Bundeskanzler Friedrich Merz war kürzlich in Indien. Mit dem dortigen Staatspräsidenten Narendra Modi vereinbarte er eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. In der Rüstungspolitik soll es Kooperationen geben, und mehr indische Pflegekräfte sollen nach Deutschland kommen. So weit, so gut. Tatsächlich ist die Partnerschaft Deutschlands mit einer der größten und wichtigsten Volkswirtschaften der Erde ausbaufähig, um es einmal vorsichtig zu formulieren.
Doch ausbaufähig ist auch noch etwas Anderes: Christliche Hilfswerke in Deutschland – zuletzt Missio Aachen – erleben immer wieder, wie ihnen die Visa für Indien verweigert werden. Eine Gruppe der Berliner Gossner-Mission, die vor einigen Jahren Partnergemeinden in Indien besuchen wollte, wurde gar inhaftiert und abgeschoben. Das aber kann zwischen Ländern, die auf den Feldern von Wirtschaft, Wissenschaft und Verteidigung erfolgreich zusammenarbeiten, eigentlich nicht der richtige Umgang sein.
Eine wirkliche Kooperation zwischen zwei Ländern setzt vielmehr voraus, dass sich auch die Zivilgesellschaften beider Länder auf Augenhöhe begegnen können. Verweigerte Visa verhindern das. Was im Verhältnis von Deutschland und Indien auch die Zusammenarbeit bei Entwicklungsprojekten und Besuche hiesiger Christen bei der christlichen Minderheit des Subkontinents einbeziehen muss. Hier etwas mehr Druck bei den Partnern in Neu-Delhi zu machen, stünde der Bundesregierung in jedem Fall gut zu Gesicht – ebenso wie es Deutschland gut anstehen würde, vor kirchlichen Großereignissen wie einem Kirchen- oder Katholikentag eine großzügigere Visavergabe für Teilnehmer aus den Ländern des Globalen Südens zu praktizieren.