Kinderschutzkonzept – wie starten wir?

Keine leichte Aufgabe, das gesamte Team im Prozess mitzunehmen. Aber: Nicht alle müssen alles machen! Außerdem kann entlasten, dass es nicht zu allen Punkten Teamkonsens geben muss. Man kann auch im Grundsatz mittragen, wo man im Detail noch Bedenken hat.

Illustration von einer Unterhaltung
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Die Arbeit an den Schutzkonzepten hat unterschiedliche Startpunkte in den Einrichtungen. Welche Anlässe und Ziele sind möglich?

  • Eine wichtige Zielsetzung ist die Erstellung eines für die Heimaufsicht ausreichenden Schutzkonzeptes, um die Betriebserlaubnis zu bekommen oder aufrechtzuerhalten. Dabei geht es um eine schnelle, fristgerechte Verschriftlichung und die Einhaltung formaler Kriterien.
  • Ein weiteres Ziel ist es, eine konkrete Situation aus der Risikoanalyse (s. Leitungsheft 4/2025) zu besprechen und dafür Vereinbarungen zu treffen. Wenn Kinder in der Kita beispielsweise Körpererkundungsspiele entdecken, ist dies der richtige Zeitpunkt, um über das eigene sexualpädagogische Konzept und geeignete Regeln dazu zu diskutieren.
  • Vielleicht erfordert das eigene Qualitätsmanagementverfahren die Beschäftigung mit dem Beschwerdemanagement der Kinder und die Festlegung eines konkreten Verfahrens der Entgegennahme und Bearbeitung von Beschwerden.
  • Medien und vergangene Vorkommnisse machen Eltern sensibel gegenüber dem Thema. Fachkräfte brauchen Schutzkonzepte zur eigenen Orientierung für ihr Handeln. Pädagogische Arbeit wird so transparenter und stärkt die Elternkooperation.

Ein verschriftlichtes Schutzkonzept für die Heimaufsicht, mit den Kindern besprochene Regeln zur Körpererkundung oder ein gemeinsam festgelegtes Verfahren für die Beschwerden der Kinder sind fertige Teile des Schutzkonzeptes, das sich im Laufe der Zeit durch viele verschiedene neue Anlässe weiterentwickeln kann und soll. Alle gleichzeitig als Ziel zu formulieren, wird in der knappen Zeit zu Frust führen und konkrete Veränderungen verhindern.

Alle mitnehmen?

Die meisten Kita-Leitungen nennen als größte Herausforderung die Mitnahme des Teams und die Einigung mit allen Fachkräften. Die Haltung stimme nicht und auf die käme es doch an, so der häufige Tenor. „Alle mitnehmen“, „Haltung ändern“ und „alle ins Boot bekommen“ sind Ziele, die oft an der Realität scheitern. Aber: Müssen wirklich alle immer überallhin mitgenommen werden? Sind „Mitgehen und Nachkommen“ erlaubt? Drei Entwicklungsrichtungen sind hilfreich, um konkrete Schritte zu ermöglichen.

1. Ein Rahmen gibt Orientierung

Viele Elemente der Schutzkonzepte sind nicht Gegenstand einer Diskussion mit allen Akteur:innen. Gemeint sind fachliche und organisatorische Vorgaben, die nur in der konkreten Umsetzung diskutiert werden müssen. Das „Wie“ braucht Klärung, nicht das „Ob“. Für Träger und Leitung ist eine vorrangige Aufgabe in der Entwicklung der Schutzkonzepte, diese Leitplanken zu definieren und als Startpunkt verbindlich zu setzen.

2. Motivierte gehen vor

Im Entwicklungsprozess ist es hilfreich, auf bestehende Motivationen und Schwerpunkte der Fachkräfte aufzubauen: Wer experimentiert mit den Kindern mit Beschwerdeverfahren? Wer verschafft sich einen Überblick über aktuelle Fachliteratur zu Körpererkundungsspielen? Wer nimmt Kontakt mit der insofern erfahrenen Fachkraft auf? Mit der Abstimmung nach Motivation und Kompetenz bilden sich meist sehr effektive kleine Arbeitsgruppen, die selbst organisiert Ergebnisse für alle erarbeiten und erproben.

3. Nicht alles mit allen

Teamtage und Dienstbesprechungen sind häufig die Orte der Wahl für die Entwicklung der Schutzkonzepte. Tatsächlich sind sie die richtigen Settings für Themen, die von allen Fachkräften besprochen werden müssen. Teamtage sind jedoch rar und Dienstbesprechungen voll. Es braucht daher in der Planung einen realistischen Blick auf mögliche Ergebnisse und deren Weiterbearbeitung. Welche Themen müssen oder können auf Ebene der Führungskräfte erarbeitet werden? Was muss auf Ebene der einzelnen Gruppen geklärt und erprobt werden? Welche Aspekte sind bereichsspezifisch relevant und müssen in U3, Ü3, Hort etc. gesondert entwickelt werden? Effektives Arbeiten mit Nutzen für alle erfordert eine Genauigkeit und Analyse, wer mit wem zu welchem Thema arbeiten kann, um Ergebnisse zu erzielen.

Entscheidungen im Konsent

In jedem Kita-Team arbeiten unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammen. Das Ringen um Vereinbarungen in den Schutzkonzepten ist daher meistens nicht konfliktfrei und die Diskussion häufig kontrovers. Im besten Fall kommt es dann zum Austausch über Einstellungen und Werte der Fachkräfte und zur Einigung auf ein abgestimmtes Vorgehen. Wenn es weniger gut läuft, stehen sich die Meinungen unversöhnlich gegenüber. Bevor Vereinbarungen getroffen werden, die Eingang in das Schutzkonzept finden, sind zwei Voraussetzungen zu klären:

  • Alle Vereinbarungen werden mit Blick auf den Mehrwert für die Kinder überprüft. Es geht um den Schutz der Kinder vor Machtmissbrauch der Erwachsenen; diese Grundlage ist Überschrift aller Vereinbarungen.
  • Alle Vereinbarungen fußen auf fachlichen Erkenntnissen. Es gibt an vielen Stellen keine „gefühlten Wahrheiten“. Der sogenannte Probierhappen beim Essen oder die Beschämung von Kindern sind nicht Gegenstand der Diskussion, sie sind aus fachlicher Perspektive ausgeschlossen.

Die Vorstellung, es müssten nach Klärung dieser beiden Voraussetzungen alle immer einer Meinung sein, führt in den Teams häufig zu langen Aushandlungsprozessen. Neben dem oft angestrebten Konsens, das heißt, der Zustimmung aller zu einer gefundenen Lösung, gibt es den sogenannten Konsent. Im Konsent wird eine Lösung angestrebt, die keine ernsthaften Widerstände und keine schwerwiegenden Einwände bei den Beteiligten hervorruft (siehe Kasten). Für jede Lösungsfindung – egal, ob im Konsens oder Konsent – braucht es ein Klima, in dem es möglich ist, individuelle Werte und Befürchtungen zu äußern und dem Gegenüber zuzuhören.

Konsent statt Konsens
Im Konsent wird ein gemeinsam herausgearbeiteter Vorschlag wie „Die Kinder dürfen sich in der Kita frei bewegen und sich Angebote und Bezugspersonen aussuchen“ von den Fachkräften mit einem der folgenden Punkte bewertet:

  • Volle, vorbehaltlose Zustimmung: Ich stimme voll zu und trage zur Umsetzung bei.
  • Zustimmung mit Bedenken: Ich stimme mit Bedenken zu und trage zur Umsetzung bei.
  • Schwerwiegende Einwände: So kann ich nicht zustimmen. Ich habe folgende schwerwiegende Einwände…

Dieser Text ist – leicht gekürzt – entnommen aus: Nolte, J./Hansen, K. (2025): Die Kita als sicherer Ort. Kinderschutzkonzepte im Team entwickeln. kindergarten heute – leiten kompakt. Freiburg: Herder. ISBN 978−3−451−10300−1, € 15,–

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