Vorbereiten: Kopiervorlage für Kärtchen (siehe Downloadarchiv)
Ansage zum Beginn des Gottesdienstes
Liebe Gemeinde, am Eingang haben Sie heute alle ein kleines Kärtchen erhalten. Es zeigt einen Spiegel – und einen Satz, der uns durch diesen Gottesdienst begleiten soll:
»Wenn du heute in den Spiegel schaust, sieh dich – mit Gottes Augen.«
Dieses Kärtchen ist eine Einladung: nicht um dich zu richten. Nicht um etwas zu verstecken. Sondern um dich zu erinnern, wer du bist. Nehmen Sie es mit – als Zeichen, als Gedankenimpuls, und vielleicht auch als stillen Begleiter durch die Fastenzeit.
Zum Einzug – Orgelspiel, instrumental, ruhig – einladend zur Sammlung.
Eingangslied – GL 140, 1–3 »Kommt herbei, singt dem Herrn«
Liturgischer Gruß, Begrüßung und Statio
Vor dem Altar steht ein Spiegel.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. – Alle: Amen.
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Familien, wir haben uns heute versammelt, um die Fastenzeit zu beginnen – eine besondere Zeit. Eine stille Zeit. Eine Zeit, in der wir anders auf unser Leben schauen.
Ein Spiegel steht heute im Mittelpunkt. Nicht um Fehler zu zählen. Nicht um uns schlecht zu machen. Sondern um uns zu erinnern: Wir sind geliebt. Wir sind gesehen – mit Gottes Augen. Wenn wir ehrlich in den Spiegel schauen, sehen wir Licht und Schatten. Stärken und Grenzen. Dinge, die gut waren – und manches, was nicht gelungen ist. Wir dürfen alles vor Gott bringen – voll Vertrauen und mit offenem Herzen. So rufen wir zu ihm um sein Erbarmen:
Kyrie-Rufe
Herr Jesus Christus, du kennst unseren Blick nach innen – du siehst, was wir selbst oft übersehen: unsere Sehnsucht nach Liebe und unser Bedürfnis nach Vergebung. Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du kennst unseren Blick nach außen – du siehst, wo wir anderen nicht gerecht werden: wo wir wegsehen statt hinzusehen, schweigen statt zu helfen. Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du richtest deinen Blick auf uns – nicht um zu verurteilen, sondern um zu lieben. Du erinnerst uns daran, wer wir in deinen Augen sind. Herr, erbarme dich.
Vergebungsbitte
Guter Gott, du kennst unser Herz – mit allem, was darin ist: Vertrauen und Zweifel, Liebe und Angst, Mut und Versäumnis. Manchmal schauen wir weg – vor uns selbst, vor anderen, vor dir. Doch du lädst uns ein, hinzusehen. Nicht mit Angst, sondern mit Vertrauen. Nicht mit Scham, sondern mit Hoffnung. So bitten wir dich: Vergib uns, was uns von dir und voneinander trennt. Richte uns auf, wenn wir uns selbst kleinmachen. Und stärke in uns den Wunsch, neu anzufangen – mit offenem Blick, mit wachem Herzen, mit deinem Segen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Tagesgebet
Gott, du kennst uns, wie wir sind – mit Licht und Schatten, mit Fragen und Sehnsucht. Gib uns den Mut, in den Spiegel zu schauen – nicht mit Angst, sondern mit Vertrauen. Lass uns erkennen, was neu werden soll – und stärke uns auf dem Weg der Umkehr. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Erste Lesung: Joel 2,12–18
Zwischengesang: GL 142, 1–2 »Zu dir, o Gott, erheben wir«
Zweite Lesung: 2Kor 5,20 – 6,2
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther. Lasst uns aufmerksam sein auf das Wort Gottes.
Lesung: 20 So sind wir also Botschafter an Christi statt, wir ermahnen an Christi statt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 6,1 Wir fordern euch auf: Lasst euch nicht mit Gottes Gnade umgehen! 2 Denn er sagt: Ich habe dich in der günstigen Zeit erhört, am Tag des Heils habe ich dir geholfen. Siehe, jetzt ist die günstige Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!
Wort des lebendigen Gottes. Dank sei Gott, dem Herrn.
Ruf vor dem Evangelium: GL 176, 3 »Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre«
Evangelium: Mt 6,1–6.16–18)
Symbolpredigt
Liebe Schwestern und Brüder, heute früh stand ich im Bad, wie jeden Morgen. Müde, noch halb verschlafen. Und da war er – der Spiegel. Ehrlich. Sehr ehrlich. Unerbittlich. Und doch freundlich. Denn er zeigt nicht mehr als da ist. Aber auch nicht weniger. Ich sah mein Gesicht. Nicht perfekt, nicht glatt – aber vertraut. Und plötzlich dachte ich: Wie viele Menschen schauen täglich in den Spiegel – und mögen nicht, was sie sehen? Zu alt. Zu jung. Zu müde. Zu leer. Zu viel. Zu wenig. Zu erschöpft. Zu unvollkommen. Viele Menschen meiden den Blick in den Spiegel. Weil sie nicht mögen, was sie sehen.
Bevor ich von Anna erzähle, möchte ich noch kurz auf ein Wort aus dem heutigen Evangelium hinweisen. Jesus fordert uns darin auf, unser Fasten, Beten und Tun nicht zur Schau zu stellen, nicht für die Aufmerksamkeit der Menschen zu leben, sondern still und verborgen vor Gott. Er erinnert uns daran, dass Gott sieht, was im Verborgenen geschieht – das, was wirklich zählt. Diese Einladung passt wunderbar zu unserem Spiegelbild: Nicht die Oberfläche, der äußere Schein, zählt, sondern die Ehrlichkeit und Tiefe, mit der wir uns selbst und anderen begegnen.
Ich möchte Ihnen die Geschichte von Anna erzählen. Anna war eine Frau, die oft kritisch auf sich blickte. Sie sah die Fehler, die Unzulänglichkeiten – und fühlte sich klein und überfordert. In einer Fastenzeit bekam sie eine ungewöhnliche Aufgabe: Jeden Morgen fünf Minuten vor den Spiegel treten, und laut oder leise sagen, was Gott über sie sagen würde. Am Anfang war es schwer. Die Stimmen der Selbstkritik waren laut und wuchtig. Doch nach und nach begann sie ihre Worte zu verändern. »Ich bin da.« »Ich bin mehr als das, was ich sehe.« »Ich bin geliebt.« Diese Sätze wurden für Anna zu einem neuen inneren Spiegel. Sie erkannte: Ich bin nicht nur mein Urteil, nicht nur mein Versagen. Ich bin Gottes geliebtes Kind – in meiner Verletzlichkeit und Stärke.
Heute, am Beginn der Fastenzeit, lädt uns dieser Spiegel ein, uns selbst anzuschauen. Nicht um zu richten, sondern um zu erinnern. Nicht um zu verstecken, sondern um ehrlich zu werden. Die Fastenzeit ist keine Zeit des Drucks, sondern der Besinnung. Eine Zeit, um zu fragen:
Wo schaue ich weg, wenn ich ehrlich hinsehen sollte?
Welche Teile meiner selbst habe ich vielleicht verborgen?
Wie kann ich lernen, mich mit Gottes Augen zu sehen?
Wo brauche ich Vergebung – von anderen, von mir selbst, von Gott?
Wie kann ich in diesen 40 Tagen wachsen – im Verborgenen, ohne Lärm, ohne Schein?
Diese Fragen sind nicht einfach. Sie laden uns ein, mutig zu sein – mutig ehrlich. Sie sind eine Einladung, die Maske fallen zu lassen und das Leben so zu sehen, wie Gott es sieht: voll Barmherzigkeit und Hoffnung. Stell dir vor, Gott steht dir heute mit einem Spiegel gegenüber. Nicht einem kalten, distanzierten Spiegel. Sondern einem Spiegel, der sagt: »Ich sehe dich – nicht mit Urteil, sondern mit Liebe. Nicht mit Scham, sondern mit Hoffnung. Nicht nur, wer du warst, sondern auch, wer du werden kannst.« Was möchtest du heute im Spiegel sehen? Deine Fehler? Deine Zweifel? Deine Schwächen? Oder deinen Mut, neu anzufangen? Deine Würde? Deine Einzigartigkeit? Deine tiefe Zugehörigkeit zu Gott?
Und zum Schluss – eine Einladung, die ich dir mitgeben möchte: Wenn du heute in den Spiegel schaust, sieh dich mit Gottes Augen. Aschermittwoch – ein Blick in den Spiegel. Nicht um dich zu richten. Nicht um etwas zu verstecken. Sondern um dich zu erinnern, wer du bist. Diese Fastenzeit darf eine Zeit sein, in der wir uns erlauben, ehrlich zu sein – und gnädig. Eine Zeit, in der wir lernen, uns selbst mit den Augen Gottes zu sehen. Eine Zeit, in der wir uns erinnern: Ich bin nicht perfekt. Ich bin ein Mensch auf dem Weg. Ich bin geliebt. Vielleicht sagst du dir morgen früh, wenn du alleine vor deinem Spiegel stehst: »Ich bin ein Mensch auf dem Weg. Ich bin nicht fertig. Aber ich bin geliebt.« Das genügt. Mehr braucht es nicht. Amen.
Stille
Segensgebet über die Asche
Gott, du hast uns aus Staub geformt, aus Erde, die das Leben trägt. Wie ein Spiegel hältst du uns den Blick vor – nicht um uns zu richten, nicht um Fehler zu zählen, sondern um uns zu erinnern, wer wir sind. Wenn wir heute diese Asche auf unser Haupt legen, erinnern wir uns daran: Wir sind zerbrechlich, vergänglich, Staub – und doch gesehen durch deine Augen, die voller Liebe sind. Du siehst uns mit einem Spiegel, der nicht nur zeigt, was war, sondern auch, was werden kann.
Segne diese Asche als Zeichen deiner Gnade, die uns heilt und trägt, uns Mut schenkt zum Neuanfang und das Vertrauen, dass wir immer wieder neu beginnen dürfen.
Wenn wir morgen in den Spiegel schauen, mögen wir uns sehen mit deinen Augen: voll Barmherzigkeit, voller Hoffnung, voller Licht. Staub bist du – und Gnade zugleich. Das gilt für jeden von uns, hier und heute.
Darum segne uns, dass wir mit offenem Herzen und ehrlichem Blick den Weg gehen, den du für uns bereithältst.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Hinweis zur Ascheauflegung
Die Asche wird heute bewusst auf eine kleine Spiegelkachel geschüttet. Von dieser Spiegelkachel nimmt der Zelebrant die Asche behutsam auf und legt sie den Gläubigen als Zeichen von Vergänglichkeit und Gnade auf. So verbindet sich das Zeichen der Asche mit dem Bild des Spiegels – ein Blick, der nicht richtet, sondern erinnert: Du bist Staub – und Gnade zugleich, gesehen mit Gottes Augen.
Während der Ascheauflegung singen wir: GL 266 »Bekehre uns, vergib die Sünde« und/oder GL 428 »Herr, dir ist nichts verborgen«
Fürbitten
Herr, du schaust uns an – nicht um zu richten, sondern um zu lieben. Wir bringen dir heute unsere Anliegen und Bitten entgegen.
Für alle, die sich im Spiegel ihres Lebens nur mit Kritik sehen – schenke ihnen den Blick der Barmherzigkeit und des Friedens. – Herr, erbarme dich.
Für alle, die den Weg verloren haben oder sich selbst nicht mehr erkennen – öffne ihre Augen für deine liebevolle Gegenwart. – Herr, erbarme dich.
Für unsere Gemeinde, dass wir uns und andere mit Gottes Augen sehen lernen – offen, ehrlich und voller Mitgefühl. – Herr, erbarme dich.
Für alle, die in diesen Tagen einen Neuanfang wagen – stärke sie durch deinen Geist und deine Liebe. – Herr, erbarme dich.
Für die Verstorbenen, die von uns gegangen sind – nimm sie in deinen ewigen Frieden auf. – Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Zu Gott, der uns mit Liebe anschaut, wollen wir gemeinsam beten: Vater unser im Himmel …
Schlussgebet
Guter Gott, du hast uns heute eingeladen, uns selbst mit neuen Augen zu sehen – durch deinen Spiegel der Liebe und Barmherzigkeit. Lass dieses Bild, das du von uns hast, tief in unser Herz hineinstrahlen. Schenke uns Mut zur Ehrlichkeit, Zuversicht für den Weg des Aufbruchs und die Kraft deiner Liebe, die uns durch die kommenden 40 Tage begleitet.
Amen.
Danklied: GL 267, 1+2 »O Mensch, bewein dein Sünde groß«
Persönliche Abschlussworte
Liebe Schwestern und Brüder, zum Abschluss wünsche ich Ihnen einen guten Start in die Fastenzeit. Nehmen Sie das kleine Spiegel-Kärtchen, das Sie am Eingang erhalten haben, mit nach Hause. Lassen Sie es ein täglicher Impuls sein: Wenn Sie morgen früh und an den kommenden Tagen in den Spiegel schauen, erinnern Sie sich daran, sich selbst mit Gottes Augen zu sehen – nicht zu richten, nicht zu verstecken, sondern liebevoll zu erkennen, wer Sie sind. Mögen diese 40 Tage eine Zeit des ehrlichen Hinschauens, der Umkehr und des Neubeginns sein. Mögen Sie Mut, Zuversicht und Gottes Nähe spüren – jeden Tag aufs Neue. Ich wünsche Ihnen von Herzen eine gesegnete, achtsame und hoffnungsvolle Fastenzeit!
Segen
So segne euch der Gott, der euch kennt – nicht nur das Gesicht, sondern euer Herz. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Elemente für eine Eucharistiefeier:
Gabenbereitung: GL 446 »Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun«
Gabengebet: Guter Gott, du bist unser Spiegel und unser Licht. In deinem Blick erkennen wir uns – mit allem, was wir sind: zerbrechlich und wertvoll, fehlbar und voller Hoffnung. Wir bringen dir diese Gaben als Zeichen unserer Bereitschaft, ehrlich vor dir zu treten, uns erinnern zu lassen an deine Liebe und Gnade, und den Weg des Neubeginns zu gehen. Segne unsere Gaben und uns selbst, dass wir gestärkt weitergehen, mit offenem Herzen und dem Blick deiner Barmherzigkeit. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Sanctus: GL 190 »Heilig, heilig, heilig …«
Agnus Dei: GL 204 »Christe, du Lamm Gottes«
Kommunion: Orgelspiel
Michael Paul