Karfreitag ist ein irdischer, Karsamstag sogar ein unterirdischer Tag; Ostern hingegen ist ein himmlisches Fest. Nachdem Jesus „hinabgestiegen ist in das Reich des Todes“, um sozusagen all unseren Verstorbenen die Frohbotschaft der Auferstehung primär zu verkünden, geht der Blick in der Osterzeit nach oben: „Christ fuhr gen Himmel… Christ fuhr mit Schallen von seinen Jüngern allen.“ Dass die bevorzugte Gegenwart des Auferstandenen und in den Himmel Aufgefahrenen nicht dem astronomischen Weltraum gleicht, durften schon die Jünger in Emmaus lebendig erfahren: Wo zwei oder drei eucharistisch versammelt sind, wandelt Christus auch hier und jetzt unsere ausgebrannten Herzen in brennende Organe missionarischer Liebe. Der Querbalken des Kreuzes Jesu ist aus gutem Grund horizontaler Natur. Eine Rakete rast ins Weltall, der Auferstandene kreiert sein himmlisches Reich mitten unter uns, bevorzugt sonntags mit dem Tischgebet des Vaterunser.
Die Crew der Artemis-2-Mondmission hat sich seit Gründonnerstag mit ihrer Orion-Kapsel rund 407000 Kilometer von der Erde entfernt – ein historischer Rekord. Insbesondere auf der Rückseite des Mondes, dem sich die Crew in der Osterwoche auf rund 6545 Kilometer näherte, konnten sie „schauen, was kein Auge je gesehen hat“ (1 Kor 2,9). Die Lehre aus dieser Oster-All-Mission lautet, dass eine Vogelperspektive erlösend wirkt, während eine Froschperspektive lähmen und frustrieren kann. Unseren blauen Planeten, dessen Schöpfungsgeschichte in jeder Osternacht verkündet wird, von oben her neu zu sehen, entflammt selbst die kältesten Herzen. Auch die Astronauten haben übrigens Ostereier in der Kabine versteckt, „zwar von der Sorte dehydrierter Rühreivariationen“, aber alle seien damit zufrieden gewesen. Wie „klein“ sehen die Osterprobleme dieses Jahres aus, wenn Adam, der Erdling also, nur die richtige Entfernung einnimmt! Durch das Visier wird der Feind ins Auge gefasst, um ihn zu vernichten; durch das kleine Fenster der Raumkapsel sieht der Astronaut den schier grenzenlosen Kontinent, der allen zur Heimat gegeben wird. Kardinal Pizzaballa konnte am Palmsonntag die Grabeskirche in Jerusalem des Krieges wegen nicht betreten, und die Ukraine meldete am Karfreitag 14 Gefallene durch russische Angriffe; auf der Internationalen Raumstation ISS arbeiten während der aktuellen 74. Expedition US-Astronauten friedlich mit russischen Kosmonauten zusammen. Die Medien berichten in der Karwoche von einem Wolf in Hamburg und einem gestrandeten Wal an der Ostseeküste; die Artemis-2-Mission bringt uns als Menschen in neue Regionen, ist eine Vorstufe bemannter Missionen zum Mars.
Während die da unten auf die Meerenge von Hormus starrten, funkten die da oben eine engelsgleiche Frohbotschaft unbegrenzter Weite zur Erde: „Dieser blaue Planet ist wunderschön. Legt die Waffen nieder, um alles dafür zu tun, Gottes Schöpfung gemeinsam als Weltenfamilie zu erhalten. Der Geist des Herrn erfüllt das All; dieser Geist überwindet die Engstirnigkeit und jeden Machtmissbrauch; seid eines Herzens und Sinnes.“ 11,5 Kilometer entfernt von Jerusalem entbrannten damals die Herzen der Emmausjünger; 406771 Kilometer von der Erde entfernt entflammte in vier Astronauten zu Ostern 2026 die Hoffnung auf Frieden.