Titelseite: Titelseite Lebensspuren 8/2026

Heft 8/2026jetzt

Inhalt

Es erscheint uns manchmal wie eine Modekrankheit, dass sich vor allem junge Menschen heute ununterbrochen selbst fotografieren, in allen Lebenslagen. Selfies immer und überall. Das Handy oder Smartphone macht es möglich, und oft genug müssen auch Oma und Opa „gute Miene zum bösen Spiel“ machen, auch wenn ihnen gerade nicht danach zumute ist und sie sich ganz und gar nicht fotogen fühlen.

Früher, vor der Erfindung der Fotografie, musste man stundenlang stillsitzen, damit der Maler sein Modell festhalten konnte. Und auch in der Frühzeit der Fotografie musste man anfangs minutenlang ausharren und durfte sich nicht bewegen beim Fotografieren. Heute ist das anders. Es geht tatsächlich „blitzschnell“ und schon sind wir „verewigt“. Ich finde das schön. Denn ich schaue gerne zurück auf vergangene Jahre und die dazugehörigen Bilder und helfe meinem Gedächtnis damit auf. Aber nicht nur durch Bilder können wir das Jetzt für später einfangen. In meinem Arbeitszimmer hängt ein großes Tuch hinter der Tür mit großen Einstecktaschen, in denen ich seit vielen Jahren Kino- Theater- Museums- und Konzertkarten, Einladungen zu Hochzeiten und runden Geburtstagen oder Speisekarten sammle von besonderen Momenten, die unser Leben bereichert haben. Ich habe auch ein Notizbuch, in dem ich Gedanken und Erfahrungen festhalte und Wichtiges bei Vorträgen oder beim Lesen notiere. Natürlich haben wir auch einen Keller und einen Speicher, wo manche Relikte lagern, die, wenn man sie wiederfindet, alte Zeiten wiederaufleben lassen. Taufkerzen der Kinder, Konfirmationsurkunden und Liedblätter erinnern Feste und eindrückliche geistliche Erlebnisse. Und wie erinnern Sie wichtige Augenblicke?

Wir können das Jetzt nicht festhalten, aber das Erinnern an besondere Lebensstunden hilft, den Reichtum unseres Lebens, die Vielfalt unserer Erfahrungen und damit hoffentlich auch die Dankbarkeit für all das Geschehene zu bewahren. Durch das Erinnern ist es uns dann doch auch leichter möglich, froh, nach dem, was gewesen ist, unsere Gegenwart zu schätzen und dem Kommenden getrost entgegenzusehen. Das wäre wunderbar.