich ganz klein macht, macht er die Kleinsten ganz groß. Wer Anfang des Monats die Sternsinger begrüßen durfte, konnte dieses göttliche Prinzip anschaulich betrachten. Kleine tragen Herrscherkronen; Kinderhände schreiben den Segen über die Türen der Großen.

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