Räume und Material senden eine BotschaftErlebnisse einer Kita-Fortbildnerin

Was sagen die Räume einer Kita über die Qualität ihrer pädagogischen Arbeit aus? Bevor sie mit ihren Fortbildungen startet, geht unsere Autorin jedes Mal auf Erkundungstour durch die Einrichtung.

Wenn ich in einer Kita eine Inhouse-Fortbildung mit dem Team durchführe, hole ich mir vorab immer das Einverständnis, an dem betreffenden Tag schon früher zu kommen. Denn ich möchte vorher noch mit der Leitung durch die Räume gehen, um mir einen Eindruck zu verschaffen. Der Grund dafür ist ganz einfach: Bei diesem „Raumspaziergang“ eruiere ich mögliche weitere Inhalte meiner Fortbildung. Aber keine Sorge: Ich schaue nicht mit der Lupe, ob alles aufgeräumt und blitzblank geputzt ist. Tatsächlich frage ich mich: Woher kommt die Befürchtung vieler Leitungen, ich könnte schlecht über das Team denken, wenn noch Material herumliegt? Ich höre nämlich immer wieder Entschuldigungen, wenn irgendwo nicht „aufgeräumt“ ist. Aber meine Reaktion überrascht sie dann doch: Ich feiere es, wenn Dinge stehen- und liegengelassen werden dürfen. Denn genau daran ist zu erkennen: Hier wird gearbeitet! Kinder haben schließlich ein Recht auf ihre eigene Vorstellung von Ordnung. Wenn das Team es wünscht, gebe ich ihm später Rückmeldung zu meinen Beobachtungen. Dabei benenne ich natürlich zuerst die positiven Dinge und dann konstruktiv die fachlichen, auf die noch einmal geschaut werden könnte. Wie die Räume und Orte für und mit Kindern gestaltet sind, sagt viel über das pädagogische Konzept aus und darüber, wie es in dieser Kita gelebt wird. Ausstattung, Materialangebot, Aufteilung (Lernwerkstätten und Bildungsräume oder gruppenbezogene Arbeit?), Deko, Zugriff auf alles und Atmosphäre allgemein haben eine hohe Aussagekraft. So freue ich mich jedes Mal, wenn ich bei meinem Rundgang beispielsweise Folgendes sehe:

  • Alles, womit sich die Kinder auseinandersetzen möchten und was sie tun wollen, ist gut erreichbar.
  • Informationen sind auf Augenhöhe der Kinder ausgehängt.
  • Es gibt sprechende Wände und Beschwerdemöglichkeiten.
  • Diversität und Vielfalt werden durch unterschiedlichstes Verkleidungs- und Rollenspielmaterial, Spielmaterialien und Bücher sichtbar.
  • Eine Vielfalt an „Echtzeug“, also Material, das verschwendet und zweckentfremdet werden kann.
  • Alle Räume bieten den Kindern auch Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten.
  • Oder es gibt dafür einen eigenen, gut erreichbaren Raum.
  • Die Portfolio-Ordner sind persönlich, individuell und gut erreichbar
  • Es gibt Visualisierungen, z.B. durch Bildkarten oder Plakate.
  • Es gibt Aufbewahrungsmöglichkeiten für persönliche Dinge, für schon Fertiges und noch Unfertiges.
  • Der Speiseplan ist visualisiert und hängt auf Augenhöhe der Kinder aus.
  • Garderobenplatzfotos der Kinder sind groß, aktuell und auf Augenhöhe der Kinder.

Diese Liste könnte ich noch endlos verlängern, doch schon diese wenigen Aspekte machen deutlich: Räume und Material sagen jede Menge darüber aus, mit welcher pädagogischen Haltung die Fachkräfte einer Kita mit den Kindern arbeiten.

kindergarten heute - Das Leitungsheft für die Kita-Leitung: Für die Organisation und Steuerung von Prozessen in der Kita

Das Leitungsheft im Abo

  • 4 Ausgaben pro Jahr
  • Fundiertes Wissen und Arbeitsmethoden in allen Leitungsaufgaben
  • Unterstützung für die Zusammenarbeit mit Eltern, Team und Träger
  • Themen für die Leitungspraxis
1 Ausgabe gratis