Er muss Italienisch sprechenAcht Qualitäten, die Bätzings Nachfolger haben sollte

Die Deutsche Bischofskonferenz wählt einen neuen Vorsitzenden. Welche Fähigkeiten jetzt entscheidend sind.

Die Deutsche Bischofskonferenz mit Generalsekretärin Beate Gilles im Herbst 2025 in Fulda
Gruppenbild mit Dame: Die Deutsche Bischofskonferenz mit Generalsekretärin Beate Gilles im Herbst 2025 in Fulda© Deutsche Bischofskonferenz/Ralph Sondermann

Ab heute treffen sich die deutschen Bischöfe zu ihrer Frühjahrsvollversammlung in Würzburg. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Wahl eines neuen Vorsitzenden. Der jetzige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Limburger Bischof Georg Bätzing, hatte im Januar überraschend mitgeteilt, nicht für eine weitere sechsjährige Amtszeit kandidieren zu wollen.

Welche Qualitäten müsste ein Nachfolger für Bätzing haben, welche Erfahrungen und Qualifikationen müsste er mitbringen, um das Amt in der aktuellen Situation gut ausüben zu können?

1. Italienischkenntnisse

Das Wichtigste zuerst: Der neue Konferenzvorsitzende sollte Italienisch sprechen. Bätzings Amtszeit war vom Dauerkonflikt mit dem Papst und seiner Kurie in Rom belastet. Anlass des Streits: der Synodale Weg, das Reformprojekt von Deutscher Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Kritiker beklagten: Bätzing hat Warnungen, Ermahnungen und Aufforderungen aus Rom ignoriert oder im eigenen Sinne uminterpretiert. Bätzing und die Protagonisten des Synodalen Wegs meinten: In Rom wurden die Reformanliegen des Synodalen Weges nicht richtig verstanden; dass dort teilweise von der Gefahr eines deutschen "Schismas" die Rede war, beruhte auf einer völlig falschen Wahrnehmung. Ein Vorsitzender, der Italienisch spricht, verfügt über eine wesentliche Kompetenz, um den Verständigungsschwierigkeiten mit der Zentrale entgegenzuwirken: Er spricht die Sprache der Kurie.

2. Romerfahrung

Damit hängt eine zweite Kompetenz zusammen, die helfen würde, den Konflikt mit dem Vatikan zu entschärfen. Seit Juli 2023 laufen Gespräche zwischen deutschen Bischöfen und Vertretern der Kurie. Da wäre es gut, wenn sich der zukünftige DBK-Vorsitzende in Rom auskennen würde und mit Strukturen, Abläufen und Mentalitäten in der Kurie vertraut wäre. Die katholische Kirche ist eine Weltkirche, keine lockere Föderation von Nationalkirchen. Das ist ihr Markenzeichen. Der Zusammenhalt dieser Weltkirche besteht wesentlich in der Verbindung der Teilkirchen mit Rom.

3. Geistige Unabhängigkeit

Ohne ein bestimmtes Maß an Opportunismus kann man in der katholischen Kirche nicht Bischof werden. Katholische Kleriker sind in eine hierarchische Struktur mit dem Papst an der Spitze eingebunden. In Deutschland mit seiner engen Verflechtung von Kirche und Staat verspüren die Bischöfe aber wahrscheinlich stärker als anderswo auch einen gesellschaftlichen Anpassungsdruck. Durch den Aufwuchs synodaler Strukturen wird diese zweite, informelle Loyalitätspflicht derzeit formalisiert. Daraus entsteht für die Bischöfe eine schwierige Double-Bind-Situation. Sie müssen konstant abwägen, ob sie sich eher der kirchlichen Hierarchie und ihrer Binnenlogik oder dem hiesigen gesellschaftlich-politischen Umfeld und den kirchlichen Laienpartizipationsstrukturen verpflichtet wissen. Um in diesem Spannungsfeld zu navigieren, braucht es intellektuelle Eigenständigkeit und Selbstsicherheit.

4. Theologische Bildung

Und damit wären wir beim nächsten Punkt: Um souveräner mit gegenwärtigen Plausibilitäten und vermeintlichen Zwängen umgehen zu können, hilft es, die Dinge in einer weiteren Perspektive zu sehen. Dafür ist theologische Bildung erforderlich, ja, am besten ein eigenständiges theologisches Profil. Manche Konflikte würden dann in einem anderen Licht erscheinen und die Debatten auf ein anderes Niveau gehoben.

5. Moderationsfähigkeit

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist nicht das Oberhaupt der katholischen Kirche in Deutschland. Er ist nicht der Chef der Bischöfe, sondern so etwas wie ihr Klassensprecher. Der Streit um den Synodalen Weg hat auch die Bischöfe gespalten. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sagte Ende Januar: "Die Einheit der Bischöfe ist nicht gestärkt worden, wenn ich es freundlich sagen soll". Bätzing sah es jedoch in Bezug auf den Synodalen Weg als seine Aufgabe, "nicht nur zu moderieren", wie im Dezember in einem Interview sagte: "Da muss ich als Vorsitzender auch vorangehen und deutlich machen, was mir wichtig ist". Dieses Verständnis seiner Rolle hat dem scheidenden Vorsitzenden auch Kritik eingebracht. Nun sei ein "Moderator" gefordert, um die Bischöfe wieder zu mehr Einigkeit zu führen, ist vielfach zu hören.

6. Durchsetzungsfähigkeit

Doch Moderation allein reicht nicht, es braucht auch Machtbewusstsein. Denn der Vorsitzende muss mit einem Machtfaktor umgehen, der oft übersehen wird: dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz mit seinen rund 150 Mitarbeitern. Die Behörde soll die gemeinsame Arbeit der Bischöfe unterstützen. Faktisch haben die mächtigen Bereichsleiter und ihre Referenten im Sekretariat in der Bonner Kaiserstraße großen Einfluss auf die Themensetzung und die Entscheidungen der Bischofskonferenz und ihrer Fachkommissionen. Auch die Gestaltung und der Verlauf des Synodalen Weges gehen bis in viele Einzelheiten auf Akteure der "Kaiserstaße" zurück. Ein Konferenzvorsitzender sollte willens und in der Lage sein, dem institutionellen Eigengewicht der Verwaltung klare Grenzen zu setzen, damit sie das wird, was sie sein soll: ein Hilfsorgan.

7. Medienkompetenz

Die Zeit, in der Bischöfe in Talkshows saßen, scheint vorbei zu sein. Muss das so sein? Auch wenn der Vorsitzende kein deutsches Kirchenoberhaupt ist, kann er durchaus das Gesicht der katholischen Kirche nach außen sein. Ein kommunikativ souverän agierender Vorsitzender hätte die Chance, christlichen Positionen in der Öffentlichkeit wieder mehr Gewicht zu verleihen.

8. Gespür für Zukunftsthemen

Viele der Themen, die beim Synodalen Weg diskutiert werden, standen auch schon bei der "Würzburger Synode" in den Siebzigerjahren auf der Tagesordnung. Man kann darauf beharren, dass sie eben "unerledigt" sind. Man kann aber auch wahrnehmen, dass sich Werte, Mentalitäten, Stile, Stimmungen – Kultur im weitesten Sinne – derzeit in einem Umbruch befinden. Die Überzeugungen der Babyboomer sind in nachfolgenden Generationen nicht mehr selbstverständlich. In zahlreichen europäischen Ländern zeichnet sich in der jüngsten Alterskohorte eine neue Offenheit für Religion und Kirche ab. Säkularisierung ist vielleicht doch kein Schicksal. Welche Dynamik sich daraus ergibt, kann derzeit niemand sagen. Gut möglich, dass Konvertiten und Hochreligiöse in der Kirche zukünftig eine größere Rolle spielen werden. Um sich darauf einzustellen, braucht es die Fähigkeit, über den Horizont der eigenen Generation hinauszudenken.

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