Wort-Gottes-Feier am 3. Sonntag im Jahreskreis

1 Alle Eingangslied: 142 »Zu dir, o Gott, erheben wir«

2 Gl Liturgischer Gruß

Wir sind zusammengekommen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. – Alle: Amen.

Der Herr ist in unserer Mitte. – Alle: Er ist wirklich unter uns.

3 Gl Einführung

Am heutigen Sonntag endet die Weltgebetswoche um die Einheit der Christen. Einmal im Jahr erinnern wir uns ganz bewusst daran, wie sehr wir, die wir doch den gleichen Glauben haben, wie sehr wir untereinander fremdeln. Wir nehmen die Gräben wahr, die uns trennen. Und schauen am heutigen Sonntag über all diese Gräben hinweg auf das, was uns im Innersten verbindet. Unser Herr Jesus Christus hat uns alle zu seiner Nachfolge gerufen. Ihn grüßen wir in unserer Mitte.

4 Gl Kyrie

Herr Jesus Christus, du hast immer wieder die Gräben der Gläubigkeit überwunden und allen Menschen dein Heil zugesagt. – Herr, erbarme dich.

Du hast deine Jünger in alle Himmelsrichtungen ausgesandt. – Christus, erbarme dich.

Du hast deinen Jüngern und uns allen mit dem Geist von Pfingsten die Gabe geschenkt, dass wir einander im Glauben verstehen. – Herr, erbarme dich.

5 Gl Eröffnungsgebet

Allmächtiger, ewiger Gott, lenke unser Tun nach deinem Willen und gib, dass wir im Namen deines geliebten Sohnes reich werden an guten Werken. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

6 Lek Erste Lesung: Jes 8,23b – 9,3

7 Kan Psalm: Ps 27 (26),1.4.13–14 (KV: GL 38,1)

8 Lek Zweite Lesung: 1Kor 1,10–13.17

9 Kan Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Jesus verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.

Halleluja.

10 Gl Evangelium: Mt 4,12–23

11 Gl Auslegung

Im 14.Jahrhundert vor Christus lebt ein Mann namens Jakob; später erhält er den Beinamen Israel. Mit seinen Frauen Lea und Rahel hat er zwölf Söhne. Diese Söhne begründen jeweils ein Stammesgebiet in dem Land, das nach ihrem Vater benannt wird, Israel. Die beiden Namen, die uns in Lesung und Evangelium begegnet sind, bezeichnen zwei der zwölf Söhne Jakobs und damit zwei Stammesgebiete der Israeliten: Sebulon und Naftali. Sebulon und Naftali liegen ganz im Norden Israels, westlich von Jordan und See Gennesaret. Als der Nordteil Israels im 8.Jahrhundert vor Christus von Feinden erobert wird, vertreiben diese einen großen Teil der jüdisch-israelitischen Bevölkerung und siedeln dort Menschen aus unterschiedlichen Völkern und Kulturen an. Später kehren viele der Israeliten wieder zurück; ihren jüdischen Glauben leben sie mitten in einer kulturell und religiös bunten Umgebung, nicht selten von dieser benachteiligt. So mancher Jude im südlichen Teil Israels verachtete deswegen die Juden im Norden, man sprach ihnen den richtigen Glauben ab und nannte den Nordteil Israels ab jetzt Galiläa (galil ha goyim) – auf deutsch »Gebiet der Nationen« oder auch »Gebiet der Heiden«. Dennoch blieben die Namen der Stammesgebiete im Bewusstsein der Israeliten verankert – über die Jahrhunderte hinweg–, sodass auch zur Zeit Jesu jeder Jude etwas mit Sebulon und Naftali anfangen konnte. In Sebulon war der Ort Nazaret entstanden, und am See Genesaret im Gebiet von Naftali lag die Hafenstadt Kafarnaum.

Mit diesem Streifzug durch einen Ausschnitt der Geschichte Israels will ich Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, ein paar Hintergrundinformationen liefern, um die Lesung und das Evangelium möglichst klar verstehen zu können.

Sebulon und Naftali waren von Gott verachtet, erwähnt der Prophet Jesaja in der Lesung. Verachtet waren die Bewohner dieser Gebiete aber in Wirklichkeit nicht von Gott, sondern von den Juden des Südteils Israels, die sich für die »richtigen« Gläubigen hielten; über die Juden im Norden, die unter vielen anderen Religionen leben und manche Unterdrückung erleiden mussten, rümpften sie die Nase. Den Juden in Galiläa, im Norden, verspricht Jesaja: Eure Finsternis wird sich in Licht verwandeln, euer drückendes Joch in Freude. Das heißt: Eines Tages wird es euch wieder richtig gut ergehen!

Diese Prophezeiung wird mit Jesus Wirklichkeit. Jesus verbringt ja die längste Zeit seines Lebens in Galiläa: In Nazaret im Gebiet Sebulon wächst er auf; in Kafarnaum im Gebiet Naftali beginnt er sein öffentliches Wirken, die Verkündigung der Frohen Botschaft; in Kafarnaum beruft Jesus seine ersten Jünger, die dort in der Stadt wohnen. Offensichtlich spürt Jesus von Anfang an: Damit ich mit meiner Botschaft die Menschen möglichst gut erreiche, sollte ich nicht alleine unterwegs sein. Unterschiedliche Menschen sprechen wiederum verschiedene Zuhörer an, und außerdem macht der Glaube in Gemeinschaft mehr Freude. So holt sich Jesus Freundinnen und Freunde ins Boot, die mit ihm leben, seine Verkündigungstätigkeit zunächst unterstützen und später selbst übernehmen. Die ersten Freunde Jesu nennt das Evangelium namentlich: Petrus und sein Bruder Andreas, Jakobus und sein Bruder Johannes, alle vier von Beruf Fischer. Das ist bedeutsam, liebe Schwestern und Brüder: Jesus sucht sich seine Gefährten nicht bei der religiösen Elite in Jerusalem, im vermeintlich so rechtgläubigen Süden Israels zusammen, sondern eben im Gebiet der Nationen, im heidnischen Galiläa. Und er schart nicht die Einflussreichsten und Gescheitesten um sich, sondern einfache Fischer, die wohl weder lesen noch schreiben konnten – Juden, die ihren Glauben bodenständig und aufrichtig lebten inmitten einer multikulturellen Umgebung.

Mit diesen und anderen Freunden tritt Jesus in der Folgezeit auf, zunächst schwerpunktmäßig in Kafarnaum mit seiner bunten Bevölkerung. Jesus verkündet den Juden, die dort leben, und zugleich jedem anderen Menschen, der dies hören will: Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe! Was der Prophet Jesaja nur den Juden versprochen hat, weitet Jesus auf alle Menschen aus: Wendet euch Gott zu, lädt Jesus sie ein. Hört an, was ich euch über Gott zu sagen habe – und ihr werdet feststellen: Der Himmel ist uns nähergekommen! Denn die Frohe Botschaft Jesu lautet ja: Gott liebt jeden Menschen! Jeder Mensch kann Kontakt zu Gott aufnehmen, Gottes Liebe auf sich wirken lassen und diese göttliche Liebe dann seinen Mitmenschen weitergeben, indem er ihnen Gutes sagt und tut. Wie das geht, lebt Jesus vor, indem er ohne Berührungsängste allen Zeitgenossen freundlich und gütig begegnet. Und indem Jesus Kranke heilt, zeigt er: Gott will und tut euch nur Gutes! Er heilt euch von euren Ängsten, von Einsamkeit oder von dem Gefühl, unbedeutend zu sein. Denn sobald ihr in Verbindung zu Gott tretet, erfahrt ihr: Wir sind nicht allein! Gott ist auf unserer Seite, Gott denkt groß von uns, Gott liebt uns. Und noch mehr: Gott heilt uns von unserer Vergänglichkeit, denn wenn unser irdisches Leben zu Ende geht, schenkt er uns das ewige Leben – und dann wohnen wir im Himmelreich!

Manche Leute erreichen Jesus und seine Freunde in Kafarnaum mit dieser Frohen Botschaft, viele auch nicht. Doch diejenigen, die sich darauf einlassen, sehen wirklich das Licht und spüren die Freude, die Jesaja prophezeit: Das Licht des Glaubens an einen Gott, der sie liebt, egal wo sie herkommen, und die Freude darüber, dass Gott sie heilt von allem Bedrohlichen, sogar vom Tod.

Liebe Schwestern und Brüder, heute sind wir die Freundinnen und Freunde Jesu. Wie die Jünger damals brauchen auch wir zu keiner Elite zu gehören, wir müssen kein bestimmtes Wissen vorweisen, sondern wir sind von Jesus eingeladen, mit ihm unseren Glauben ganz bodenständig zu leben, aufrichtig und am besten in Gemeinschaft, zum Beispiel jetzt im Gottesdienst. Wie die Jünger damals leben wir heute sozusagen ebenfalls in Sebulon und Naftali, im Gebiet der Nationen, inmitten einer kulturell und religiös vielfältigen Gesellschaft. Und genau hier gibt Jesus uns den Auftrag, unseren Mitmenschen, auch denen, die Gott noch nicht oder nicht mehr kennen, unseren Glauben anzubieten. Dies kann uns gelingen durch unser freundschaftliches, friedliches Miteinander-Leben als Glaubensgemeinschaft, sowie durch unser heilsames Reden und Tun, das unseren Mitmenschen zeigt: Gott liebt auch dich. Gott heilt auch dich. Gott will auch dein Leben hell und froh machen. Wende dich Gott zu – und das Himmelreich ist dir nahegekommen!

12 Alle Predigtlied: 479 »Eine große Stadt ersteht«

13 Alle Glaubensbekenntnis: GL 3,4

Gl Wir sprechen gemeinsam das Apostolische Glaubensbekenntnis.

14 Gl Friedenszeichen

Jesus sagt: Meinen Frieden gebe ich euch. Diesen Frieden wollen wir als Christinnen und Christen in die Welt bringen. Geben wir einander ein Zeichen des Friedens.

15 Gl Kollekte

Frieden ermöglichen heißt auch: Miteinander teilen … (Ansage des Kollektenzwecks).

16 Alle Lobpreis: GL 670 H

17 Fürbitten

Gl Beten wir gemeinsam zu Gott, dem barmherzigen Vater:

Lek Für die Einheit der Christinnen und Christen.

Für alle, die sich zum Glauben an Jesus Christus bekennen.

Für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, in der sich fast alle Konfessionen in Deutschland zusammengeschlossen haben.

Für unsere Brüder und Schwestern der Evangelischen Gemeinde … [Hier alle im Ort, in der Stadt vertretenen christlichen Gemeinden nennen]

Für die Verstorbenen, die nun in der ewigen Gemeinschaft untereinander und mit Jesus Christus weiterleben.

18 Gl Vaterunser

Du bist unser Vater, der all unsere Bitten erhört. Wir beten zu dir, wie Jesus es uns gelehrt hat: Vater unser im Himmel …

19 Alle Danklied: GL 483 »Halleluja. Ihr seid das Volk«

21 Gl Segensbitte

So wollen wir den Herrn um seinen Segen bitten: Der Gott des Friedens heilige uns. Er bewahre unseren Geist, unsere Seele und unseren Leib unversehrt. Gott, der uns beruft, ist treu. – Alle: Amen.

Und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, komme auf uns herab und bleibe bei uns allezeit. – Alle: Amen.

22 Entlassung

Gl Singet Lob und Preis.

Alle Dank sei Gott, dem Herrn.

Martina Jung / Matthias Blaha (Predigt)

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