25Dies habe ich in Bildern zu euch gesagt. Es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in Bildern zu euch spreche, sondern euch unverhüllt vom Vater künden werde.
26An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten, und ich sage nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde.
27Denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin.
28Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen. Nun verlasse ich die Welt wieder und gehe zum Vater.
29Da sagten seine Jünger: Jetzt redest du unverhüllt und ohne Bilder.
30Jetzt wissen wir, dass du alles weißt und nicht nötig hast, dass dich jemand fragt. Deshalb glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist.
31Jesus antwortete ihnen: Glaubt ihr jetzt?
32Es kommt die Stunde und sie ist schon da, in der ihr zerstreut werdet, ein jeder in sein Haus, und mich alleinlasst. Doch bin ich nicht allein, weil der Vater bei mir ist.
33Das habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis. Aber habt Mut! Ich habe die Welt besiegt.
Quelle: Die Bibel in der Herder-Übersetzung
»Trauer und Hoffnung bei Jesu Abschied« – diese Überschrift steht in der Lutherbibel über dem heutigen Abschnitt der Bibellese. Es geht um Jesu Abschied von dieser Welt. Um Jesu Zugehen auf sein Leiden und Sterben. Das Johannesevangelium setzt dabei eine grundsätzliche Gottlosigkeit und Finsternis der Welt voraus. Der Gottessohn Jesus Christus gehörte schon vor seiner irdischen Geburt zu Gott, dem Licht. Gott hatte ihm für eine begrenzte Zeit den Auftrag gegeben, als »Licht« in der Finsternis der Welt zu leben. Damit im Glauben an ihn für uns Menschen der Weg eröffnet wird, aus der Finsternis ins Licht zu wechseln. Diese begrenzte Zeit geht jetzt zu Ende: »Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.« Mit seinen Abschiedsworten mutet Jesus seinen Jüngern – und allen seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern – zu, dass sie ohne seine leibliche Anwesenheit in einer gottlosen Welt leben und glauben müssen. Jesu Hoffnung bei seinem Abschied aus der Welt ist, dass die gemeinsame Zeit mit ihm in seinen Jüngern einen widerständigen Glauben verankert hat. Einen Glauben, der Frieden schenkt in allen Ängsten inmitten der gottlosen Welt: »Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.« Ist uns Christinnen und Christen also zugemutet, in reiner Finsternis, in einer Welt ohne Gott zu leben? Haben unser Leben und Glauben das Ziel und die Hoffnung, die Welt zu überwinden? Ich tue mich schwer mit dem festgeschriebenen Gegensatz von Gott und Welt des Johannesevangeliums. Für mich gehört die Welt zu Gott und Gott in die Welt, auch nach Jesu Abschied aus seinem irdischen Leben. Mich trägt ein von Gerhard Bauer formuliertes Bekenntnis: »Wir glauben: Gott ist in der Welt, der Leben gibt und Treue hält.«
Gott, auch wenn Verhältnisse und Erfahrungen uns in dieser Welt an deiner Gegenwart zweifeln lassen: Stärke du unsere Hoffnung, dass dein Reich mitten unter uns ist.
Anne Schneider