Titelseite: Titelseite Lebensspuren 6/2026

Heft 6/2026oft

Inhalt

„Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt das Sprichwort. Wenn wir dieses Sprichwort auf unseren Alltag übertragen, dann ist das sowohl ermutigend als auch ernüchternd. Ermutigend ist es, weil es uns nahelegt, doch die kleinen Schritte und kleinen Gesten nicht gering zu achten, da sie doch tatsächlich Widerstand zu brechen vermögen und das Harte im Leben „erweichen“ können. Man muss nicht stark und kraftvoll sein, um die Welt zu gestalten. Täglich ein wenig vom Richtigen verändert die Welt.

Aber, und das ist der ernüchternde Teil der Botschaft des Sprichworts: Das Leben braucht Geduld und Stetigkeit. Wenig Energie hat große Kraft, aber nur wenn sie mit Ausdauer und immer und immer wieder eingesetzt wird. Das gilt bei der Pflege eines Menschen ebenso wie im Umgang mit Kindern. Immer wieder braucht es die gleichen Handreichungen, aufgaben und Ermahnungen, damit das Miteinander funktioniert.

Dabei leben wir in einer Zeit, die alles, was sich wiederholt und was gleichförmig ist, wenig schätzt. Jeden Tag etwas Neues und etwas anderes soll es sein. Sensation und Überraschung ist angesagt. Dabei hängt das Leben doch am Gleichmaß und am Alltäglichen, an dem, was ohne viel Aufmerksamkeit selbstverständlich geschieht. Wenn jemand 80 Jahre alt wird, dann nur, weil sein Herz etwa drei Milliarden Mal geschlagen hat. Und dazu kommen ungefähr 600 Millionen Atemzüge – am besten im ganz gleichmäßigen Rhythmus, und kaum merklich. Das Gottesgeschenk des Lebens besteht auch aus grandiosen und überwältigenden, außerordentlichen Momenten. Vor allem aber besteht es daraus, dass unser Herz schlägt und wir unzählige Atemzüge tun, damit die 30 Billionen Zellen, die unseren Körper bilden, ihren Dienst tun.

Wir würden uns sehr freuen, wenn diese „Lebensspuren“ Sie an das Unzählige, das Gute, das wir so oft haben und brauchen und das unser Leben ausmacht, erinnern würden … und an die Schönheit des Gewöhnlichen, und wir möchten Ihnen nahebringen, das Gleichmaß zu schätzen und den „steten Tropfen“, der „den Stein“ höhlt. Wir brauchen Geduld, so viel Geduld und täglich neuen Elan, um als junge oder alte Menschen das täglich Gleiche und Notwendige zu bewältigen, diesen Alltag, der dann manchmal auch Außerordentliches und ganz Besonderes bereithält.