Als Sakramentar wird eine Buchgattung der lateinischen Kirche bezeichnet, die bis ins Hochmittelalter in der Liturgie verwendet wurde. Der Name leitet sich von dem Begriff sacramenta ab, womit ursprünglich die heiligen Feierhandlungen und besonders die gottesdienstlichen Gebete (Orationen) gemeint waren. Das Sakramentar enthielt vor allem die dem Vorsteher vorbehaltenen Texte der Messfeier, also die Präsidialgebete wie Tagesgebet, Gabengebet, Hochgebet und Schlussgebet. Teilweise waren auch Hinweise zum Ablauf der Feier sowie Texte für andere liturgische Handlungen Bestandteils der Sakramentare.
Historisch gesehen ist das Sakramentar ein wichtiger Vorläufer des späteren Messbuchs (Missale). Solange Lesungen, Gesänge und Vorstehergebete noch in verschiedenen Büchern überliefert waren, genügte dem Priester das Sakramentar als eigenes Buch. Erst als im Mittelalter zunehmend alle benötigten Texte in einem Band zusammengeführt wurden, entstand das Missale, das das Sakramentar allmählich verdrängte.
Die überlieferten Sakramentare – etwa das Leoninische, Gelasianische und Gregorianische Sakramentar – sind heute zwar nicht mehr für die Praxis, aber für die Theologie von großer Bedeutung. Zusammen mit anderen Buchtypen (Lektionar/Evangelistar, Graduale/Antiphonar, …) handelt sich um ein grundlegendes Quellenmaterial für die liturgiegeschichtliche Forschung.
Manuel Uder, Trier