Offene Posten und überwältigende MehrheitenEindrücke vom Synodalen Weg

In Stuttgart ist man sich sicher, für fast alle Katholiken zu sprechen. Bischof Bätzing labelt Kritik als "Selbstisolation". Derweil zeigt eine Umfrage, dass die Mehrheit der Kirchenmitglieder wohl noch nie vom Synodalen Weg gehört hat oder keine Meinung über ihn hat.

Synodaler Weg
© Synodaler Weg / Marko Orlovic

I.

Es ist eine lange Liste, die Birgit Mock am Freitag in Stuttgart vorliest. Die sechste und letzte Vollversammlung des Synodalen Weges von Deutscher Bischofskonferenz (DBK) und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) befasst sich mit dem "Monitoring" der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges.

Die vormalige ZdK-Vizepräsidentin Mock listet auf, was zwar beschlossen, aber noch nicht angegangen worden sei. So gebe es noch keine "Musterordnung" für die Beteiligung von Gläubigen an der Bischofswahl. Auch sei in Rom bislang kein Antrag für eine teilkirchliche Aufhebung der Zölibatsverpflichtung gestellt worden, ebenso wenig wie ein Antrag auf Änderung des Katechismus zum Thema Homosexualität. Des Weiteren lasse eine Regelung der Laienpredigt auf sich warten. Das Nihil-Obstat-Verfahren für Theologieprofessoren sei auch noch nicht reformiert worden. Und eine Arbeitshilfe "für eine Erinnerung und eine zentrale Feier mit dem Beauftragten für die queere Pastoral, in der queere Menschen um Vergebung gebeten werden" gebe es auch noch nicht. Die komplette Liste der "offenen Posten", die "finalisiert" werden müssen, lässt sich in den Handlungsempfehlungen der zuständigen Kommission nachlesen.

II.

Ein Bericht der Kommission bietet einen Überblick darüber, inwiefern in den Diözesen Maßnahmen im Sinne der Beschlüsse des Synodalen Weges worden sind. So wurde etwa abgefragt, ob man in den Bistümern zeitnah vorhabe, die Handreichung "Segensfeiern für Paare, die sich lieben" einzuführen. Antwort: In 13 von 22 Diözesen, die geantwortet haben, soll sie eingeführt werden, in drei Diözesen steht eine Entscheidung noch aus. Eine Diözese habe "gute Erfahrungen mit Popup-Segensfeiern gemacht".

III.

Enttäuschung. Dieses Wort fällt in der anschließenden Aussprache der Delegierten mehrfach. Enttäuscht sei man über die mangelnde Umsetzung der Beschlüsse. Es sei fünf nach zwölf. Die Hütte brenne. "Systemisch" sei nichts verstanden worden.

IV.

Stimmen, die nicht – oder nicht in Gänze – hinter den erwähnten Beschlüssen stehen, sind nicht zu hören. Eher konservativ eingestellte Delegierte und Bischöfe haben das Projekt schon vor längerer Zeit verlassen. Das ist offenbar anders im "Synodalpastoralrat" des Erzbistums Berlin. Dort werde zuweilen kontrovers diskutiert, berichtet der Berliner Erzbischof Heiner Koch, und nicht alle seien mit dem Kurs des Synodalen Weges einverstanden. Die Diskussionen in den verschiedenen Gremien des Bistums bräuchten ihre Zeit.

V.

Am Tag zuvor, bei der Auftaktpressekonferenz, positioniert sich der Noch-DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing einmal mehr gegen die Kritik am Synodalen Weg. Es gebe, sagt Bätzing, was den Synodalen Weg betrifft, keine Spaltung in der katholischen Kirche. Es gebe lediglich die "Selbstisolation" einzelner Kritiker, die jedoch zunehmend in Begründungsnot geraten würden.

VI.

Ich verkneife mir die Frage, ob das auch für Kritiker wie Kardinal Schönborn, Kardinal Kasper und Papst Franziskus gilt.

VII.

96 Prozent! 96 Prozent der Katholiken würden sich Reformen der katholischen Kirche wünschen, betont ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp bei der Pressekonferenz. Die vormalige Leiterin der Hauptabteilung Caritas im Bistum Rottenburg-Stuttgart verbucht die Zahl aus der letzten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung kurzerhand als Zustimmungswert zum Synodalen Weg und seiner Reformagenda.

VIII.

Das Meinungsforschungsinstitut INSA hat im Auftrag der Zeitung "Die Tagesspost" und der Kritiker-Initiative "Neuer Anfang" eine repräsentative Befragung zu Glauben und Kirchenmitgliedschaft durchgeführt. Eine Frage lautete: "Finden Sie den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland (eher) richtig oder falsch?" 58 Prozent der befragten Katholiken konnten oder wollten die Frage nicht beantworten. 21 Prozent hielten ihn für richtig, 17 Prozent für falsch.

IX.

In der Kirchenprovinz von Paris, also den Bistümern der Region Île-de-France, hat vor ein paar Tagen ein Provinzialkonzil begonnen, um über den Umgang mit dem stark wachsenden Zulauf von Taufbewerbern zu beraten.

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