Äpfel, Birnen und der RamadanZDF-Kindernachrichten über Christentum und Islam

Lebensnahe Darstellung des Ramadan, einseitig kritische Darstellung der Kirchen mit fragwürdigen Suggestivmitteln: Eine Ausgabe der ZDF-Sendung "logo!" verfehlte journalistische und medienethische Standards.

ZDF-Hochhaus in Mainz
© PantheraLeo1359531, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

In der Ausgabe der Kindernachrichtensendung "logo!" vom 19. März 2026 im ZDF wurden zwei Beiträge unmittelbar hintereinander ausgestrahlt: Zunächst ein Bericht über das Ende des Fastenmonats Ramadan und das Fest des Fastenbrechens, anschließend ein Beitrag zu den christlichen Kirchen. Letzterer behandelte Macht und Einfluss der Kirche im Mittelalter, den Ablasshandel sowie Missbrauchsskandale und deren Rolle für heutige Kirchenaustritte. Die Ausgabe hat für öffentliche Kritik und Beschwerden gesorgt.

Der Bericht über das Ende des Fastenmonats Ramadan war für sich genommen lebensnah, anschaulich und kindgerecht. Gerade im Gesamtfeld der Islamberichterstattung ist eine solche Form der Darstellung religiöser Festpraxis ausdrücklich zu begrüßen. Problematisch war jedoch die redaktionelle Montage mit dem darauffolgenden Kirchenbeitrag, zusammen mit dessen inhaltlicher und audiovisueller Ausgestaltung.

Der Kirchenbeitrag wollte erklären, "was sich verändert hat" seit einer Zeit, in der "fast alle Menschen in Deutschland Christen" waren. Dazu setzt er ein mit "Ab ins Mittelalter!": Damals sei die Kirche "sehr, sehr mächtig" gewesen, die Menschen hätten große Angst gehabt, "in die Hölle" zu kommen. Um dem zu entgehen, hätten sie Ablassbriefe gekauft, wodurch die Kirche "super viel Geld" eingenommen habe. Mit dem Anbruch der Neuzeit hätten sich dann Gelehrte gefragt, ob wirklich alles stimme, was die Kirche sagt, und begonnen, Ereignisse wie Unwetter oder Krankheiten wissenschaftlich zu erklären, statt sie als "Gottes Willen" zu sehen. Heute habe die Kirche weniger Einfluss und viele Menschen hätten das Gefühl, sie "brauchen Kirche nicht", fänden sie "nicht modern genug" oder seien wegen "schrecklicher Verbrechen" ausgetreten.

Äpfel und Birnen

Eine Darstellung von Kritik an Fehlentwicklungen innerhalb einer Religion wäre an sich wohlgemerkt nicht problematisch. Hier aber liegen gleich mehrere Probleme vor:

Durch die strukturelle Kopplung der beiden Beiträge werden zwei kategorial völlig unterschiedliche Phänomene miteinander in Verbindung gebracht: Auf die phänomenologische Betrachtung einer gelebten, gegenwärtigen Festtagspraxis im Islam folgt eine harte institutionenkritische historische Makro-Analyse des Christentums.

Es entsteht eine Gut-Böse-Dichotomie, die dem publizistischen Gebot der Sachgerechtigkeit widerspricht.

Diese asymmetrische Montage – Lebenswelt hier, Institutionengeschichte dort – erzeugt einen komparativen Framing-Effekt. Es entsteht eine Gut-Böse-Dichotomie, die dem publizistischen Gebot der Sachgerechtigkeit widerspricht. Das ZDF selbst hat die Kombination der beiden Beiträge inzwischen als "unglücklich" bezeichnet.

Der einfache Grundsatz, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen sollte, wäre auch hier sehr einfach redaktionell erfüllbar gewesen: Zahllose Iftar-Ansprachen, Freitags- und Sonntagspredigten haben das diesjährige Zusammenfallen von Ramadan und vorösterlicher Fastenzeit aufgegriffen, um naheliegende Bezüge anzusprechen.

Einseitig selektiv

Hier hat sich offenbar der Nachrichtenwert der kurz zuvor veröffentlichten Kirchenmitgliedschaftszahlen nach vorn gedrängt. Das ist verständlich, aber erklärt noch nicht die Probleme innerhalb des Kirchenbeitrags.

Diesen kennzeichnet, im Kontrast zum Ramadanbeitrag umso auffallender, ein medienpädagogisch fragwürdiger Einsatz audiovisueller Suggestivmittel – diabolisches Lachen, verängstigte Mimik und Höllenbilder. Eine kognitive oder emotionale Entlastung wird nicht angeboten. Affektive Manipulation verdrängt kognitive Erklärung.

Hier werden historische Zusammenhänge nicht erklärt, sondern entstellt.

Journalismus muss zweifellos selektieren. Das ist keine leichte Aufgabe angesichts der Komplexität der Christentumsgeschichte. Zum Gesamtbild zählen Aberglaube und Ablasshandel auf der einen Seite, aber auch Fortschritte der Wissenschaftsgeschichte (gerade im Mittelalter!), theologische Vernunftanstrengungen und reformatorische Impulse auf der anderen Seite. Ein solches Gesamtbild kann man in einer Minute Sendezeit vielleicht gar nicht abbilden. Aber wie sachgemäß ist es, diese Komplexität vollkommen einseitig zu reduzieren? Wie angemessen ist eine Schwerpunktsetzung, die die Geschichte einer 2000 Jahre alten Weltreligion auf Repression, Seelenangst, finanzielle Ausbeutung und Missbrauch reduziert? Hier werden historische Zusammenhänge nicht erklärt, sondern entstellt.

Dass es Deutungsmuster gab und zum Teil noch gibt, die einen Widerspruch zwischen dem Glauben an den Willen Gottes und naturwissenschaftlichen Erklärungen sehen, ist nicht falsch. Auch die Annahme, es gebe einen Zusammenhang zwischen Fehlentwicklungen in der Vergangenheit und dem Rückgang von Kirchenmitgliedschaftszahlen im Heute, mag nicht vollkommen absurd sein. Und doch stellt sich die Frage, welchen sinnvollen Reim sich ein Kind auf derartige Deutungs- und Erklärungsangebote wird machen können.

Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, an die sich die Sendung richtet, verfügen noch nicht über die historischen oder gesellschaftspolitischen Schemata, um abstrakte institutionelle Kritik (Ablasshandel, Missbrauch) selbstständig einordnen und diese vom Gesamtbild einer Religion unterscheiden zu können.

Ausgewogenheit?

Wie passt eine solche Darstellung zum Gebot der Ausgewogenheit eines Senders, wie es auch die Programmrichtlinien des ZDF vorsehen?

Üblicherweise geht man davon aus, dass Schieflagen in einem Einzelbeitrag an anderer Stelle des Gesamtprogramms ergänzt werden. Die Angebote müssen also (nur) eine "Außenpluralität" wahren, also eine Makro-Ausgewogenheit des Gesamtprogramms.

Die dahinterstehende Vorstellung eines fiktiven Idealrezipienten hat aber nichts mit dem Rezeptionsverhalten eines acht- oder neunjährigen Kindes zu tun. Welches Kind schaut neben den Kindernachrichten auch noch einen Fernsehgottesdienst und eine Terra-X-History-Dokumentation, um sich dann ein Bild vom Gesamtprogramm des Senders zu machen? Die Zielgruppe von "logo!" – einem für die mediale Sozialisation besonders wichtigen Format – ist stärker auf die Binnenpluralität, die Ausgewogenheit innerhalb der jeweiligen Sendung, angewiesen.

Dieser Kirchenbeitrag ist exemplarisch, insofern nämlich, als er genau die typischen Merkmale aufweist, die wir ansonsten vielfach vor allem in der Islamberichterstattung sehen.

Das ZDF hat angekündigt, den Betrag intern zu prüfen. Sehr gut – und zwar aus dem bemerkenswerten Umstand, dass dieser Kirchenbeitrag exemplarisch ist, insofern nämlich, als er genau die typischen Merkmale aufweist, die wir ansonsten vielfach vor allem in der Islamberichterstattung sehen: eine Selektionsverzerrung etwa, eine ständige Kopplung mit Negativbildern, die positiv konnotierte Realitäten gar nicht erst sichtbar werden lässt, vereinfachende Deutungsmuster, ausbleibende Differenzierung oder eine Darstellung religiöser Individuen, die sie zu abstrakten Schemata macht.

Medienethisch aber ist es einerlei, welche Religion es trifft. Insofern bietet sich hier ein Anlass, die Muster einer Berichterstattung über Religion einmal grundsätzlicher zu bedenken.

Das gilt wohlgemerkt auch für eine Kritik an Fehlentwicklungen in Geschichte und Gegenwart der Religionen, die – wie vonseiten christlicher wie islamischer Theologie argumentiert werden kann – durchaus wichtig, ja unverzichtbar sein kann, um theologische und institutionelle Selbstkorrekturen anzustoßen. Aber dafür ist ein Kinderformat nicht der allererste Ort.

Kinder haben ein Recht auf eine sachgemäße Darstellung, die nicht verzerrt und die sie nicht überfordert oder in implizite Wertungen lenkt.

Kinder haben ein Recht auf Information und Erklärung. Sie haben aber auch ein Recht auf eine sachgemäße Darstellung, die nicht verzerrt und die sie nicht überfordert oder in implizite Wertungen lenkt. Dafür ist auch das Format "logo!" an anderen Stellen ein Musterbeispiel. Gerade von dieser Redaktion darf man eine angemessenere Einordnung auch von kritikwürdigen Fehlentwicklungen erwarten, eine ausgewogenere Sendungskonzeption, und eine Berichterstattung über Religion, die sachgemäß ist und den vielfältigen Wirklichkeiten religiöser Lebenswelten Raum gibt.

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