Der Schuss geht nach hinten losTrump gegen Leo XIV.

Die Macht des Papsttums haben schon viele Politiker unterschätzt.

Papst Leo XIV. am 13. April 2026 auf dem Flug nach Algier
Papst Leo XIV. am 13. April 2026 auf dem Flug nach Algier© Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Donald Trump greift Papst Leo XIV. an. Dieser solle "aufhören, dem radikalen linken Lager nach dem Mund zu reden, und sich darauf konzentrieren, ein großer Papst zu sein, nicht ein Politiker", schrieb er in den sozialen Medien. Der Anlass: Der Papst hatte mehrfach in deutlichen Worten das Vorgehen der USA gegen den Iran kritisiert. Am Montag sagte der Papst auf dem Flug Richtung Algerien: "Ich habe keine Angst vor der Regierung Trump oder davor, laut die Botschaft des Evangeliums zu verkünden."

"Wie viele Divisionen hat der Papst?" Mit diesen Worten soll Josef Stalin einst das Oberhaupt der katholischen Kirche verspottet haben. Er war nicht der erste Politiker, der die Macht des Papsttums unterschätzt hat. Und er war auch nicht der letzte.

Der Papst hat keine Panzer und Raketen und auch keine wirtschaftliche Macht, aber er verfügt über hohes symbolisches und kulturelles Kapital. Diesbezüglich war sein Einfluss vielleicht nie größer als in der globalen Mediengesellschaft. Dass Päpste sich gegen kriegerische Gewalt aussprechen, ist auch nichts Neues. Der jetzige Papst steht hier in völliger Kontinuität zu seinen Vorgängern.

Trumps Glaubwürdigkeit ist angeschlagen, zumal viele seiner Anhänger ihn gewählt haben, weil sie dachten, er werde die USA stärker aus globalen Konflikten heraushalten. Derweil sagt der Papst das, was er sagen muss – und Trump kann diese Stimme nicht kontrollieren.

Kriegsparteien aller Jahrhunderte haben den Willen Gottes für sich in Anspruch genommen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte kürzlich, der US-Einsatz gegen den Iran stehe "unter dem Schutz der göttlichen Vorsehung". Doch die katholische Lehre kennt sehr strenge Maßstäbe für die moralische Zulässigkeit von kriegerischen Handlungen. Und es ist ziemlich klar, dass der Iran-Krieg diesen Kriterien nicht genügt.

Donald Trump hat immer wieder die Nähe zu den Katholiken gesucht, sein Vizepräsident ist Katholik, auch mehrere seiner Minister. Dass er nun den Papst direkt angreift, könnte sich als schwerwiegender Fehler erweisen. Trumps Glaubwürdigkeit ist angeschlagen, zumal viele seiner Anhänger ihn gewählt haben, weil sie dachten, er werde die USA stärker aus globalen Konflikten heraushalten. Derweil sagt der Papst das, was er sagen muss – und Trump kann diese Stimme nicht kontrollieren.

Dass Trump dann auch noch ein KI-generiertes Bild von sich selbst in Jesus-Pose postete und später wieder löschte, war dann eigentlich nur noch komisch. Trump ist nicht der Antichrist. Er macht sich selbst zur Witzfigur.

Wenn manche Strategen in Washington vor einer "rechten Internationale" unter amerikanischer Führung und mit dem Segen der katholischen Kirche geträumt hatten, dann ist dieser Traum nun zu Ende geträumt.

Herrscher kommen und gehen. Allianzen werden geschmiedet und zerbrechen. Reiche entstehen und verschwinden. Das Papsttum hat sie bisher noch alle überlebt.

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