Das Kirchenjahr ist der liturgische Kalender der Christinnen und Christen, der zwar parallel zum bürgerlichen Kalender verläuft, aber eine eigene Ordnung und Struktur hat. Während der bürgerliche Jahresanfang seit 45 v. Chr. auf den 1. Januar festgelegt ist, setzte sich im Abendland erst im 10./11. Jahrhundert der erste Adventssonntag als Beginn des liturgischen Jahres durch; in der byzantinischen Kirche beginnt das Festjahr hingegen stets am 1. September. Festgelegt ist die Struktur des römisch-katholischen Kirchenjahres heute in der Grundordnung des Kirchenjahres und des neuen Römischen Generalkalenders, die 1969 im Rahmen der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil durch Papst Paul VI. promulgiert wurde.
Zentrum des Kirchenjahres ist das Gedenken an Leben, Sterben und Auferstehung Jesu Christi sowie die Erwartung seiner Wiederkunft – das „Pascha-Mysterium“ Christi. Dieses Mysterium wird besonders in den Drei Österlichen Tagen gefeiert, die von der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag bis zur Vesper am Ostersonntag reichen (Triduum Paschale). Das Osterdatum richtet sich nach dem ersten Vollmond im Frühling, ähnlich wie das jüdische Pessach-Fest. Vor Ostern liegt die mit dem Aschermittwoch beginnende 40-tägige Bußzeit, die Quadragesima; nach Ostern folgt die 50-tägige Osterzeit bis Pfingsten.
Ein weiteres zentrales Zeitsegment des Kirchenjahrs ist die Advents- und Weihnachtszeit. Sie beginnt vier Sonntage vor Weihnachten, gipfelt im Fest der Geburt Christi am 25. Dezember und endet mit dem Hochfest Erscheinung des Herrn am 6. Januar. Am darauffolgenden Sonntag folgt das Fest „Taufe des Herrn“, das die Weihnachtszeit abschließt und damit den Übergang in die „Zeit im Jahreskreis“ markiert. Diese Zeit erstreckt sich zunächst über den Zeitraum zwischen Weihnachten und Fastenzeit, später zwischen Pfingsten und dem Hochfest „Christkönig“.
Parallel zu den genannten Zeiten im Kirchenjahr verläuft das sogenannte Heiligenjahr: Verschiedener heiliger Männer und Frauen wird an bestimmten Tagen (meistens handelt es sich um den Todestag) in besonderer Form liturgisch gedacht.
Redaktion