Der Sterbesegen ist eine liturgische Feier zur Begleitung von Menschen am Ende ihres Lebens. Er richtet sich an Sterbende und ihre Angehörigen und spricht Trost, Hoffnung und die Nähe Gottes zu. Anders als die Krankensalbung oder die Wegzehrung, die zu den Sakramenten gehören, ist der Sterbesegen eine Segensfeier, die auch dann möglich ist, wenn kein Priester zur Stelle oder der Empfang der Sakramente aus medizinischen bzw. persönlichen Gründen nicht mehr möglich ist. Mit Gebeten, Schriftlesungen, Zeichen(handlungen) wie dem Kreuzzeichen oder Weihwasser und dem gemeinsamen Vaterunser wird das Leben des sterbenden Menschen Gott anvertraut. Oft wird dabei die Taufe in Erinnerung gerufen: Gott möge vollenden, was er im Leben des Menschen begonnen hat.
Der Sterbesegen hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, weil sich die Bedingungen des Sterbens verändert haben. Viele Menschen verbringen ihre letzte Lebensphase in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Hospizen; zugleich wünschen sich auch Menschen mit geringer kirchlicher Bindung Begleitung, Zuspruch und Segen. Deshalb entstanden seit den 2010er Jahren in zahlreichen deutschen und österreichischen Diözesen eigene Handreichungen und Feierbücher für die Begleitung Sterbender. Anders als dort hat die Schweizer Bischofskonferenz 2026 erstmals ein landesweit approbiertes, viersprachiges liturgisches Buch („Sterbesegen – Auf dem Weg ins Licht“) veröffentlicht.
Der Sterbesegen kann von Priestern, Diakonen, pastoralen Mitarbeitenden, ehrenamtlich Engagierten sowie Angehörigen verwendet werden. Er versteht sich als Feier an der Schnittstelle von Liturgie und Diakonie und macht deutlich, dass die Kirche Menschen bis an die Schwelle des Todes begleitet. In einer Zeit, in der Sterben oft aus dem öffentlichen Leben verdrängt wird, kann der Sterbesegen helfen, Abschied bewusst zu gestalten und die Hoffnung des christlichen Glaubens auszudrücken: dass das Leben des Menschen in Gott aufgehoben und vollendet wird.
Manuel Uder, Trier