Stephan Wahle: Noch manche Nacht wird fallen. Liturgie in Krisenzeiten (Franziskanische Akzente 41), Würzburg: Echter Verlag 2024; 87 S.; 9,90 €; ISBN 978-3-429-05983-5
Der Paderborner Liturgiewissenschaftler Stephan Wahle hat ein schmales, aber gehaltvolles Buch vorgelegt, das den Nerv der Gegenwart trifft. Ausgehend von den Erfahrungen von Krieg, Klimawandel, gesellschaftlicher Polarisierung und kirchlicher Vertrauenskrise fragt der Autor, welche Kraft Liturgie heute entfalten kann. Seine Antwort fällt weder nostalgisch noch resignativ aus: Gottesdienst erscheint als Ort der Unterbrechung, der Hoffnung und der Einübung in eine solidarische Lebenspraxis.
Biblische Motive, Texte des Kirchenjahres und bekannte Lieder – besonders Jochen Kleppers „Die Nacht ist vorgedrungen“ – werden von Wahle sensibel erschlossen und mit aktuellen Herausforderungen ins Gespräch gebracht. So entstehen dichte Meditationen über Weihnachten, Karsamstag, Ostern, Eucharistie, Klage, Erinnerung und Zukunftshoffnung.
Besonders überzeugend ist, dass Liturgie hier nie als weltfremder Schonraum erscheint. Vielmehr insistiert der Autor darauf, dass gottesdienstliches Feiern Konsequenzen für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung haben muss. Ebenso klar benennt er die innerkirchlichen Probleme und die Krise traditioneller Gottesdienstformen, ohne dabei in kulturpessimistische Klagen zu verfallen.
Wer nach einer praxisnahen und zugleich geistlich anspruchsvollen Deutung der Liturgie in bedrängten Zeiten sucht, wird dieses Büchlein mit Gewinn lesen.
Eva-Maria Will: Trost-sensible Pastoral. Tod und Trauer als individuelle und kollektive Erfahrung in säkularisierter Gesellschaft (Theologie im Dialog 34), Freiburg i. Br.: Verlag Herder 2026; 574 S.; 63,00 €; ISBN 978-3-451-02618-8
Die vorliegende Studie widmet sich dem pastoralen Handeln an der Schwelle von Leben und Tod. In großer thematischer Breite verbindet die Verfasserin pastoraltheologische, liturgiewissenschaftliche, soziologische und psychologische Perspektiven zu einem Entwurf „trost-sensibler Pastoral“. Dabei werden nicht nur gegenwärtige Veränderungen von Trauerkultur, Religiosität und Bestattungspraxis analysiert, sondern auch konstruktive Wege kirchlicher Begleitung aufgezeigt.
Besonders hervorzuheben ist das umfangreiche Kapitel über die „Transitorische Liturgie“ (S. 192–263). Hier entfaltet die Arbeit die Feier des Abschieds als Liturgie des Übergangs (transitus), die im Horizont des Pascha-Mysteriums zu verstehen ist. Eindrücklich wird gezeigt, wie die christliche Begräbnisliturgie Tod und Trauer im Licht von Kreuz und Auferstehung deutet.
Daraus entwickelt die Autorin Überlegungen zu erneuerter Ritualfähigkeit, zu vielfältigen Feierformen und zu einer mystagogisch sensiblen Liturgiepastoral.
Wer nach einer theologisch reflektierten Orientierung für Trauerpastoral und Begräbnisliturgie sucht, findet hier eine anregende und weiterführende Arbeit.
Dr. Manuel Uder, DLI, Trier