Kunst im Kirchenraum

Kunst ist von Anfang an Bestandteil von Kirchenräumen. Architektur, Malerei, Skulptur, Glasfenster oder Textilien dienen nicht nur der Ausschmückung, sondern erschließen den Glauben mit den Mitteln der Kunst. Sie helfen, das Unsichtbare anzudeuten, biblische Botschaften zu erschließen und die Liturgie in ihrer Feier zu vertiefen. Kirchenräume sind deshalb keine Museen, sondern Orte des Gottesdienstes, in denen Kunst in Beziehung zur Feier der Gemeinde und zum Pascha-Mysterium Christi steht.

Die Kirche hat Künstlerinnen und Künstler aller Epochen gefördert und sucht bis heute den Dialog mit der zeitgenössischen Kunst. Moderne Werke sollen dabei nicht lediglich historische Formen wiederholen, sondern dürfen die Fragen und Ausdrucksweisen ihrer Zeit aufnehmen. Gerade zeitgenössische Kunst kann neue Zugänge zum Glauben eröffnen, zum kritischen Nachdenken anregen und vertraute religiöse Themen ungewohnt sichtbar machen. Voraussetzung ist, dass sie den Charakter des Kirchenraums als Ort der Liturgie achtet und mit seiner geistlichen Bestimmung in einen fruchtbaren Dialog tritt.

Kunst im Kirchenraum will weder bloß dekorieren noch ausschließlich belehren. Sie eröffnet Erfahrungsräume, die sich einer rein rationalen Erklärung entziehen, und kann so zur Begegnung mit Gott hinführen. Wo Liturgie und Kunst einander ernst nehmen, bereichern sie sich gegenseitig: Die Liturgie bleibt das lebendige „Gesamtkunstwerk“ der Kirche, während die Kunst dazu beiträgt, die Schönheit und Tiefe des christlichen Glaubens immer wieder neu erfahrbar werden zu lassen.

Manuel Uder, Trier

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