In der letzten Ausgabe hatten wir gefragt, welche Begegnungen Ihnen in Ihrem Leben besonders in Erinnerung geblieben sind. Vielen Dank für die Antworten!
Für mich ist Begegnung, dass man den anderen wahrnimmt und der mich. Das sind oft kleine, überraschende Momente: Ich begegne einem Fremden, einer Fremden, wir schauen uns an und lächeln uns an. Eine Zeitlang begegnete ich jeden Morgen im Auto einem kleinen Mädchen, das an der Landstraße stand und auf ihren Schulbus wartete. Wir winkten uns gegenseitig zu und es war für mich immer ein fröhlicher Tagesanfang, der mich begleitete.
Ingrid Thiele, Dortmund
Als ältester von vier Söhnen in einer Landwirtschaft war mir eigentlich von klein auf klar, dass ich Bauer werden würde. In der vierten und fünften Volksschulklasse fragte mich der Pfarrer dann bei verschiedenen Gelegenheiten, ob ich nicht aufs Gymnasium gehen wollte, was ich mehrmals entschieden verneinte. Ich arbeitete in der Zeit oft mit einem Knecht zusammen, der Heimatvertriebener war. Eines Tages – ich kann heute noch das Feldstück nennen – fragte ich ihn, was er dazu meine. Der Knecht unterbrach seine Arbeit und gab mir die kurze Antwort: „Wenn ich nochmals von vorne anfangen könnte, würde ich wieder wie vor der Vertreibung aus dem Sudetenland aufs Gymnasium gehen, und heute wüsste ich auch, was ich werden würde, nämlich Pfarrer.“ Diese Antwort hat meinem Leben eine völlig neue Richtung gegeben.
Pfarrer i. R. Xaver Wölfle (online)
Während und nach dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 befand ich mich für fünf Monate in ägyptischer Haft. Einmal schenkte mir mein Wärter einen Koran und meinte auf Französisch: „Das ist alles, was ich für Sie habe, aber vielleicht hilft es Ihnen.“ – Weniger der Koran als vielmehr die Geste hatte mich damals sehr berührt und ein wenig aufgebaut.
Felix C. Studer, Scherzingen / Schweiz