Monatsspruch April 2026: Johannes 20,29:
Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
„Sie werden zu Helden.“ Antwort in der 5. Klasse, Thema „Entstehung der Bibel“, auf die Frage: „Was geschieht, wenn die Geschichten von Menschen aufgeschrieben werden?“ Auch wenn es im biblischen Kontext nicht gerade üblich ist, von Heldinnen und Helden zu sprechen – die Antwort trifft es doch recht genau. Selbst wenn „geschulte“ Bibel-Leserinnen und -Leser das nicht ohne Weiteres zugeben würden. Doch wer hätte sich beim Bibellesen nicht schon die Frage gestellt: Was sind die Erfahrungen meines gebrochenen Glaubenslebens gegen die großartigen Gottesbegegnungen und Segenserweise, die etwa einem Abraham oder Jakob zuteilwurden? Sind das nicht geradezu Halbgötter der Gotteserfahrung? Gott mag ihnen unterschiedlich begegnet sein, doch immer in beneidenswerter Unmittelbarkeit. Und man muss nicht beim Alten Testament Halt machen. Auch in der Geschichte der frühen Christen spielte das Kriterium, wer zu denen gehörte, die den Herrn noch unmittelbar gesehen hatten, eine bedeutsame Rolle. Da tut es gut, eine Geschichte zu hören, in der auch einer ausgeschlossen wird – ausgeschlossen von der großen Unmittelbarkeit … Thomas gehört zum engsten Jüngerkreis. Er hat vieles mit Jesus erlebt, aber gerade jetzt hat er das Entscheidende verpasst: Er hat den Auferstandenen noch nicht gesehen, und den anderen ist er schon erschienen! Thomas ist also keineswegs, wie oft gesagt, „ungläubig“, sondern schlicht ausgeschlossen. Und so entspringt sein Bekenntnis (Vers 28) unmittelbar vor Jesu Wort sicher auch der Freude darüber, jetzt gleichfalls dem Auferstandenen begegnen zu dürfen: „Mein Herr und mein Gott!“
Dietrich Bonhoeffer hat in seinem großen und ernsten Buch „Nachfolge“ von 1937 auch das Problem der Unmittelbarkeit bedacht, die uns Späteren scheinbar nicht mehr geschenkt ist. Im Kapitel „Der Leib Christi“ fragt er (Nachfolge, 2. Aufl., Gütersloh 1994, Seite 227): „Die ersten Jünger lebten in Jesu leiblicher Gegenwart und Gemeinschaft. Was bedeutet das, und worin setzt sich für uns diese Gemeinschaft fort?“ Bonhoeffers Antwort läuft darauf hinaus, dass wir keineswegs nur die Späteren oder gar Zuspätgekommenen sind. Im Gegenteil: Wir haben gleich vollen Anteil an der neuen Gegenwart Jesu als Auferstandener und Verklärter.
Taufe und Abendmahl gewähren uns diese Gemeinschaft. Wenn Jesus in seiner Reaktion auf das Bekenntnis des Thomas sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“, dann meint er damit keine heldenhafte Glaubens- oder gar Willensstärke. Vielmehr spricht er zu Thomas ganz direkt als der, der schon alles überwunden hat, was Menschen von Gott trennen kann. Auch die Zweifel derer, „die nicht sehen“. Thomas konnte seine Begegnung mit dem Auferstandenen nicht erzwingen. Jesus schenkte sie ihm von sich aus. Wir leben in der Gegenwart des lebendigen Christus. Was er uns in unserer Vollendung noch schenken wird, darauf dürfen wir voller Vorfreude gespannt sein.