Manchmal feiern wir mitten am Tag … – Wort-Gottes-Feier

Eingangslied: GL 267: »O Mensch bewein dein Sünde groß«

Liturgischer Gruß

Wir beginnen unsere Feier im Namen des Vaters …

Einführung

Der heutige fünfte Fastensonntag steht schon ganz im Zeichen der Auferstehung. Natürlich, heute in einer Woche feiern wir den Palmsonntag und dann die Karwoche, in der das Leiden und Sterben Jesu das große Thema ist. Doch setzte Jesus selbst schon vor seinem Leiden ein Zeichen dafür, dass nicht Leiden, Sterben und Tod das letzte Wort über den Menschen sprechen, sondern Gott, der Schöpfer. Die beiden Lesungen betonen, dass Gott alles Leblose, alles, was die Gemeinschaft mit ihm verloren hat, zurückholt in seine Nähe, das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus, zeigt den Weg dazu: den Glauben an Jesus. Er ist jetzt unter uns. Wir wenden uns an ihn und rufen:

Kyrie: GL 160: »Gott des Vaters ewger Sohn«

Eröffnungsgebet

Gott, wir alle möchten leben und unser Leben im Griff haben. Doch immer wieder gibt es unerwartete Rückschläge, die daran hindern. Gib, dass wir uns davon nicht unterkriegen lassen, sondern daran festhalten und darauf bauen können, dass du der Gott des Lebens bist, der auch in diesen Situationen zu uns hält. Dir sei Dank und Ehre – heute und alle Tage…

Hinführung zur ersten Lesung

»Auferstehung« ist etwas anderes als Reanimation. Es geht um ein Hinter-sich- lassen von allem, was von Gott trennt, und um eine erneuerte Gemeinschaft mit ihm. Wer in seinem Geist ist, ist lebendig.

Erste Lesung: Ez 37, 12b-14

Antwortgesang

Psalm 130, Münchener Kantorale S.144

GL 283: »Aus der Tiefe rufe ich zu dir«

Hinführung zur zweiten Lesung

Paulus formuliert neu, was Ezechiel bereits gesagt hat, und verweist auf Jesus. Er ist das Urbild eines Menschen, in dem Gottes Geist lebt.

Zweite Lesung: Röm 8, 8–11

Ruf vor dem Evangelium: Münchener Kantorale S.144

Evangelium: Joh 11, 1–45

Auslegung

Zunächst ein Blick auf die erste Lesung. Das Volk Israel liegt – symbolisch gesprochen – im Grab. Zumindest seine Oberschicht und ein Teil der Bevölkerung sind ins Exil nach Babylon verschleppt worden. Dort muss es sich mit einigen massiven Problemen auseinandersetzen wie dem Verlust seiner Eigenstaatlichkeit, mit seiner verlorenen Größe, der Frage nach der Macht und Stärke seines Gottes, dem Profil seines Glaubens und der Frage, wie es denn mit ihm als Volk und als Glaubensgemeinschaft weitergehen könnte.

Ezechiel ist Priester und gehört zur Oberschicht, die von Jerusalem nach Babylon deportiert wurde. Dort ergeht an ihn der Ruf Gottes zum Propheten. Seine Botschaft ist zunächst eine unerbittliche Gerichtsbotschaft, die in der Ankündigung des Untergangs Jerusalems und der Zerstörung des Tempels gipfelt. Nachdem beides eingetreten ist, wird er mehr und mehr zum geistlichen Begleiter und Seelsorger für die Verbannten. Er ermutigt sie, Gott und seinen Wegen zu vertrauen. Diese Botschaft enthält ganz besonders das Kapitel 37 des Ezechiel-Buches, mit seiner Vision von der Neuwerdung Israels. Ihren Abschluss haben wir als Lesung gehört. In den Versen vorher schilderte Ezechiel eine beeindruckende Vision. Er sieht eine weite Ebene, die voll von Gebeinen liegt. Gott fragt ihn, ob wohl diese Gebeine wieder lebendig werden könnten. Ezechiel antwortet, wenn jemand diese zum Leben erwecken könnte, dann nur Gott. Dann wird er Zeuge, wie in diese Gebeine nach und nach wieder Leben zurückkehrt. Wie damals bei der Erschaffung des Menschen bläst ihnen Gott in einem erneuten Schöpfungsakt seinen Lebensatem ein und macht sie wieder lebendig und wie ein großes, gewaltiges Heer. Die Abschlussworte dieser Vision haben wir gehört und noch im Ohr: »Siehe, ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraus. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin … Ich gebe meinen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig … Ich habe es gesprochen und ich führe es aus.« Gott ist der Schöpfer, an ihm kann niemand vorbeigehen, er steht zu seiner Schöpfung und zu den Menschen, die er geschaffen hat. Ezechiel konnte mit dieser Botschaft dem Volk wieder Hoffnung und Mut zusprechen sowie eine Zukunftsperspektive vermitteln. Wenn es jemanden gibt, der schöpferisch ist, der Totgeglaubte(s) zu neues Leben aufrichtet, der auf krummen Linien gerade schreiben kann, dann ist es Gott. In diesem Sinne geht das Kapitel auch weiter. Der Vision folgen einige Symbolhandlungen, die nochmals bekräftigen, dass Gott derjenige ist, der für die Menschen da ist, der ihnen Leben gibt, sie von allem Tödlichen befreit »reinigt«. Der Heilsweg Gottes mit Israel geht trotz aller Katastrophen weiter, die Voraussetzung dazu sind Glaube, Vertrauen und Umkehr. Diese Vision hat in Israel auch wesentlich zum Glauben an ein Leben nach dem Tod beigetragen.

Dieser Lesung gegenüber steht das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. Auch hier geht es um Glauben, Vertrauen und Umkehr. Jesus lässt die Menschen, die ihm glauben und mit ihm gehen, in ihren Problemen nicht allein. Er kümmert sich um Maria und Marta, führt sie in einem ausführlichen Gespräch zu einem tieferen Glauben und gibt ihnen ihren Bruder wieder zurück. Er tut, was sein Name Jehoschua – Gott rettet – besagt –, zunächst auf einer ganz menschlichen Ebene: Zwei alleinstehende Frauen hätten in der damaligen Zeit und Gesellschaftsordnung nur wenig Chancen gehabt; ihr weiteres Leben wären wahrscheinlich wenig freudvoll verlaufen. So gesehen bewahrt Jesus Maria und Marta vor dem Grab einer mangelnden Lebensperspektive. Die Voraussetzung dazu ist – wie schon bei Ezechiel – Glaube und Vertrauen. Wer vertraut, an dem kann Gott handeln. Erst als Israel im Exil zu einem reflektierten Glauben gefunden hatte, konnte es in sein Land zurückkehren und Jerusalem und den Tempel wieder aufbauen. Marta hat ihren Glauben an Jesus bekannt. Auf ihr Bekenntnis hin konnte Jesus den Lazarus aus dem Grab holen und ihm, ihr und ihrer Schwester einen neuen Lebenshorizont vermitteln. Wenn wir die Geschichte um Lazarus genauer betrachten, spüren wir, dass sie uns in tiefere Dimensionen von Tod, Grab und Begraben-sein sowie von Auferstehen und Leben führt. Was hat wohl Lazarus ins Grab gebracht? An materiellem Wohlstand wird es ihm kaum gefehlt haben, denn sonst hätte er Jesus und seinen Jüngern keine großzügige Gastfreundschaft erweisen können. Es müssen andere Dinge gewesen sein, die ihn so belastet und ins Grab gebracht haben. Wir alle kennen es von uns selbst – Eigenschaften, Blockaden, Schicksalsschläge und Ähnliches werfen uns zu Boden. Es fehlt an Kraft oder Mut, an Energie oder Durchhaltvermögen, dem zu entkommen. Da ist es gut, wenn ein anderer Mut macht und sagt: Steh auf! Lass am Boden liegen, was dir die Kräfte raubt und das Leben erschwert. Gib mir die Hand, ich helfe dir auf, ich begleite dich. Ezechiel konnte Mut machen und hat bewirkt, dass das Gottvertrauen in Israel nicht unterging und Kräfte für den Wiederaufbau Jerusalems mobilisiert werden konnten. Jesus haben viele Menschen vertraut, daher konnte er ihnen helfen. Doch wollte er durch sein Beispiel dazu motivieren, einander in Krisensituationen nicht alleine zu lassen. Nachdem er Lazarus aus dem Grab geholt hat – das Problem grundsätzlich gelöst hat – übergibt er das Weitere an die Umstehenden und macht sie dadurch zu seinen Mitarbeitern. »Löst ihm die Binden«, fordert er sie auf, als sie Lazarus aus dem Grab kommen sehen. Damit regt er sie an, darüber nachzudenken, was ihn frühzeitig ins Grab gebracht hat, und miteinander dafür zu sorgen, dass sich die Situation bessert. Jesu Worte: »Lasst ihn weggehen« sind dann eine Aufforderung, dem Lazarus Zeit zu geben, über alles nachzudenken, eine innere Ordnung zu machen und damit zu einer Auferstehung zu finden im Sinne von: etwas neu sehen, aus einer anderen Perspektive betrachten, Energie schöpfen, auszubrechen, Mut zu etwas anderem aufzubringen. Auferstehungserfahrungen sagen wir gerne dazu. Sie geschehen mitten im Tag, manchmal unerwartet oder unverhofft. Sie sagen uns, dass Ostern kein einmaliges Ereignis aus ferner Vergangenheit ist, sondern Gegenwart.

Das Lied »Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung« besingt solche Auferstehungserfahrungen. Sie geschehen unerwartet, unverhofft, immer aber dann, wenn es gelingt »umzukehren« und uns von eingefahrenem Denken und Verhalten zu lösen: wenn »Stunden eingeschmolzen (1.Str.), Sätze aufgebrochen« (2.Str.), »Waffen umgeschmiedet« (3.Str.) und »Sperren übersprungen« (4.Str.) werden. Der Autor dieses Liedes hat wohl solche Erfahrungen gemacht. Ezechiel, Maria und Marta auch. Den Mut und die Freude, die aus diesem Lied sprechen, wünsche ich uns allen!

Predigtlied: GL 472: »Manchmal feiern wir mitten im Tag«

Allgemeines Gebet

Voll Vertrauen bitten wir Jesus für alle Menschen, die sich eingeengt und gefangen fühlen:

Für alle, die sich kraftlos und ausgebrannt sind:

Für alle, über deren Willen und Wünsche einfach hinweggegangen wird:

Für alle, die unter ihren Fehlern oder Einschränkungen leiden:

Wir beten auch für jene, die ihnen beistehen:

Für alle, die in helfenden Berufen tätig sind:

Für alle, die sich freiwillig in gemeinnützigen Einrichtungen engagieren:

Für alle, die einfach immer da sind, wenn Hilfe gebraucht wird:

Wir beten auch für alle Anliegen, die an uns herangetragen sind …

Denn du, Herr Jesus, bist die Auferstehung und das Leben. Wer dir glaubt, wird leben, heute und alle Tage …

Glaubensbekenntnis

Wir bekräftigen unseren Glauben und beten das Glaubensbekenntnis. GL 586.2

Friedenszeichen

Im Predigtlied haben wir gesungen: »Manchmal feiern wir mitten im Streit ein Fest der Auferstehung.« Wir wollen einander ein solches Fest ermöglichen und wünschen deshalb: »Friede sei mit dir.«

Kollekte

Wir bitten heute um Ihre Spende für … Vergelt’s Gott.

Lobpreis

V/A: Die Freude aller ist auf Erden erschienen, Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.

Christus, die Wahrheit, das Licht und das Leben der Welt.

A: Die Freude aller…

Er ist das Urbild der Auferstehung und brachte allen die göttliche Vergebung.

A: Die Freude aller…

Wir lobpreisen dich, Lebensspender, Christus.

A: Die Freude aller und das Leben der Welt

(angelehnt an das Kondakion zum Lazarussamstag der Ostkirche)

Vaterunser

Wir beten mit den Worten Jesu …

Danklied: GL 402,1–3,12: »Danket Gott, denn er ist gut«

Schlussmeditation

Jesus,

kannst du nicht auch heute die Gräber öffnen, die wir uns schaufeln?

Möchtest du uns nicht aus der Unterwelt herausholen, in die wir uns hineinmanövrieren?

Willst du uns nicht von deinem Geist geben, damit wir lebendig werden?

Magst du uns nicht dorthin bringen, wo wir Heimat und Leben finden?

Gib auch uns die Hand und ruf ganz laut: »Komm heraus!«

Schlussgebet

Herr Jesus, du hast einst deinen Freund Lazarus aus dem Tod geholt und mit neuem Leben beschenkt. Wir bitten dich: Wecke auch uns aus allen Erstarrungen und Versteinerungen, erlöse uns vom Tod und gib uns Mut und Kraft zum Leben. Darum bitten wir dich…

Segensbitte

Gott, der jeden von uns zum Leben ruft, gehe mit uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten und segne uns, der Vater und der Sohn…

Entlassung

Singet Lob und Preis …

Hanns Sauter

Anzeige: Ich habe dich geliebt. Dilexi te – Über die Liebe zu den Armen. Das erste Lehrschreiben des Papstes
Hefte der Ideenwerkstatt

Die Ideenwerkstatt Gottesdienste im Abo

Die Ideenwerkstatt Gottesdienste bietet viele Anregungen für die sonntägliche Liturgie und Ihre Gemeindearbeit. Sie ermöglicht es, dass Ehrenamtliche selbständig Wort-Gottes-Feiern erarbeiten und durchführen können.

Zum Kennenlernen: 1 Ausgabe gratis

Jetzt gratis testen