Kommentar zur Karnevalseröffnung in KölnFür die Kirche strahlen

Der Auftritt von Stadtdechant Robert Kleine bei der Kölner Prinzenproklamation macht deutlich: Die Kirche genießt noch immer Ansehen, wo sie sich von ihrer menschenfreundlichen Seite zeigt.

Wenn die Kirchen bei Karnevalssitzungen oder auf Fastnachtsbühnen vorkommen, kriegen sie meist ordentlich ihr Fett ab. Zu verlockend sind die vielen Skurrilitäten, zu groß die Skandale und Ungerechtigkeiten, um sie nicht satirisch aufs Korn zu nehmen. Und obgleich das Brauchtum rund um Karneval und Fastnacht aufs Engste mit Glauben und Kirche verwoben sind, kommen die Narren und ihr ausgelassenes Feiern umgekehrt auch in kirchlichen Predigten selten gut weg.

Wie eindrucksvoll und gut, dass sich Kölns Stadt- und Domdechant Robert Kleine nicht nur selbst auf die Karnevalsbühne traut, sondern dabei auch eine hervorragende Figur macht. Mit der sogenannten Prinzenproklamation startet der Kölner Karneval am Wochenende nach Epiphanie in seine heiße Phase: Das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau erhält vom Bürgermeister seine Insignien und den Auftrag, die Stadt durch die närrische Zeit bis zum Aschermittwoch zu führen. Für ihre Session gaben sich die diesjährigen Tollitäten das Motto Mer dun et för Kölle („Wir machen es für Köln“) – und meinten damit nicht nur ihr eigenes Engagement im Karneval, sondern den Einsatz all der unzähligen Ehrenamtlichen für die Gesellschaft.

Stadtdechant Kleine war der Einladung gefolgt, zu diesem Thema die Festrede zu halten, und präsentierte die Kirche bei der im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragenen Proklamationssitzung von ihrer besten Seite. Dazu trug nicht nur bei, dass er ohne Pappnase oder schlecht sitzende Verkleidung auftrat (ein bunter Karnevalsorden über dem schwarzen Priesteranzug genügte als Zugehörigkeitsbekundung), sondern vor allem gut gelaunt und gewinnend. Kein Mahnen, Klagen, Zagen, sondern einfach mal ein strahlendes Gesicht.

Natürlich: Das Thema machte es ihm auch leicht. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland engagiere sich ehrenamtlich, so begann Kleine seine launige Rede. Dafür wolle er das tun, was sonst oft zu kurz komme: Danke sagen! Und man darf im Stillen ergänzen, dass die Tugend der Dankbarkeit auch in der Kirche nicht immer zu den verbreitetsten gehört.

Doch Et is wie et is und Et kütt wie et kütt („Es ist, wie es ist“/„Es kommt, wie es kommt“) – anhand der lapidaren Weisheiten des „Kölschen Grundgesetzes“ charakterisierte Kleine die Ehrenamtlichen als echte Lebensprofis: Sich nicht aufregen, den Tatsachen ins Auge blicken, die Welt auch ohne großes Budget verändern, das seien Kernelemente ehrenamtlichen Engagements. „Ihr seid Leistungsträger der Gesellschaft und investiert eure Freizeit … Ihr macht aus Vielfalt Gemeinschaft – und dafür sagen wir Danke!“ Zum Paragrafen Et hätt noch emmer joot jejange („Es ist bisher noch immer gut gegangen“) erntete Kleine mit einem absichtlichen oder gut geretteten Versprecher freudiges Lachen: „Egal wie katho- … wie chaotisch alles aussieht, der Kölner lehnt sich zurück und sagt: Wird schon.“

Fröhlich, ohne Forderungen (ob berechtigt oder mitunter fraglich) und erhobenen Zeigefinger (zu oft missbraucht), stattdessen mit einem wiederholten und ehrlichen „Danke“, so sollte sich die Kirche viel häufiger zeigen. Nicht nur, weil es gut ankommt, sondern weil es ihr bestens ansteht: Das Gute in der Welt sehen und zur Sprache bringen – benedicere – ist eine ihrer Wesensaufgaben. Und auch wenn am Aschermittwoch bekanntlich alles vorbei ist, der gute Eindruck bleibt.

Anzeige: Ich habe dich geliebt. Dilexi te – Über die Liebe zu den Armen. Das erste Lehrschreiben des Papstes
CIG Ausgaben

Christ in der Gegenwart im Abo

Unsere Wochenzeitschrift bietet Ihnen Nachrichten und Berichte über aktuelle Ereignisse aus christlicher Perspektive, Analysen geistiger, politischer und religiöser Entwicklungen sowie Anregungen für ein modernes christliches Leben.

Zum Kennenlernen: 4 Wochen gratis

Jetzt gratis testen