Ui, ist das kalt heute! Gerade erst sind wir in den Garten gekommen, und schon wippe ich fröstelnd von einem Bein auf das andere. Ich habe mich wohl ziemlich verschätzt, was die Temperatur angeht. Die Kinder sind dick in ihre gefütterten Matschkleider eingemummelt. Dazu tragen sie Mützen, Schals und Handschuhe. Fröhlich und mit roten Backen rennen sie durch den Garten.
Da fällt mein Blick auf die vierjährige Samira. Sie steht neben dem Sandkasten und wirkt unglücklich. „Samira“, rufe ich und winke. „Was ist los mit dir?“ Samira versteht bisher noch nicht viel Deutsch. Sie zieht die Schultern nach oben und sieht mich fragend an. Ich schaue auf ihre Hände. „Ach, herrje“, sage ich, „du hast ja gar keine Handschuhe an!“ Samira wirft mir einen fragenden Blick zu. „Handschuhe“, rufe ich und reibe die Hände aneinander. Samira nickt und reibt ebenfalls ihre Hände aneinander. „Komm schnell, wir holen sie“, schlage ich vor. Gemeinsam gehen wir nach drinnen in die Garderobe. Ich weiß genau, dass Samira warme, rosafarbene Fäustlinge anhatte, als sie morgens in die Kita kam. Diese liegen bestimmt noch an ihrem Platz. Doch leider nein – die Handschuhe sind nicht dort.
„Wo sind denn deine Handschuhe?“, frage ich Samira. Sie schüttelt den Kopf. Vielleicht heißt das „Ich weiß es nicht“, vielleicht aber auch „ich verstehe dich nicht!“. Doch sie sucht mit. Sind die Handschuhe auf den Boden gefallen? Zum Garderobennachbarn gerutscht? Oder liegen sie hinter den Jacken versteckt? Nirgends ist ein Paar rosa Fäustlinge zu entdecken.
Nach einer Weile gebe ich die Suche auf. „Dann gehen wir erstmal so in den Garten zurück. Die Zeit ist fast um und gleich werden alle ins Warme kommen.“ Ich mustere Samira. Ihre Mütze sitzt nicht richtig und ich möchte sie ein wenig mehr über die Ohren ziehen. Vorsichtig ziehe ich an Samiras Mütze, doch diese bewegt sich keinen Millimeter nach unten. „Zieh mal kräftig“, schlage ich vor. Samira schaut mich fragend an. „Ziehen“, sage ich und tue so, als ob ich eine Mütze auf hätte, die ich tiefer ins Gesicht ziehe. Jetzt hat sie mich verstanden und zieht an ihrer Mütze. Doch auch bei ihr rutscht diese nicht tiefer. Samira wirft mir einen überraschten Blick zu. Dann zieht sie sich rasch die Mütze vom Kopf und dreht sie um. Und da liegen sie – warm hineingekuschelt in die Mütze: zwei dicke, rosafarbene Handschuhe.
„Du hattest sie die ganze Zeit auf dem Kopf!“, rufe ich. Samira und ich sehen uns an. Ab jetzt brauchen wir keine Übersetzung und keine Zeichensprache mehr und es gibt auch nicht das geringste Missverständnis. Wir sitzen zusammen auf der Garderobenbank und halten uns die Bäuche vor Lachen!