Segen gibt der Liebe KraftZwei neue Publikationen zur Debatte um Segensfeiern für Paare, die sich lieben

Stefan Diefenbach [u. a.] (Hg.): Segen gibt der Liebe Kraft. Paare, die sich lieben, werden gesegnet, Münster: Aschendorff Verlag 2026; 150 S.; 25,00 €; ISBN 978-3-402-25218-5

Matthias Remenyi/Jochen Sautermeister (Hg.): Segensfeiern in der katholischen Kirche. Grundlagen und Reflexionen, Freiburg i. Br.: Verlag Herder 2026; 144 S.; 16,00 €; ISBN 978-3-451-39881-0

Etwa ein Jahr nach der Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft. Segnungen für Paare, die sich lieben“ der Gemeinsamen Konferenz der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken sind gleich zwei Bücher zum Thema erschienen: „Segen gibt der Liebe Kraft. Paare, die sich lieben, werden gesegnet“ (SgdLK) und „Segensfeiern in der katholischen Kirche. Grundlagen und Reflexionen“ (SidkK). Beide im angenehmen Umfang von ca. 150 Seiten, jedoch mit unterschiedlicher Zielgruppe und unterschiedlicher Akzentsetzung – und ohne, dass die Autorinnen und Autoren davon wussten. Derzeit ist es wieder ruhig(er) geworden in der Debatte um Paarsegnungen – Zeit also, sich mit dem Thema ohne den Qualm der Empörung zu beschäftigen. Die Bücher ergänzen sich auf gute Weise und es lohnt sich, beide zu lesen.

SgdLK richtet sich eher an die pastoralen Mitarbeitenden: mit zwei Texten zur Vorgeschichte (Michael Thurn, David Hunold), zwei theologischen Texten aus dogmatischer und liturgiewissenschaftlicher Perspektive (Julia Knop, Ewald Volgger) sowie dem Hauptteil des Buchs: 20 pastorale Mitarbeiter/ innen legen ihre Segensfeiern vor – so bunt wie vielfältig! Unterteilt nach „Paaren in einer neuen staatlichen Ehe“, „Queere Paare“ und „Paare, die kirchlich heiraten können, sich aber (noch) nicht bereit dazu fühlen“ will das Buch dazu einladen, selbst, persönlich und kreativ Segensfeiern zu gestalten. „Stilbildend“ ist die Anerkennung der Situation des bittenden Paares und die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten – nicht zu verwechseln mit einer „Ritualisierung“! Das Buch zeigt, wie einfühlsam Segen sein kann, der ernst gemeint und in die jeweilige konkrete Situation hineingesprochen wird. Abgerundet wird das Buch mit Literaturhinweisen und einem Ausblick auf die weitere Debatte.

SidkK umfasst dagegen sehr unterschiedliche Beiträge (Thomas Hieke, Matthias Remenyi, Jochen Sautermeister, Birgit Jeggle- Merz, Thomas Schüller, Julia Knop) und richtet sich an theologisch Interessierte sowie an die Entscheidungsträger in Ordinariaten, Pastoralabteilungen und Pfarreiverbünden. Ihnen will man Ideen und Anregungen mit auf den Weg geben, wie man sich in dieser Frage positionieren kann – nämlich durchaus differenziert! Die Autorinnen und Autoren betrachten das Vatikan-Papier Fiducia Supplicans (FS) und die nachfolgende Debatte wie auch die deutsche Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ aus der Perspektive ihres jeweiligen Fachgebietes und listen positive wie negative theologische Gedanken und Konsequenzen auf. FS hat nicht zur Beruhigung der Diskussion beigetragen, sondern sie wegen der Unklarheiten angeheizt. Dennoch kann man momentan auf Veränderungen, die es tatsächlich gibt, reagieren, selbst wenn man sie für nicht ausreichend hält.

Die Autorinnen und Autoren von SidkK stehen nicht unter dem Verdacht besonders konservativ zu sein, sondern vertreten in ihren Beiträgen eher „Pro-Positionen“, durchaus in Abstufungen. Es drängt die Frage, wie unter den derzeitigen Bedingungen, hier und heute, Positionen von gestern noch vertreten werden können. Wie kann man die katholische Ehelehre und die Beurteilung von nichtehelichen Lebensgemeinschaften zusammen denken, ohne allzu große Klimmzüge zu machen?

Beide Bücher sind eine „Momentaufnahme“. Der Diskurs um die Segensfeiern und ihre Rezeptionsgeschichte geht weiter. Haben Papst Franziskus und Kurienkardinal Victor Fernández sowie die über die Handreichung von DBK und ZdK Entscheidenden im Blick gehabt, was durch ihre Texte ausgelöst wird? Es ist daher gut, dass sich beide Bücher nicht als das Ende der Debatte begreifen, sondern als Beiträge zu dieser, die einander ergänzen. Die öffentliche Diskussion ist zunächst einmal zu Ende, es beginnen – zum Teil mit den Autorinnen und Autoren der Bücher – die Fortbildungen, die FS angeregt hat. Es geht um die Umsetzung von FS und der Handreichung in den jeweiligen Diözesen, die es für richtig halten.

Es ist ein Schritt(chen) in die richtige Richtung. Es kann gemacht werden, was geht: für die Paare, ihre Familien und Kinder – ohne die Probleme, die klar benannt werden, auszuklammern. Die Debatte dazu darf weitergehen.

Stefan Diefenbach, Mitglied der AG „Segnungen für Paare, die sich lieben“

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Segen gibt der Liebe Kraft: Zwei neue Publikationen zur Debatte um Segensfeiern für Paare, die sich lieben
Stefan Diefenbach [u. a.] (Hg.)

Münster: Aschendorff Verlag 2026; 150 S.; 25,00 €; ISBN 978-3-402-25218-5

Segen gibt der Liebe Kraft: Zwei neue Publikationen zur Debatte um Segensfeiern für Paare, die sich lieben
Matthias Remenyi/Jochen Sautermeister (Hg.)

Freiburg i. Br.: Verlag Herder 2026; 144 S.; 16,00 €; ISBN 978-3-451-39881-0