Kommentar zur Versetzung von Heiner WilmerBischofsfragen

Die Ernennung des DBK-Vorsitzenden Heiner Wilmer zum Bischof von Münster wirft bei allem Jubel Fragen über das katholische Amtsverständnis auf.

Das Bischofskarussell dreht sich weiter: Heiner Wilmer wird neuer Bischof von Münster. Auch wenn es vereinzelte Insidertipps auf den gebürtigen Emsländer und bisherigen Hildesheimer Bischof gab, war die Bekanntgabe Ende voriger Woche für die meisten eine Überraschung. Dass ein neu ernannter oberster Hirte eines Bistums bereits anderswo Diözesanbischof war, ist hierzulande keine Seltenheit. Auch Wilmers Vorgänger in Münster, Felix Genn, hatte vor seiner Versetzung schon einen Bischofssitz inne, ebenso die Kardinäle Woelki und Marx. Weniger problematisch macht das die Praxis nicht.

Da sind zunächst die ganz handfesten Folgen für das „zurückgelassene“ Bistum: Mit Amtseinführung Wilmers in Münster Ende Juni wird der Bischofsstuhl in Hildesheim vakant. Dabei geht es bei weitem nicht nur um die liturgischen Funktionen des Bischofs im Gottesdienst, wie es die Stuhl-Formulierung vielleicht nahelegt, sondern um die gesamte rechtliche wie inhaltliche Führung. Eine Diözese ist ohne Bischof in vielen Bereichen handlungsunfähig. Ein in solchen Fällen eingesetzter Administrator regelt lediglich die laufenden Geschäfte, weiterreichende Entscheidungen müssen bis zum Amtsantritt eines neuen Bischofs aufgeschoben werden – Monate, mitunter Jahre des Leerlaufs, die in Zeiten des kirchlichen Wandels besonders schwer wiegen.

Glück gehabt, dass es in Münster nun vorangehen kann. Pech für Hildesheim? Wilmer war deutlich angefasst, als er bei seiner Ansprache auf den Abschied von seiner jetzigen Wirkungsstätte zu sprechen kam. Seine Emotionalität und die Beteuerung, sich die Entscheidung nicht leicht gemacht zu haben, nimmt man ihm gerne ab. In einem Brief an die Hildesheimer Pfarreien warb er am Wochenende nochmals um Verständnis. Doch darf dieser sympathische Zug genauso wie der ebenfalls aufrichtige Jubel, den die Münsteraner ihrem zukünftigen Bischof entgegenbrachten, nicht über so manche besorgniserregende Schieflage hinwegtäuschen.

Ist es um die Personaldecke im Klerus tatsächlich so schlecht bestellt, dass sich keine geeigneten Kandidaten mehr innerhalb des eigenen Bistums finden lassen? Priester mit theologischem Format und öffentlichkeitstauglichem Auftreten gäbe es doch durchaus. Fallen diese per se durchs Anforderungsraster der römischen Vorauswahl? Oder weigern sie sich, die – zugegeben immsense – Verantwortung zu übernehmen, in diesen Tagen ein Bistum zu leiten?

Der Ring wird bei der Bischofsweihe als Zeichen der Treue seines Trägers zur Kirche, der „Braut Christi“, gedeutet. Zwar entfiel in der erneuerten Liturgie der Bezug auf das konkrete, in Besitz zu nehmende Bistum. Auch sind die Zeiten Papst Stephans VI. vorbei, der Ende des neunten Jahrhunderts seinen Vorgänger ausgraben ließ, um ihn bei der berüchtigten „Leichensynode“ unter anderem für den damals verbotenen Bistumswechsel zu verurteilen. Doch wirft die Praxis auch heute grundlegende Fragen über das Verständnis des katholischen Bischofsamts auf. Sollte dieses einem „gewöhnlichen“ Führungsjob doch deutlich ähnlicher sein, als man im theologischen Überschwang gern zugibt? Und ist das mit 1,5 Millionen Gläubigen größte deutsche Bistum schlicht die spannendere Herausforderung?

Wilmer setzt für den Übergang in Hildesheim auf das Engagement der Ehrenamtlichen. Käme ihnen in Bischofsfragen Mitspracherecht zu, hätten sie ihren Hirten sicher gerne behalten.

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