Das Beamer-Drama

Elternabende laufen nicht immer nach Plan ab. Wenn etwa die Technik streikt, kann so eine Veranstaltung eine überraschende Wendung nehmen.

Es gibt Termine im Kita-Alltag, auf die bereitet sich die Leitung tagelang vor. Zu solchen Terminen gehört definitiv der Elternabend. Die Präsentation steht, die Stühle sind im Halbkreis aufgestellt, Knabbereien sind in Schälchen gefüllt und am Eingang will die Anwesenheitsliste geradezu rufen: „Hier ist jemand sehr gut vorbereitet!“

Am Mittag hatte ich sogar vorsichtshalber noch den Beamer getestet. Alles läuft also nach Plan – da bin ich mir sicher! Um 17:55 Uhr werfe ich einen zufriedenen Blick in den Raum. Viele Eltern sind da, manche müde vom Tag, andere hellwach und interessiert. Und punkt 18 Uhr nimmt die Realität ihren Lauf. Ich stelle mich vorne hin, räuspere mich und klicke stolz die erste Folie an. Nichts: kein „Herzlich willkommen“ und keine Tagesordnung. Kurzzeitig entgleisen mir die Gesichtszüge. Erneut drücke ich die Fernbedienung, schüttle sie hin und her und betätige schließlich den Knopf am Beamer. Ab da tut sich gar nichts mehr. „Dann machen wir es eben analog“, sage ich und lächle leicht gequält. Immerhin gehört Improvisieren zu meinem Berufsalltag.
Kaum habe ich analog begonnen, öffnet sich vorsichtig die Tür. Ein Nachzügler entschuldigt sich: „ … keinen Parkplatz gefunden …“ Doch der Luftzug reicht aus, um meine gut sortierten Karteikarten quer durch den Raum zu blasen. Während ich tief durchatme, meldet sich die erste Mutter: „Ich hätte da nur eine ganz kurze Frage …“ Als erfahrener Kita-Leitung ist mir in diesem Moment gleich klar: Auf diese Ankündigung ist genauso wenig Verlass wie auf den Beamer. Zwanzig Minuten später sprechen wir über Wechselkleidung, Brotdosen, verlorene Socken und darüber, warum Kinder grundsätzlich genau das Gegenteil von dem tun, was Erwachsene erwarten. Nach und nach ändert sich die Stimmung. Aus Nachfragen werden Gespräche. Eltern erzählen, wie oft sie im Familienalltag improvisieren müssen. Ich berichte, dass wir auch in der Kita unsere Pläne oft schon vor dem Frühstück ad acta legen können – weil Kinder eben eigene Ideen haben. Zwar funktioniert der Beamer am Ende immer noch nicht und die Tagesordnung haben wir auch nur zur Hälfte geschaff t. Doch dafür treten die Eltern ihren Heimweg mit einem sanften Lächeln an und sind überzeugt: „Heute war es irgendwie anders. Richtig angenehm sogar.“

Bei der Rückkehr in mein Büro muss selbst ich schmunzeln. Nicht nur, weil der Beamer auf einmal wieder anspringt, sondern weil in mir die Erkenntnis reift: Einen wirklich guten Elternabend machen vielleicht doch nicht die perfekten Folien aus, sondern echte Begegnungen. Kleine Pannen erinnern uns daran, dass die Kita nicht ein Ort der Perfektion, sondern voller Menschen ist. Und dass Eltern dem Alltag von Fachkräften und Leitung näher sind, als beide Seiten oft glauben.

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