Sterbesegen. Auf dem Weg ins Licht / Bénédiction des mourants. Sur le chemin vers la lumière / Benedizione dei morenti. In cammino verso la luce / Blessing of the Dying. On the Way to the Light, hg. von der Liturgischen Kommission der Schweiz im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz, erarbeitet vom Liturgischen Institut der deutschsprachigen Schweiz, Regensburg: Verlag Friedrich Pustet 2026; 168 S.; 16,00 €; ISBN 978-3-7917-3664-8
Die Begleitung Sterbender gehört seit den Anfängen des Christentums zur gelebten Nächstenliebe. In der Pastoral ist die Sterbebegleitung daher eine wichtige Aufgabe. In den letzten Jahren hat sich der Sterbesegen als neue Feierform für eine angemessene rituelle Begleitung von Sterbenden in vielen deutschsprachigen Diözesen etabliert. Ende Februar 2026 wurde der Sterbesegen nun auch für die Diözesen in der Schweiz herausgegeben.
Im Angesicht von Sterben und Tod haben viele Menschen das Bedürfnis nach einer seelsorgerlichen und rituellen Begleitung, denn die Erfahrung des nahenden Todes macht oft hilflos und sprachlos. Wo Worte fehlen, können Rituale Halt geben. Im Sterbesegen wird das Leben des/der Sterbenden in den Blick genommen und gewürdigt. So wird erfahrbar, dass das gesamte Leben unter dem Segen Gottes steht. Gottes Segen gilt auch für den letzten irdischen Weg eines Menschen im Horizont der christlichen Auferstehungshoffnung. Damit weist der Sterbesegen über die irdischen Begrenzungen hinaus. Alles, was das Leben ausmacht, möge bei Gott ein gutes Ende finden und durch Jesus Christus zur Auferstehung gelangen.
Der Sterbesegen verwendet bewusst eine leicht zugängliche Sprache, kann in ökumenischen Kontexten gefeiert und durch beauftragte Seelsorger/innen geleitet werden. Mit der Feier soll keinesfalls die Krankensalbung oder die Wegzehrung verdrängt werden. Vielmehr berücksichtigt die neue Feierform die veränderten pastoralen Umstände der Sterbebegleitung. Intubierte Personen, Menschen mit eingeschränktem Bewusstseinszustand oder mit starken Schluckbeschwerden können das Viatikum als eigentliches Sakrament der Sterbestunde nicht mehr empfangen. Auch die Krankensalbung ist nicht immer möglich oder geeignet, entweder, weil kein Priester erreichbar ist, die Krankensalbung erst vor Kurzem gefeiert wurde, oder weil die erneuerte Theologie der Krankensalbung vor allem deren stärkenden und wiederaufrichtenden Charakter betont.
Aus diesen Gegebenheiten hatte sich aus der Praxis der Krankenhaus- und Hospizseelsorge allmählich die neue Form des Sterbesegens entwickelt. Erstmals wurde eine solche Liturgie im Jahr 2011 in einer Publikation der Diözese Rottenburg-Stuttgart veröffentlicht. Die meisten diözesanen Publikationen gehen auf diese ursprüngliche Form des Sterbesegens zurück, entwickeln diese aber mit unterschiedlichen Akzentuierungen weiter. Die Grundform des Sterbesegens wurde aufgrund der großen Verbreitung auch in das „Kleine Rituale“ (2022) aufgenommen.
Den nun publizierten Schweizer Sterbesegen hat das Liturgische Institut der deutschsprachigen Schweiz erarbeitet. Alle Texte wurden dabei neu formuliert, wenngleich sie sich inhaltlich am etablierten Modell orientieren. Die Publikation ist vollständig viersprachig konzipiert: Die Texte sind nacheinander auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch abgedruckt. Damit wird explizit die sprachliche und kulturelle Vielfalt in der Schweiz berücksichtigt. Inhaltlich umfasst das Buch die Grundform sowie eine Kurzform des Sterbesegens. Letztere bietet die wichtigsten Elemente für die unmittelbare Sterbestunde an, die auch von den Angehörigen selbst verwendet werden können. Außerdem eignet sich die einfacher gehaltene Kurzform z. B. für weniger christlich sozialisierte Menschen. Die Kurzform ist überdies noch in weiteren Sprachfassungen online erhältlich (Download beim Liturgischen Institut der deutschsprachigen Schweiz unter dem Kurzlink https://kurzlink.ch/2x6r).
Im Gegensatz zu anderen Sterbesegenpublikationen im deutschen Sprachgebiet wurden lediglich zwei Ergänzungsmodelle für besondere pastorale Situationen aufgenommen: die Feier des Sterbesegens für ein Kind und für einen Menschen mit Demenz. Schließlich folgen Gebete und Texte zur Auswahl. Die Erinnerungszeit, bei der am Beginn des Sterbesegens auf die gemeinsame Zeit, die Erlebnisse, aber auch die schwierigen und herausfordernden Situationen zurückgeblickt werden kann, schließt mit dem Bruder-Klausen-Gebet ab. Dieses in der Schweiz sehr verbreitete Gebet des heiligen Niklaus von Flüe ist ein besonderer Akzent des Schweizer Sterbesegens. Das „Nimm mich mir und gibt mich ganz zu eigen dir“ bringt als rituelle Form eindrücklich etwas zur Sprache, das Menschen in der letzten Phase des irdischen Daseins beschäftigen kann: loslassen können und sich in Gottes Hände begeben.
Dipl.-Theol. Dominik Bodenstein, Deutsches Liturgisches Institut, Trier