Leo XIV. vor der EntscheidungBenedikt XVI., Kardinal Marx und der Synodale Weg

Am Ende muss der Papst entscheiden, ob Deutschland eine "Synodalkonferenz" bekommt. In Rom steigt der Druck.

Leo XIV. und Kardinal Reinhard Marx
© Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. soll dem Münchner Kardinal Reinhard Marx im Jahr 2021 seine Bedenken wegen des deutschen Synodalen Weges mitgeteilt haben, Marx jedoch habe den Appell des Emeritus ignoriert. Das berichtete am Samstag die italienische Tageszeitung Il Giornale. Der Artikel kolportiert auch, Marx habe sich beim zurückliegenden Konsistorium der Kardinäle für den Diakonat der Frau ausgesprochen und damit ein Thema des Synodalen Weges in die Diskussion eingebracht.

Wer wird der nächste Nuntius in Berlin?

Laut dem Pressebulletin des Heiligen Stuhls empfing der Papst am Samstag seinen Botschafter in Deutschland, Nuntius Nikola Eterović. Der wird am 20. Januar 75 Jahre alt und muss dann seinen Rücktritt einreichen. Die Personalie gilt angesichts einer zerstrittenen Bischofskonferenz in Deutschland und dem Konflikt mit Rom um den Synodalen Weg als heikel. Außerdem war Filippo Iannone beim Papst, Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe und bis September Leiter des Dikasteriums für die Gesetzestexte. Beide Behörden sind seit Jahren intensiv mit dem Synodalen Weg befasst.

Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung, die vom 23. bis 26. Februar 2026 in Würzburg stattfindet, sollen die Deutschen Bischöfe über die Satzung der geplanten "Synodalkonferenz" abstimmen, eines dauerhaften Beratungs- und Leitungsgremiums der katholischen Kirche in Deutschland. Anschließend soll die Satzung in Rom zur Approbation vorgelegt werden.

Der Autor des Artikels, Nico Spuntoni, beschwört, wie viele Kritiker des deutschen Reformprojekts, die Gefahr eines Schismas – etwas, das die deutschen Wortführer stets zurückgewiesen haben.

Er zitiert den Bericht von Kardinal Mario Grech an das Konsistorium, in dem es geheißen habe: "Es obliegt stets dem Bischof von Rom, den synodalen Prozess gegebenenfalls auszusetzen." Ob diese Äußerung auf Deutschland gemünzt war, bleibt dabei offen.

Kommt die Synodalkonferenz?

Spuntoni meint: "Prevost teilt die Bedenken Benedikts XVI., aber wenn er nicht die Kraft hat, Nein zur vorgeschlagenen Synodalkonferenz zu sagen, besteht die Gefahr, dass die deutsche Lawine zu einer Lawine namens Schisma für die gesamte Kirche werden könnte."

Zuletzt war von verschiedenen Seiten zu hören, es sei mit einer römischen Zustimmung zu der Satzung zu rechnen – man habe ja die römischen Einwände bei der Formulierung des Regelwerks bereits berücksichtigt.

Nun wird offenbar auf weltkirchlicher Ebene versucht, in der Angelegenheit durch gezielte Platzierung von Informationen Druck aufzubauen.

Am 7. Januar 2026 hatte der Papst Vertreter der Initiative "Neuer Anfang" empfangen, einer Gruppe von ausgesprochenen Kritikern des Synodalen Wegs. Im November 2025 war die Moraltheologin Katharina Westerhorstmann beim Papst, die den Synodalen Weg 2023 unter Protest verlassen hatte. Das Präsidium des Synodalen Wegs hingegen bekam bislang weder bei Franziskus noch bei Leo XIV. einen Termin.

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