Der Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung – manchmal auch kurz „Schöpfungstag“ genannt – lädt Christinnen und Christen aller Konfessionen ein, Gott für seine Schöpfung zu danken und Verantwortung für das gemeinsame Haus der Erde zu übernehmen. Seine Wurzeln liegen in der orthodoxen Kirche: Der Ökumenische Patriarch Dimitrios I. (1914–1991) führte 1989 den 1. September, den Beginn des orthodoxen Kirchenjahres, als Tag des Gebets für die Schöpfung ein, der in den Folgejahren von Kirchen in vielen Ländern (z. B. 2010 in Deutschland) aufgegriffen wurde. Papst Franziskus übernahm diese Initiative 2015 für die ganze katholische Kirche und führte den 1. September als weltweiten Gebetstag ein. Damit wollte er den engen Zusammenhang von Schöpfungsverantwortung, Spiritualität und Liturgie bewusst unterstreichen.
Der Gebetstag wird in den verschiedenen Ländern unterschiedlich gestaltet. Mancherorts steht der 1. September mit besonderen Gottesdiensten, Andachten oder sogar Prozessionen im Mittelpunkt. Andernorts wird er in eine längere „Schöpfungszeit“ eingebunden, die vom 1. September bis zum 4. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, reicht. Diese ökumenisch geprägte Zeit verbindet Gebet und konkretes Handeln für den Schutz der Schöpfung und wird heute von zahlreichen christlichen Kirchen gemeinsam begangen.
Theologisch gründet der Gebetstag in dem biblischen Auftrag, die Schöpfung nicht auszubeuten oder gar zu zerstören, sondern zu „bebauen und zu bewahren“ (Gen 2,15). Er versteht die Sorge für eine lebenswerte Umwelt als Ausdruck der Gottesverehrung und der Verantwortung für kommende Generationen. Praktisch-liturgisch kann dies in Dankgebeten, Fürbitten, Segenszeichen und Gottesdiensten unter freiem Himmel ebenso zum Ausdruck kommen wie in der Verbindung von Gebet und praktischem Einsatz für einen nachhaltigen Lebensstil.
Manuel Uder, Trier