Mustergültig?
Zum Kommentar „Aktien, die der Vatikan empfiehlt“ (CIG Nr. 9, S. 2)
Den abschließenden Zweifeln des Autors, ob bei der Festlegung der beiden Portfolien der Vatikanbank tatsächlich verantwortungsvoll gehandelt wurde, kann ich mich vollumfänglich anschließen. Bei dem Musterportfolio der Vatikanbank fehlt offenbar die Berücksichtigung eines maßgeblichen Textes, der im November 2022 von den päpstlichen Akademien der Wissenschaften und Sozialwissenschaften veröffentlicht wurde: Mensuram Bonam. Eine 55-seitige, sehr lesenswerte Schrift, die ganz im Sinne der Synodalität keine zwingend einzuhaltenden Vorschriften für die Weltkirche vorgibt, aber hohe Ansprüche an handelnde Personen, die mit den Kapitalanlagen kirchlichen Vermögens betraut sind, stellt.
Christoph Breunig, Lindau
Lebensschule
Zum Zeitgang „Gegenwärtigkeit als Motor der Demokratie“ (CIG Nr. 9, S. 3)
Der Verweis auf die Schule als demokratischen Erfahrungsraum ist wichtig, jedoch zu einseitig. Schule, wie ich sie aus langer Tätigkeit in der Klasse wie in der Lehrerausbildung kenne, erkennt wie kaum ein anderer Lebensbereich „Vielfalt, Andersheit und Diversität“ an. Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation werden gelehrt und angewendet: Schule ist tatsächlich bestrebt, eine „Lebensschule“ zu sein. Dabei liegt die Betonung auf „bestrebt“, denn Schule arbeitet nicht im einflussfreien Raum. Familie, Gesellschaft, politische Entscheidungen und nicht zuletzt die so genannten „sozialen Medien‘“ üben ebenfalls starken Einfluss aus.
Ursula Engelhardt, Fürth
Haarspalterei
Zum Zeitgang „Jesus ohne Opfer“ (CIG Nr. 8, S. 3)
„Der Glaube Jesu war zum Glauben an Jesus geworden“ – diese Aussage (ohne die Folgerung, dass sich dadurch sein Menschsein verflüchtigte!) ist nicht erst das Ergebnis des Konzils von Nicäa, sondern des gesamten Neuen Testaments. Und damit bin ich bisher als Christ über 80 Jahre ganz gut zurechtgekommen, indem ich nämlich Jesus als dem Gottessohn glaube, dass er durch seinen Kreuzestod sein Leben „eingesetzt“ hat „für uns“ (nenne es Opfer oder Hingabe – Haarspalterei) und dadurch vom Vater auferweckt wurde. Wenn freilich der Gottmensch Jesus nur „ein imposantes Denkkonstrukt und Postulat“ ist, dann gnade uns Gott.
Pater Josef Singer, Neumarkt
Auch im Alltag sprechen wir davon, dass beispielsweise eine Mutter sich aus Liebe für ihre Kinder „aufopfert“. In diesem positiven Sinn spielt der Opfergedanke auch bei Jesus eine große Rolle. Im Evangelium sagt er selbst: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). Die Lebenszeit Jesu einzuteilen (35 Jahre Leben, 18 Stunden Leiden) erscheint mir dem Thema nicht angemessen: Schlägt hier nicht wieder nur der Zeitgeist („Nur keine Opfer!“) zu?
Stephan Krell, Alzey
Schon lange stoße ich mich an der Vorstellung, dass der liebende Gott zuließ, dass sein Sohn für die Sünden der Menschheit ermordet wurde. Der Autor überzeugt, wenn er sagt, wir wüssten wohl nichts von Jesus, hätte er nicht die Kreuzigung auf sich genommen.
Uta Binz, Mainz
Geteilter Adam
Zum Artikel „Die Schlange war ein Er“ (CIG Nr. 8, S. 5)
Ich bin erstaunt über die Interpretation, dass beim sogenannten Sündenfall die Frau eigentlich nur klug werden wollte und „das Werden wie Gott sonst nirgendwo als Sünde gelabelt“ wird. Das Übertreten der Grenze zu Gott hin, das Dünken des Menschen, allmächtig zu sein, ist meiner Meinung nach die größte Sünde schlechthin. Aus ihr ergeben sich doch alle anderen Sünden des Menschen, wenn er sagt: „Ich brauche keinen Gott der Liebe, die mich drängt, ihn zu verehren, die mich drängt, nicht zu lügen, zu morden, Gelübde oder Versprechen zu brechen…“ Und wie viele Extrembeispiele dieser Art gibt es doch dazu gerade in unserer Zeit!
Gisela Zeh, Nordhausen
Wenn die Erschaffung der Eva als „von der Rippe Adams“ oder „von seiner Seite“ übersetzt wird, gehe ich einen Schritt weiter. Ich übersetze für mich: Gott hat den Erdling (Adam) geteilt, nämlich: in zwei Personen, genannt „Mann“ und „Frau“. Schon damals ein Hinweis auf die gleiche Würde der Geschlechter.
Johann Ladstätter, Wien
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