Toxische MännlichkeitToxische Männlichkeit: Auf der Suche nach neuen Vorbildern

Die weltpolitische Lage zeigt, dass das Recht des Stärkeren zu gelten scheint. Ein Land will nun schon in der Schule damit beginnen, Bilder toxischer Männlichkeit aufzubrechen.

Porträt Michaela Pilters im Grünen
© privat

In England gibt es Regierungspläne für einen neuen Unterrichtsstoff: Frauenfeindliche Einstellungen bei Jungen sollen frühzeitig erkannt und bekämpft werden. Premierminister Keir Starmer erklärte zu den Plänen: „Jede Mutter und jeder Vater sollte darauf vertrauen können, dass die eigene Tochter in der Schule, im Internet und in ihren Beziehungen sicher ist. Doch allzu oft setzen sich toxische Ideen schon früh fest und bleiben unwidersprochen." Die Regierung greife deshalb früher ein, unterstütze Lehrkräfte gezielt und wolle Warnsignale ernst nehmen, um Gewalt zu verhindern, bevor sie entstehe.

Der Ansatz bei der Erziehung ist richtig und wichtig. Schließlich geht es darum, welche Vorbilder es heute für Jungen gibt. Mit wem können sie sich identifizieren? Wer ist so cool, dass sie ihm nacheifern wollen? Welche Rolle spielen dabei die Väter? Begriffe wie Ritterlichkeit oder Galanterie klingen in den Ohren junger Leute fürchterlich altmodisch und damit das dazugehörige Verhalten wohl auch. Schon im Sandkasten gilt das Recht des Stärkeren, der sich die Schaufel und das Förmchen einfach nimmt. Und welche Mutter bringt ihrem Sohn bei, nicht nur sich selbst zu verteidigen, sondern auch Schwächere zu beschützen vor der Übergriffigkeit Anderer?

Wir erleben heute fast täglich, dass auch in der Politik der Machismo, das Recht des Stärkeren gilt. Wenn Männer sich über alle Regeln des Völkerrechts und der Bündnisse hinwegsetzen, nur weil sie das anscheinend können, dann gibt es viel zu viele Bewunderer, die das noch toll finden. Und zu wenige, die sich trauen, das zu kritisieren und dagegen anzugehen. Falsch verstandene Männlichkeit im Sandkasten und in der Schule kann noch Gegenstand von Erziehung sein, in der Politik ist es zu spät, wenn das Wahlvolk dem Charme der Skrupellosen erlegen ist. Deshalb dürfen wir nicht aufgeben, für kleine Kinder, Jugendliche und Erwachsene attraktive Vorbilder zu schaffen, die gegen Gewalt und toxische Männlichkeit eintreten.

Anzeige: Menschenrechte nach der Zeitenwende. Gründe für mehr Selbstbewusstsein. Von Heiner Bielefeldt und Daniel Bogner
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