Vollversammlung der Deutschen BischöfeAuch im Widerspruch

Als neuer DBK-Vorsitzender wird auch Heiner Wilmer kaum vom Gegenwind aus Rom verschont werden und muss Verhandlungsgeschick beweisen.

Einen besseren Draht nach Rom, genauer in die Schaltzentren des Vatikans – das dürfte eine der Haupterwartungen gewesen sein, mit der die deutschen Bischöfe Heiner Wilmer bei der Frühjahrsvollversammlung zu ihrem Vorsitzenden gewählt haben. Für die kommenden sechs Jahre wird der Hildesheimer Bischof nicht nur wesentlichen Einfluss auf interne Gesprächslinien haben, sondern vor allem Gesicht und Sprecher des deutschen Episkopats in der Öffentlichkeit und gegenüber dem Papst sein. So versiert Wilmers Vorgänger Georg Bätzing im Umgang mit kirchlichen Gremien und den Medien war, so sehr wurde ihm vorgeworfen, die Anliegen des Synodalen Wegs im Vatikan nicht ausreichend verständlich gemacht zu haben.

Die deutsche Kirche gilt in den Augen vieler „Römer“ als rebellisches Sorgenkind, das einer strengen Hand bedarf, um nicht vom Weg abzukommen. Bei der Aufgabe, dieses Bild geradezurücken, soll Wilmer nun mehr Glück beschieden sein. Beste Voraussetzungen bringt er dazu gewiss mit: Der gebürtige Emsländer gehört der Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester an und gilt als guter Vermittler. Nach seinem Studium in Freiburg und Rom sammelte er internationale Erfahrungen als Lehrer und Schulseelsorger in Kanada und den USA. Bevor er zum Bischof ernannt wurde, war Wilmer Generaloberer seines Ordens in Rom, wo er sich in der Diplomatie der katholischen Weltkirche bewähren und jene Kontakte knüpfen konnte, die ihm nun helfen sollen, die vatikanischen Sorgen um etwaige „deutsche Sonderwege“ auszuräumen.

Dass der Gegenwind aus Rom jedoch nicht so ohne Weiteres zum Erliegen kommen dürfte, gab der Apostolische Nuntius in Deutschland, Nikola Eterović, in seinem Grußwort vor der Vollversammlung zu verstehen. Seine Ansprache war deutlich weniger konfrontativ als in den Vorjahren, doch ließ er sich eine Warnung gegen Ende nicht nehmen: Zu viel Freiheitsliebe könne ins Schisma führen. Zwar fordere Nächstenliebe keine „Einheitlichkeit im Denken und Handeln, sondern Einheit in legitimer Vielfalt“, Garant dieser Einheit sei aber „der Bischof von Rom und Hirte der Universalkirche“. In diesem Zusammenhang, so der Papstgesandte, lasse sich der bekannte lateinische Satz anwenden: In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas („Im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem Nächstenliebe“).

So weit, so bemerkenswert – hätte Eterović nicht eine Bemerkung folgen lassen, die den vielleicht wohlgemeinten Rat eher wie eine Drohung klingen lässt. So sei der vermutliche Urheber des Zitats, der kroatische Bischof Markantun de Dominis, wegen seiner reformatorischen Positionen vom Papst verurteilt worden und habe „ein tragisches Ende“ gefunden. Für den Nuntius ist Freiheit offensichtlich die weit größte Gefahr für Einheit und Liebe – und er scheint eher willens, päpstliche Verurteilung als Akt der Fürsorge zu deuten, denn den Zweifel als legitimen Teil eines lebendigen Glaubens zu respektieren.

Umso wichtiger, dass sich die deutschen Bischöfe davon nicht einschüchtern ließen, sondern mit ihrem Satzungsbeschluss den Weg für dauerhafte Beteiligungsstrukturen in der Synodalkonferenz geebnet haben. Deren Verwirklichung hängt nun an der Zustimmung Roms – und somit auch am Verhandlungsgeschick Wilmers, der in seiner Abschlussansprache sogleich indirekt konterte: „Der Heilige Geist lebt nicht nur im Konsens, sondern auch im Widerspruch.“

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