Eigentlich war es ein ganz normaler Kita-Tag mit den üblichen Vorkommnissen: das eine oder andere Chaos, zwei ausgefallene Fachkräfte, aber auch jede Menge Spaß. Nach dem Mittagessen wollten die Kinder gerne noch einmal nach draußen. Also galt es, sich schnell anzuziehen und an der Tür aufzustellen. Doch da fiel es uns auf: Ein Kind fehlte – Max! Wo war Max? Sofort wurde im Gruppenraum, auf der Toilette und im Turnraum nach ihm „gefahndet“ – sicherheitshalber auch im Materiallager. Fehlanzeige: Nirgends war er zu finden – wie vom Erdboden verschluckt. So langsam stieg leichte Panik in uns auf. Wo konnte er bloß sein? War er womöglich unbemerkt durch die Eingangstür gehuscht? Aber hatten wir wirklich überall gründlich nachgeschaut?
Schon waren wir kurz davor, die Eltern anzurufen und ernsthafte Schritte einzuleiten. Da kam einer Kollegin eine letzte Idee: die Küche. Dahin „verirren“ sich die Kinder normalerweise eher selten, höchstens mal zum gemeinsamen Backen in der Vorweihnachtszeit oder zum Obstschneiden für die Nachmittagsrunde. Ansonsten hält dort immer unser großartiges Küchenteam die Stellung – jedenfalls solange, bis sie gegen Nachmittag Feierabend haben. Und was beherbergt unsere Küche außerdem – nur gut versteckt? Richtig, unsere berühmte Süßigkeiten- und Snackschublade. Jede Kita kennt sie und jede Kita hat sie für Feste und Veranstaltungen, für Geburtstage und feierliche Anlässe, für nervenaufreibende Teamsitzungen und Notfälle aller Art.
Selig lächelnd saß Max auf dem Küchenboden zwischen sämtlichen Süßigkeiten und Snacks, die um ihn herum auf dem Boden verteilt lagen. Irgendwie musste er das mit der Schublade rausbekommen haben. Und jetzt gerade konnte er sich anscheinend nicht so recht entscheiden, was er zuerst verputzen wollte. Fragend schaute er uns an – nach dem Motto: „Wollt ihr auch was davon?“ Wir waren einfach nur erleichtert, ihn wiedergefunden zu haben. Deshalb durfte er sich eine Tüte Süßigkeiten zusammenstellen, um sie mit den anderen Kinder zu teilen und auf dem Außengelände genüsslich zu vertilgen.
Beim Abholen schilderten wir seiner Mutter die kleine Exkursion. Max kommentierte nur ganz trocken: „Die Erzieherinnen haben halt nicht genug aufgepasst.“ Zum Glück nahm es die Mutter gelassen und musste sogar selbst schmunzeln. Aber wo er Recht hat, hat er Recht. Danke, Max für diesen kleinen Schrecken! Er hat uns nicht nur über eine Kindersicherung an der Küchentür nachdenken lassen, sondern auch gezeigt, dass wir uns bei Personalausfall besser absprechen müssen, um alle(s) im Blick zu behalten.